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12. Dezember 2013

Kinder und Eltern werden Kulturbotschafter

Im Projekt „Linden-Süd – Ein Stadtteil und seine Kulturbotschafter“ entdecken Kinder und Eltern, welche Talente in ihnen stecken

„Aus Mazedonien, Syrien, aus dem Irak, Algerien, Tunesien und Bulgarien – wir freuen uns, dass wir da sind“, singen die Kinder aus dem Familienzentrum St. Vinzenz des Caritasverbandes Hannover e.V. Begeistert klatschen und hüpfen sie mit: der Junge in Fez und traditionellem tunesischem Gewand, das Mädchen, das noch ein kleines Geschwisterchen auf der Hüfte schaukelt, die Eltern, die für diesen Tag festlich gekocht haben. Der Kinderliedermacher Unmada hat das „Allerweg-Lied“ extra für sie geschrieben, als Liebenserklärung an die Straße in Linden-Süd, wo 71 Kinder aus 23 verschiedenen Herkunftsländern im Familienzentrum spielen und lernen. Gemeinsam feiern sie den Auftakt zum Projekt „Linden-Süd – Ein Stadtteil und seine Kulturbotschafter“.
Die Hort- und Kita-Kinder und ihre Eltern sollen in einem Zeitraum von fünf Jahren zu „Kulturbotschaftern“ für den Stadtteil werden. Beata Brod von der Katholischen Familienbildungsstätte e.V. Hannover hat mit dem Familienzentrum St. Vinzenz, mit Radio Leinehertz 106.5 und der ProjektwerkstattUmwelt und Entwicklung e.V. drei lokale Partner gewonnen, die sich gemeinsam beim Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beworben haben. Eltern und Kinder werden Radio machen, fotografieren, verschiedene Gattungen von Kunst, Literatur und Musik erforschen und ein Musical produzieren. Dabei sollen die Familien entdecken, welche Talente und Ressourcen in ihnen stecken. „Ein vergleichbares Projekt hat es noch nie gegeben“, freut sich die Leiterin des Familienzentrums Inka Deppe-Suhr. „Die Familien bringen so viele kulturelle Kompetenzen mit“, erzählt sie: „Sie sprechen verschiedene Sprachen, sie sind so gesellig und kochen so gerne die Spezialitäten aus ihren Heimatländern für andere.“ Doch in der deutschen Gesellschaft fühlen sich viele verunsichert. Sie trauen sich nicht an Orte wie Museum oder Oper, wo Kultur stattfindet. Die Projektförderung macht es dem Kita-Team jetzt möglich, auch mal einen Theaterbesuch mit den kompletten Familien zu planen und ihnen neue Welten zu erschließen.
Ein Redaktionsteam aus Hortkindern wird die neuen Erfahrungen in Bildern, Tönen und Texten festhalten, fachlich begleitet von Ayse Sagir von der Projektwerkstatt Umwelt und Entwicklung. Auf Radio Leinehertz sollen Kinder und Eltern regelmäßig zu hören sein. „Kinder als Reporter sind im positiven Sinne hemmungslos“, weiß Geschäftsführer Georg May. Sie fragen direkt – und kriegen prompte Antworten. „Ehre ist ein dickes Wort“, sagt Kinderliedermacher Unmada, der bürgerlich Manfred Kindel heißt. Aber in dem Fall kann er es nicht anders sagen: Er fühlt sich geehrt, die Schirmherrschaft für das Projekt zu übernehmen. „Kinder blühen auf, wenn sie gesehen werden“, weiß er. „Es gibt ihnen ein Standing, eine Identität.“ Jedes der kommenden Jahre steht unter einem Schwerpunktthema, beginnend mit „Sinneswahrnehmung/Bildende Kunst“ 2014. Es folgen „Musik/Medien“ (2015), „Ernährung/Bewegung“ (2016) und Literatur/Darstellende Kunst (2017). Bei der Auftaktveranstaltung im Spielpark Tumultus konnten sich Kinder und Eltern schon einmal spielerisch mit den Themen vertraut machen.