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18. September 2020
Küsterin und Mädchen für alles in St. Johannes: Katharina Sennwitz. | Foto: Wala

Küsterin und Mädchen für alles in St. Johannes: Katharina Sennwitz. | Foto: Wala

St. Johannes in Poggenhagen: Das Gotteshaus ist auch Garnisonskirche für den benachbarten Fliegerhorst. | Foto: Wala

St. Johannes in Poggenhagen: Das Gotteshaus ist auch Garnisonskirche für den benachbarten Fliegerhorst. | Foto: Wala

Die Kirchenfenster verkünden das "Hmmlische Jerusalem". | Foto: Wala

Die Kirchenfenster verkünden das "Hmmlische Jerusalem". | Foto: Wala

Der Rosenstocl am Glockenturm. Fast schon etwas widerständig. Wie St. Johannes. | Foto: Wala

Der Rosenstocl am Glockenturm. Fast schon etwas widerständig. Wie St. Johannes. | Foto: Wala

Immer noch im Ursprung

50 Jahre St. Johannes in Poggenhagen: himmlisches Jerusalem, Familienangelegenheiten und besondere Patronate für die Glocken.

Für Katharina Sennwitz ist die Kirche St. Johannes in Poggenhagen eine Familienangelegenheit. Seit 25 Jahren kümmert sich die gelernte Krankenschwester um das kleine Gotteshaus, das zur  Pfarrei St. Peter und Paul in Neustadt am Rübenberge gehört. Ihr Schwiegervater gehörte ein weiteres Vierteljahrhundert zum Kirchenvorstand, der den Bau der Filialkirche beschloss. Nun konnte das 50-jährige Weihejubiläum gefeiert werden.

„Das war natürlich unter Corona-Bedingungen eine Herausforderung“, berichtet Katharina Sennwitz. Gefeiert wurde vor der Kirche auf der dazugehörigen grünen Wiese. „Schön war’s“, sagt sie. Über 60 Gemeindemitglieder sind gekommen. Eine gute Zahl für einen kleinen ländlichen Kirch­ort, der wie so viele andere Gemeinden im Bistum, gemeinsam immer älter wird und deren Wurzeln zumeist schlesisch sind.

Sie blickt sich in St. Johannes, in der ihre drei Kinder getauft wurden, um: „Die Kirche ist immer noch in ihrem Ursprungszustand.“ Das den Kirchenraum prägende Apostelkreuz stammt aus der 1965 zugunsten des Kirchenneubaus in Neustadt aufgegebenen Missionsstation: „Die Goldauflage wurde damals neu gemacht“, erzählt Katharina Sennwitz. Neben dem Kreuz hängen ebenfalls aus der Missionsstation stammende Darstellungen von Maria und Johannes. Das zeigt, welchem Johannes die Kirche geweiht ist – dem Apostel, der zusammen mit der Gottesmutter unter dem Kreuz stand.

Einmal im Monat „Kaffee, Nadel und Faden“

Der Blick von Katharina Sennwitz geht weiter, bleibt an den Kirchenfenstern neben dem Altarraum hängen. Sie zeigen abstrahiert das himmlische Jerusalem: „Ich mag diese Darstellung sehr.“ Katharina Sennwitz hat die Kirchenfenster auch selbst in eine Patchwork-Arbeit umgesetzt. Ein weiteres Stichwort: Regelmäßig, jetzt wieder nach Corona, treffen sich Frauen im direkt mit dem Kirchenschiff verbundenen Gemeinderaum. Einmal zu „Kaffee, Nadel und Faden“ und einmal zu Patchwork und Quilt. Das zeigt, welche Bedeutung St. Johannes heute noch für Poggenhagen hat: „Es ist ein Treffpunkt in unserem lang gestreckten Ort.“

St. Johannes ist eine der typischen Fertigteilkirchen aus dem Baukasten des Bistumsarchitekten und Oberbaurat Josef  Fehlig. Dem optisch an  „ein Zelt unter den Menschen“  angelehnten Kirchenraum sind Pfarrheim und Pfarrhaus vorgelagert. Getrennt steht ein Betonturm mit drei Glocken: „Johannes, Katharina und Josef heißen sie“, erläutert Katharina Sennwitz. Mit den Patronen hat es eine besondere Bewandtnis: „Johannes wurde von der Gemeinde finanziert, die Stifter der beiden anderen Glocken hießen eben Katharina und Josef.“

Wie überhaupt viel Eigenleis­tung in der Kirche steckt: „Viele Familien haben damals zum Kirch­bauverein beigetragen“, berichtet Katharina Sennwitz. Das war schon eine Anstrengung: „Die meisten haben gerade selbst gebaut, da waren zwei Mark für den Kirchbauverein viel Geld.“

Wie steht es um die Zukunft von St. Johannes? Katharina Sennwitz macht sich da keine Illusionen: „Wir leben seit 25 Jahren mit dem Gedanken, dass morgen der letzte Tag der Kirche sein kann.“ Ihr fast schon symbolhaftes Beispiel dafür: 1984 wurde letztmals eine Erstkommunion gefeiert.

Aber Pläne macht die Küsterin und das „Mädchen für alles“ trotzdem. So wird der Volkstrauertag gemeinsam mit der evangelischen Kirche vor Ort gefeiert. „Jetzt überlegen wir, ob angesichts von Corona auch ein gemeinsames Weihnachtsfest möglich ist.“

Ein letzter Blick auf den Rosenstock am Glockenturm. Er blüht. Widerständig. Wie St. Johannes.

Von: Rüdiger Wala