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18. Januar 2019
Wochenmarkt in Burgdorf – mittendrin die Katholikinnen und Katholiken von St. Nikolaus | Fotos: Wala

Wochenmarkt in Burgdorf – mittendrin die Katholikinnen und Katholiken von St. Nikolaus | Fotos: Wala

Kirche, Kaffee, Kräuteröl

Pfarreien – so ein Vorurteil – haben manchmal etwas von einer „Wagenburg“: Etwas abgeschottet vom Rest der Welt. In Burgdorf wird nun ein alter Wagen anders genutzt: als Infomobil. Jenseits des Schneckenhauses.

Niklas ist guter Dinge. Auch wenn es noch recht früh ist am Samstagmorgen. Es ist Marktzeit in Burgdorf und der Zehnjährige ist zwischen den Ständen unterwegs. Er verteilt Gummibärchen, Brausepulver und kleine Schokoladentafeln. Versehen mit einem Aufkleber, der drei Kirchen zeigt: St. Nikolaus in Burgdorf, St. Mathias in Uetze und St. Barbara in Hänigsen. Die drei Kirchorte bilden die Pfarrei St. Nikolaus. Auf die und deren Angebote möchte Niklas aufmerksam machen.

Die Marktbesucher brauchen gar nicht weit zu laufen. Denn mit ihrem Infomobil stehen die Burdorfer Katholiken nur wenige Stände weiter. „Raus aus dem Schneckenhaus“ ist ihr Leitgedanke. Da kommt ein ziemlich altes Auto ins Spiel.

17 Jahre hat der VW Bulli auf dem Buckel. Was kann man mit einem dann doch so betagten Transporter machen? Pfarrer Martin Karras hat eine Idee: Warum nicht daraus ein Infomobil machen? Mit Platz für Pavillons, mit Tisch und Stühlen und Materialien? Und statt nur zu warten, dass Interessierte den Weg am Sonntag in die Kirchen finde, dahin zu gehen, wo Menschen am Samstag sind – auf den Wochenmarkt oder auf Feste. Kirchenvorstand, der Verein Benefizz Gutes Leben und der Förderverein der Gemeinde gaben jeweils 500 Euro für Anschaffungen und Umbauten. 

Niklas findet die Idee toll. Natürlich: „Ein bisschen überwinden musste ich mich am Anfang schon.“ Aber es freut ihn, wenn Angesprochene sich für die kleine Gabe bedanken und den Kirchenstand aufsuchen. Auch seine Eltern, Heike und Norbert Wedekin sind dabei. „Sicher, manchmal gibt es auch einen blöden Spruch oder Gebrummel“, erzählen beide von ihren Erfahrungen. Aber überwiegende Zahl der Reaktionen ist erst überrascht, dann positiv: „Oh, Sie sind von der Kirche? Schön, dass sie da sind.“

Ansprechbar sein – darum geht es Pfarrer Karras und dem Team des Infomobil. Nicht um Mission, nicht um Beschallen mit frommen Sprüchen. Obwohl: Sprüche gibt es auch. Kleine Sinnsprüche, zusammengerollt aus einer Kiste, zum Rauspicken. Ein bisschen Lotteriegefühl. Wer möchte bekommt einen Kaffee. Der Becher kann dann käuflich erworben werden, wie auch Kerzen oder handgemachtes Kräuteröl in kleinen Flaschen.Übrigens: "Himmlisches Würzöl" – hergestellt aus Pflanzen mit besonderer Bedeutung im Alten Testament.

Dieser Warenverkauf ist sogar wichtig: „Damit wir einen Stand auf dem Markt haben können, müssen wir auch etwas verkaufen“, erläutert Wolfgang Obst vom Kirchenvorstand. Gebühr entrichten, Waren verkaufen – die Spielregeln des Marktes gelten auch für St. Nikolaus. Aber Marktplätze sind seit jeher auch Umschlagsorte für Informationen: „Hier können wir sagen, wer wir sind und was wir so machen“, meint Obst: „Wo hat man als Kirche sonst noch die Gelegenheit dazu?

St. Nikolaus – die Kirche – ist auch am Stand präsent. Als Modell. „Das Dach kann abgenommen werden, um einen Blick hineinzuwerfen“, sagt Pfarrer Karras. Einsichten in den Kirchenraum. Ein anderer Blickfang ist das „Burgdorfer Papamobil“, ein dreirädriger Motorroller mit Kabine. Produktname: Ape, italienisch für Biene, gern genutzt von Handwerkern. Karras fährt mit dem Roller auch in den Urlaub. Höchstgeschwindigkeit: 38 Stundenkilometer. „Da genießt man die Zeit“, sagt er. Das „Papamobil“, die „offene“ Kirche, die Atmosphäre am Stand: Karras ist ein „sympathisches Augenzwinkern“ wichtig. Denn: „Humor öffnet Türen, gerade im Gespräch.“

Manchmal gibt es Nachfragen, manchmal auch ein kurzes Wort über Glaube und Religion, manchmal bleibt’s beim Wetter: „Fast wir auf dem Kirchplatz“, sagt Heike Wedekin und lacht – vor allem als ein Passat noch schnell den Daumen hochreckt beim Vorbeigehen. Da ist es wieder: „Schön, dass Sie da sind.“ Mit Augenzwinkern.

Von: Rüdiger Wala