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12. April 2019
Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann und Propst Martin Tenge zeigen die Einheit ...

Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann und Propst Martin Tenge zeigen die Einheit ...

... und die Vielfalt der Konfessionen – symbolisch durch die Zwillingsosterkerzen.

... und die Vielfalt der Konfessionen – symbolisch durch die Zwillingsosterkerzen.

Im Mittelpunkt: Eine Rose, die sich um ein Kreuz windet. Deutlich sichtbar die Dornen. Aber keine Dornen ohne Rose. | Fotos: Wala

Im Mittelpunkt: Eine Rose, die sich um ein Kreuz windet. Deutlich sichtbar die Dornen. Aber keine Dornen ohne Rose. | Fotos: Wala

Keine Dornen ohne Rose

Sie sind ein besonderer Brückenschlag zwischen den Konfessionen – und in diesem Jahr ziert sie jeweils eine Rose: zwei identische Osterkerzen. Eine davon hat heute der Hannoveraner Propst Martin Tenge an Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann übergeben.

Bereits zum 11. Mal hat Tenge diese Zwillingsosterkerzen anfertigen lassen: „Als ich 2008 nach Hannover gekommen bin, war mein Gedanke, dass es zwischen den beiden Hauptkirchen unserer Konfessionen, der Marktkirche und der Basilika St. Clemens, ein deutliches ökumenisches Zeichen geben sollte.“ Diese Verbundenheit drücken die Kerzen aus. Mehr noch: Werden die beiden Kerzen in einem bestimmten Winkel zueinander gestellt, verschmelzen die beiden Darstellungen zu einem Motiv: „Das ist das Zusammenspiel von Einheit und Vielfalt“, sagt Hanna Kreisel-Liebermann.

In diesem Jahr ziert eine sich um ein Kreuz windende Rose die Kerze. „Wir kennen ja das Sprichwort Keine Rose ohne Dornen“, erläutert Tenge. Doch der Propst möchte dieses Sprichwort andersherum gedeutet wissen: „Keine Dornen ohne Rose.“ Das habe mit der Botschaft des Osterfestes zu tun: Erst die Kreuzigung Jesu Christ am Karfreitag, dann die Auferstehung in der Osternacht. „Oder anders ausgedrückt, erst das Leid, dann die Hoffnung, die daraus erwächst.“

Die Idee zu dem Motiv stammt von Propst Martin Tenge, künstlerisch umsetzt wurde sie auch in diesem Jahr von der Duderstädter Künstlerin Susanne Bednorz. Gefertigt wurden die beiden Kerzen allerdings zum ersten Mal in Hannover – im Karmel St. Josef von Schwester Marija Marta. Seit November 2013 ist der Frauenorden der Karmelitinnen in Hannover ansässig. Die Gemeinschaft besteht aus zehn Schwestern. Es ist ein kontemplativer Orden – das Gebet steht im Mittelpunkt des Lebens im Karmel.

In der katholischen Auferstehungsfeier wird die Osterkerze geweiht und am Osterfeuer entzündet. Der Priester schmückt sie mit fünf Nägeln aus Wachs, die an die Wunden erinnern, die Jesus bei der Kreuzigung zugefügt wurden. Dann wird die Kerze als einziges Licht in die dunkle Kirche getragen. Später wird mit ihr Wasser geweiht – für Taufen und für die Weihwasserbecken am Eingang von Kirchen. Die Nägel, die in diesem Jahr die Zwillingskerzen schmücken, tragen die gleiche Farbe wie die Dornen auf dem Kerzenmotiv.

In der evangelischen Kirche ist die Tradition der Osterkerze noch jung, sagt Hanna Kreisel-Liebermann. Erst im vorigen Jahrhundert entdeckte man die Symbolik von Kerzen im Kirchraum wieder. Einige Gemeinden in evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband Hannover schmücken Kerzen bereits mit Nägeln oder weihen sie am Osterfeuer.

Wenn sich jetzt auch die Wege des Kerzen-Paares trennen: Einmal werden sie in diesem Jahr wieder zusammenkommen – zum Hochfest Fronleichnam am 20. Juni.  Dann werden sie vor der Marktkirche neben dem Freiluftaltar des Gottesdienst stehen, mit dem die zentrale Fronleichnamsprozession der Katholikinnen und Katholiken in Hannover eröffnet wird.

Von: Rüdiger Wala