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10. Juni 2020
„Na, noch ein Teilchen?“. Jürgen Grüne bei der Ausgabe. Ohne Maske geht gar nichts. Und einen kernigen Spruch gibt es noch dazu. | Foto: Wala

„Na, noch ein Teilchen?“. Jürgen Grüne bei der Ausgabe. Ohne Maske geht gar nichts. Und einen kernigen Spruch gibt es noch dazu. | Foto: Wala

Immer wieder werden zwischendurch die Tische desinfiziert.| Foto: Wala

Immer wieder werden zwischendurch die Tische desinfiziert.| Foto: Wala

Kaffee, Gebäck, gespendete Kleidung und auch ein Karton mit Duschgel – alles muss in den VW-Bulli.| Foto: Wala

Kaffee, Gebäck, gespendete Kleidung und auch ein Karton mit Duschgel – alles muss in den VW-Bulli.| Foto: Wala

Routiniert wird zweimal die Ausgabe aufgebaut. Wichtig sind die hohen Plexiglasscheiben.| Foto: Wala

Routiniert wird zweimal die Ausgabe aufgebaut. Wichtig sind die hohen Plexiglasscheiben.| Foto: Wala

Kaffee, Kuchen und Klamotten

Die Hilfe darf nicht aufhören, sagt Kyra Kluck vom Malteser Hilfsdienst. Deshalb ist der Kältebus auch an warmen Tagen in Hannover unterwegs. Möglich ist das nur durch den Einsatz von ehrenamtlich Engagierten.

Jürgen Grüne schaut einmal. Und noch einmal. Erst in das Heck des VW-Bulli mit dem markanten Logo des Malteser Hilfsdienstes. Dann auf all die Dinge, die eingepackt werden müssen. „Passt schon“, sagt der 58-Jährige.

Denn es sind nicht nur Kaffee, Kuchen, Kekse und Kleidung, die er zusammen mit Katharina Scheele verstauen muss. Klapptische müssen auch noch mit rein, drei runde, zwei rechteckige. Dazu große Plexiglasscheiben samt der nötigen Halterung. Einweghandschuhe, überdimensionierte Küchenrollen und jede Menge Desinfektionsmittel. Der Hygieneschutz macht’s nötig.

Zweimal die Woche sind die Malteser in Hannover unterwegs,  zu zwei Plätzen an denen sich Obdachlose oder Menschen mit ganz schmalem Geldbeutel in der Landeshauptstadt aufhalten: dem Raschplatz am Hauptbahnhof und dem Kröpke in der Innenstadt. Seit 2018 immer donnerstags und seit kurzem auch freitags.

„Im Winter 2018/19 haben wir mit dem Kältebus angefangen“, erzählt Kyra Kluck, die zuständige Projektleiterin bei den Maltesern.  Eine heiße Suppe und warme Getränke sollten die Not der in der Stadt frierenden Wohnungslosen lindern. An anderen Tagen waren weitere Hilfsorganisationen, darunter die Caritas unterwegs.

Aus dem Kältebus wird der Zuckerbus

Eigentlich sollte im April Schluss mit der Saison sein. Doch dann kam SARS-CoV-2. „Da konnten wir nicht einfach aufhören“, unterstreicht Kluck. So wurde aus dem „Kälte-“ der „Zuckerbus“, wie’s bei den Ehrenamtlichen scherzhaft heißt. Weil eher süße Sachen verteilt werden.

Jürgen Grüne war’s recht, dass es weitergeht: „Not fragt ja nicht nach Jahreszeit.“ Er ist von Beginn des Kältebusses an dabei. Seine erste Erfahrung mit den Maltesern: Im Hilfsverband ist er nicht organisiert. „Meine Frau engagiert sich im Hospizdienst der Malteser“, erzählt Grüne. So hat ihn die Idee für das neue Projekt erreicht. „Da habe ich gedacht, da mache ich mit.“ Beruflich arbeitet er im Niedersächsischen Landesamt für Bezüge und Versorgung.

Katharina Scheele ist dagegen frisch dabei. Wie viele tausende Arbeitnehmer in Niedersachsen ist die Projektmanagerin zurzeit in Kurzarbeit: „So viel zu Hause rumsitzen wollte ich aber auch nicht.“ So suchte sie nach einer Möglichkeit sich einzubringen – und wurde bei den Maltesern fündig. Eine erste Erfahrung: „Man ist ja nicht frei von Vorurteilen über Obdachlose“, erzählt sie. Die hat sie jetzt über Bord geworfen.

Erste Station: Raschplatz. Routiniert baut das Malteser-Team die Ausgabe auf. Schnell bildet sich eine Schlange – mit Abstand und Maske. Keine Hektik, kein Gedrängel. Hinter dem Bus empfängt Waldemar Tessmann, mittlerweile dazugekommen, einen jungen Mann. Er hat sich letzte Woche nach einer Hose erkundigt. Nun schauen beide in den Kleiderspenden, ob was Passendes dabei ist. Eben: Kaffee, Kuchen und Klamotten. Wobei Tessmann Klamotten nicht negativ verstanden wissen will: "Sind immer gute Sachen dabei."

Wie kommt die Aktion an? „Das ist super hier“, sagt Eddy. Über 50, Lederklamotten, lange graue Haare: „Und hier kriegste auch mal nen Spruch, das finde ich gut.“ Er will sich nicht beklagen: „Bin doch selbst schuld an meiner Situation, hab alles verspielt, was ich hatte.“ Aber „betüdelt“ – das will er nicht werden.

Jürgen Grüne lächelt. Er kennt das von ‚seinen‘ Leuten. Und fragt: „Noch einen Kaffee – oder so ein Plunderteil?“ Es menschelt. Gewollt. "Wir machen das nicht von oben herab", betont Grüne. Schließlich kann ein Leben schnell in Schieflage geraten. Dich jetzt: Abbau. Weiterfahrt zur zweiten Station – dem Kröpke.

Was an Kuchen und Gebäck über den Tisch geht, ist gespendet: „Von Geschäfts- wie Privatleuten“, erläutert Projektleiterin Kyra Kluck. Ohne solche Spenden würde das Projekt nicht gelingen – und nicht ohne Ehrenamtliche.

Interesse an Spende oder Mitarbeit? Malteser Hilfsdienst Kyra Kluck, Telefon: 05 11 / 959 86 34 oder E-Mail: kyra.kluck(at)malteser.org. Benötigt werden neben Geldspenden Isomatten, Schlafsäcke und neue Unterwäsche – vor allem für Frauen.

Spendenkonto: IBAN DE10 3706 0120 1201 2000 12, Stichwort: Corona-Hilfe

Von: Rüdiger Wala