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15. Januar 2020
Rock und Pop, liturgisch und spirituell: Die Band Ruhama aus Köln in der Kirche Heilige Engel. | Foto: Clemens Möller

Rock und Pop, liturgisch und spirituell: Die Band Ruhama aus Köln in der Kirche Heilige Engel. | Foto: Clemens Möller

Der Blick in das Gästebuch: Detlef Brückner hat in sechs Jahren über 40 Veranstaltungen für die Kulturbühne Heilige Engel ehrenamtlich organisiert. | Foto: Wala

Der Blick in das Gästebuch: Detlef Brückner hat in sechs Jahren über 40 Veranstaltungen für die Kulturbühne Heilige Engel ehrenamtlich organisiert. | Foto: Wala

Der immer schlecht gelaunte Hase und der Bauchredner: Tim Becker in der KulturBühne. | Foto: Thomas Hönicke

Der immer schlecht gelaunte Hase und der Bauchredner: Tim Becker in der KulturBühne. | Foto: Thomas Hönicke

Das Logo der KulturBühne

Das Logo der KulturBühne

Kleine Kunst – für Gott und die Welt

Kultur im Gotteshaus, der Altarraum als Bühne – das gibt es seit 2013 in der Kirche Hl. Engel in Hannover. Aber nicht nur da: im Pfarrsaal, im Garten und im benachbarten Stadtteilzentrum bringt die KulturBühne Menschen zusammen.

„Nee, geplant war das nicht“, sagt Detlef Brückner. Der 48-Jährige, beruflich im Vertrieb eines Naturkosmetikherstellers, ist der Organisator der KulturBühne Heilige Engel im Südosten von Hannover. Am Anfang stand das zu feiernde 50-jährige Kirchweihjubiläum. 2014 sollte es gefeiert werden – und gute Kirchenvorsteher wie Detlef Brückner fangen schon zwei Jahre zuvor mit dem Planen an. Denn der Geburtstag der Kirche sollte gleich ein ganzes Jahr gefeiert werden.

„Wir hatten dann die Idee – Kirchenkabarett“, erinnert sich Brückner. Zwar wusste keiner der Planer so ganz genau, wie man so eine Veranstaltung auf die Beine  stellt. Aber die Idee stand im Raum und sollte umgesetzt werden. „Und auf einmal hieß es: Warum noch zwei Jahre warten?“, erzählt Brückner.

Er telefonierte mit der gelernten Gemeindereferentin und Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer alias „Erna Schabiewsky“ aus Dortmund. Sie sagte zu – und ein kleines Abenteuer begann für Brückner und seine Mitstreiter: „Wir hatten ja außer einer Musikanlage für die Kirchenband nichts – kein Podest, keine Scheinwerfer ...“ Ersteres wurde geliehen, letzteres gekauft, aufgebaut, Karten gedruckt – und die Veranstaltung im Februar 2013 war im Nu ausverkauft.

Die Geburtsstunde der KulturBühne hatte noch einige Wehen – zumindest für die wackere Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer. „Wir waren ja unerfahren und haben die Scheinwerfer viel zu hell eingestellt.“ Viel zu hell heißt auch viel zu heiß. „Wir haben Ulrike fast gegrillt, das habe ich erst bei der Verabschiedung gemerkt“, sagt Brückner. Der Eintrag ins Gästebuch durch die Kabarettistin war aber doch sehr freundlich – und motivierend.

„Wir haben dann beschlossen, das machen wir wieder – und unabhängig vom Jubiläum“, schildert Brückner den Lauf der Dinge. Seitdem sind 44 Veranstaltungen dazu gekommen: viel (Kirchen-)Kabarett, Lesungen, Film, aber auch Konzerte – von Rockmusik über Blas- und Swingmusik bis zum Europäischen Synagogalchor. „Eine durchaus bunte Mischung“, meint Brückner.

Spielregeln für die Kirche: Das Kreuz bleibt stehen

Bunt ist aber nicht nur die Mischung. Auch die Kirche wird bunt – wenn Konzerte im Gotteshaus stattfinden. Die Kirche als Veranstaltungsort? Für Brückner passt das: „Natürlich können dort nur Veranstaltungen stattfinden, die mit dem Raum vereinbar sind.“ Es gibt Spielregeln: „Nichts wird auf den Altar gestellt, auch das Kreuz darauf bleibt stehen.“ Seiner Erfahrung nach verhalten sich Künstler anders in einer Kirche. Das gelte nicht nur für katholikentagserfahrene Bands wie Ruhama, die zum Jubiläum in Hl. Engel spielten. Sondern auch für diejenigen, die wenig oder gar nichts mit Kirche zu tun haben. „Ganz häufig entwickeln sich daraus spannende Gespräche“, erzählt Brückner.

Ihm ist aber noch ein Zweites wichtig: „Ein Konzert bringt Menschen in die Kirche, die sonst wenig mit uns zu tun haben.“ Brückner ist oft erstaunt, wie viele Kerzen im Anschluss vor der Mutter Gottes in der kleinen Kapelle von Heilige Engel brennen.

Begegnung – das ist es was Brückner vor allem mit der KulturBühne erreichen möchte. In der Gemeinde, im Stadtteil, zwischen den Generationen. Dreimal haben er und sein Team zum Stummfilm-Kino eingeladen. Zuletzt unter freiem Himmel, davor zweimal zu Stan&Olli (alias „Dick&Doof“) in der Kirche – mit Live-Begleitung von der Orgel: „Wir hatten Besucher von acht bis 88 Jahren – und alle haben sich scheckig gelacht.“

„Die Kinder haben mich einmal voll erwischt“

Kinder und Kultur – ein weiteres Stichwort für Brückner: „Die Kinder haben mich echt einmal erwischt.“ Voller Stolz habe er das Programm der KulturBühne vorgestellt mit den Worten. „Da ist für jeden was dabei.“ Ein Finger geht hoch, eine Frage wird gestellt: „Und für uns Kinder?“ Da war Brückner blank – und nahm es sportlich. Sponsoren gesucht, Veranstaltung organisiert.

Vieles geht nur in Kooperation. Sei es mit den benachbarten evangelischen Kirchengemeinden oder mit dem Stadtteilzentrum KroKuS. Ins KroKuS ist er erstmals durch eine Veranstaltung mit dem Pfarrer, Kabarettisten und Behindertensportler Rainer Schmidt gegangen: „Der wollte Tischtennis spielen.“ Schmidt, ohne Unterarme geboren, ist mehrfacher Medaillengewinner bei den Paralympischen Spielen, Europa- und Weltmeister. Die Begegnung mit Schmidt ist Brückner besonders im Gedächtnis geblieben: „Er hat bei uns übernachtet, das waren ganz intensive Gespräche.“

Mit den Jahren hat sich die KulturBühne enorm weiterentwickelt. Die Tickets gibt es nicht mehr selbst gedruckt, sondern über einen Online-Shop. Technik und Ausstattung sind reichlich vorhanden, das Team rund um Brückner sorgt für Aufbau, Organisation und Service.

Trotzdem bleiben drei Herausforderungen. Erstens: weiter ein buntes Programm zu machen. Auch wenn mittlerweile Konzertveranstalter selbst bei Brückner nachfragen, ob ihre Künstler bei ihm auftreten können. Zweitens: die schwarze Null. „Die muss unterm Strich rauskommen“ – bei allen weiteren steuerlichen und versicherungsmäßigen Notwendigkeiten. Und drittens: die Grundidee. „Wir machen Kleinkunst für Gott und die Menschen“, betont Brückner. Das bedeutet: Menschen zusammenbringen und den einen oder anderen Impuls setzen. Durch ein Lied, einen Text oder auch einen Witz. Das treibt Brückner an.

Und darauf hofft er, wenn die Musikerin Dania König und der Lyriker Martin Buchholz am 19. Januar in der KulturBühne Lieder und Texte präsentiert, die Mut machen sollen. Titel: „Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt“. Eben kleine Kunst für Gott und die Welt.

Weitere Informationen: KLICK

Ticket für das kommende Konzert mit Dania König und Martin Buchholz: KLICK

Von: Rüdiger Wala