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12. Oktober 2020
Medikamente, Verbände, ein Krankenbett: In der Caritas Wohnung werden notwendige Behandlungen weiter vorgenommen. | Foto: Wala

Medikamente, Verbände, ein Krankenbett: In der Caritas Wohnung werden notwendige Behandlungen weiter vorgenommen. | Foto: Wala

Waschen, Kochen, Haushalt – das gehört für die Bewohner der Krankenwohnung mit dazu. Regina Koepp unterstützt. | Foto: Wala

Waschen, Kochen, Haushalt – das gehört für die Bewohner der Krankenwohnung mit dazu. Regina Koepp unterstützt. | Foto: Wala

Mehr als nur auskurieren

Vom Krankenhaus wieder auf die Straße? Frauen und Männern ohne festen Wohnsitz droht dieses Schicksal. Hier bietet die Krankenwohnung der Caritas Hannover eine Anlaufstelle und Hilfe.

Hannover-Kirchrode: Im Makler-Deutsch eine gehobene Wohnlage. Ruhig ist es hier. Und viel Grün. Aber alles, was man so braucht, nahe bei. Ein guter Platz, um wieder auf die Beine zu kommen.

Das dachte sich die Caritas Hannover und mietete eine Fünf-Zimmer-Wohnung. Auf 130 Quadratmeter leben dort zeitweise fünf Frauen oder Männer, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch weiter behandelt werden müssten – ohne diese Hilfe aber auf der Straße landen. Weil sie zuvor wohnungslos waren. Unterstützung bekommt die Caritas dabei von der Region Hannover und der Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung.  

Aufenthalt im Krankenhaus drastisch verkürzt

„Wir alle wissen, dass sich die Aufenthaltsdauer in Krankenhäusern drastisch verkürzt haben“, erläutert Monika Nordhorn, Koordinatorin der Krankenwohnung und der Straßenambulanz bei der Caritas. Auskurieren – das könne man auch zu Hause, so die Logik von Fallpauschalen, die die Länge einer Behandlung im Krankenhaus vorgeben. Nur: „Wo können wohnungslose Menschen ihre Krankheiten oder die Nachwirkungen von Operationen dann auskurieren?“ Auf der Straße geht das nicht, unterstreicht Monika Nordhorn: „Schon allein kleine Schnittwunden und Infektionen können nicht behandelt werden.“

Daher die Entscheidung, eine Krankenwohnung einzurichten. Zum Beispiel für Ralph. 51 Jahre ist er, groß, wuchtig. Aber schwerkrank. „Ende April hatte ich Schmerzen in der Brust“, erzählt er. Der Notarzt wurde alarmiert. An mehr kann er sich nicht erinnern: „Herzinfarkt, 14 Tage war ich im künstlichen Koma.“ Eine kranke Lunge hatte Ralph schon vorher.

Nachdem er zurückgeholt wurde, stand auf einmal ein Polizist an seinem Bett. Ralphs Mitbewohner war plötzlich verstorben. Er hatte zuvor sieben Jahre in einer Wohngemeinschaft gelebt. Der Mitbewohner war deutlich älter als Ralph: „Er war verwitwet und ich habe mich ein  bisschen um ihn gekümmert.“ Kränklich sei sein Mitbewohner  schon immer gewesen, medizinische Hilfe habe er häufig abgelehnt.
Dann war er auf einmal tot. Für Ralph kam noch ein Problem hinzu: „Er war der Hauptmieter.“ Selbst im Koma wurde die Wohnung geräumt, Ralph war auf einmal obdachlos. Nach der Reha-Klinik ist er dann Anfang August in die Krankenwohnung gezogen.

Ralph hat sich immer so durchgeschlagen: „Jobmäßig bin ich in der Gastronomie hängen geblieben.“ Und zu viel getrunken habe er über viele Jahre auch. „Ich habe die falschen Leute kennengelernt“, sagt er.  Unterstützt in der Caritas-Wohnung sucht Ralph einen Weg ins geregelte Leben zurück: wieder eine Wohngemeinschaft, eine Tätigkeit für drei Stunden am Tag – die Zeit, die er noch arbeiten kann: „Das wäre das Beste“.

Wieder ein Ziel vor den Augen

Jan ist 15 Jahre älter. „45 Jahre  habe ich gearbeitet, als Handwerker, dann als Bauleiter“, erzählt er. Geheiratet, zwei Kinder – doch die Ehe zerbricht. Jan wird etwas ziellos, wohnt in einer Pension.  Er lernt eine junge Frau kennen, über 30 Jahre jünger als er. Sie ziehen zusammen, eine kleine Tochter wird geboren. „Aber der Altersunterschied war zu groß“, sagt Jan. Auf einmal steht er auf der Straße. Die Obdachlosigkeit verschweigt er – auch gegenüber seinen eigenen Kindern.

Doch auch er ist krank: Verdacht auf Lungenkrebs, die Hüfte muss operiert werden. Im April wird er der erste Bewohner in der Krankenwohung. Nach er Reha sucht er jetzt eine kleine Wohnung: „Ich bin Rentner und das Finanzielle ist gesichert.“ Wieder ein Ziel vor Augen.

„Die Krankenwohnung ist mehr als ausschließlich auskurieren“, sagt Monika Nordhorn: „Es geht auch darum, Orientierung ins Leben und in den Alltag zu bekommen.“ Wieder auf die Beine.

Die Pflege übernimmt der Pflegedienst SIDA, beim Alltag hilft Regina Koepp den Bewohnern: Waschen, Verpflegung, Küche, Wohnzimmer, Bad und das eigene Zimmer sauber halten, dabei steht Regina Koepp den Bewohnern zur Seite. Tatkräftig. Freundlich Und manchmal auch mit einer klaren Ansage, das gehört dazu“, wie sie berichtet. Für Ralph und Jan ist sie schlicht „die gute Fee“.

Nähere Informationen zu den Hilfsangeboten der Caritas Hannover für wohnungslose Menschen (Tagestreffpunkt, Straßenambulanz, ambulantes Wohnen, Krtankenwohnung): hier

Von: Rüdiger Wala