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06. September 2016
Sängerin Ayda fühlt sich geehrt, als Alevitin in der Basilika St. Clemens auftreten zu dürfen. © pkh

Sängerin Ayda fühlt sich geehrt, als Alevitin in der Basilika St. Clemens auftreten zu dürfen. © pkh

Musik als Brücke zwischen den Kulturen

Ein Konzert, bei dem die Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenkommen - das plant Propst Martin Tenge mit der Band Shanaya. Deren Sängerin ist überzeugt, dass Musik der Weg zum Zusammenhalt der Gesellschaft ist.

Eigentlich sollte Ayda (33) auf die Sonderschule geschickt werden. Obwohl in Hannover geboren und aufgewachsen sprach sie kein Wort Deutsch, als sie eingeschult wurde. Ihre Eltern, die aus der Türkei nach Deutschland gekommen waren, hatten mit dem schüchternen Mädchen zuhause nur Türkisch gesprochen. „Ich habe viele Jahre in einer Parallelgesellschaft gelebt“, sagt die kleine, zierliche Frau mit den dichten, langen Haaren heute. Sie beißt sich in der Schule durch, lernt Deutsch und geht aufs Gymnasium. „Ich war eine Außenseiterin, türkische Eltern, türkische Freunde und Verwandte.“ Eines Tages entdeckten Lehrer, dass Ayda gut singen konnte. „Die Musik hat mich stark gemacht. Ich bin selbstbewusst geworden. Alles hat sich verändert durch die Musik: mein Auftreten, mein Outfit, mein Styling“, erinnert sie sich. Und vor allen Dingen ihr Kontakt zur deutschen Gesellschaft: „Durch meine Gesang bekam ich plötzlich Anerkennung und Beachtung.“

Sie begann eine Karriere als Werbe- und Eventsängerin. „Aber ich habe immer wieder gemerkt, dass ich eigentlich Musik machen wollte, die zwar kommerziell ist, die aber auch Menschen zusammenbringt“, sagt sie. So gründete sie vor fast drei Jahren die siebenköpfige Band Shanaya und beginnt mit ihren Bandkollegen zusammen zu texten und zu komponieren. „Ich bin als Deutsch- Türkin eine Subkultur in Deutschland. Gerade auch im künstlerischen Bereich. Unsere Gesellschaft ist bunt, aber das spiegelt sich nicht in Kunst und Kultur wider.“ Sie sucht nach einer Musikform, die deutschen Pop und orientalische und anatolische Klänge miteinander verbindet und entwickelt den Mig- Pop (Migranten- Pop). „Die Texte sind auf Deutsch verfasst, sprechen Missstände in der Gesellschaft aus deutsch- türkischer Sicht an und sollen Frauen stärken. Denn sie sind meiner Meinung nach der Schlüssel zur Integration“, sagt die alleinerziehende Mutter einer Tochter. Durch ein gemeinsames Projekt lernt Ayda zufällig Propst Martin Tenge kennen, der die Band Shanaya in die Basilika St. Clemens zu einem Konzert einlädt. „Mich hat die Einladung, in einem katholischen Gotteshaus als gläubige Alevitin zu singen, sehr imponiert. Ich glaube mit dem Herzen an Gott und stehe in ständigem Dialog zu ihm. Ich hoffe, dass unsere gemeinsame Botschaft gehört wird und bei dem Konzert Brücken geschlagen werden zwischen den Kulturen und Menschen mit unterschiedlicher Herkunft.“ Auch Propst Tenge erhofft sich, dass über die Musik eine neue Ebene der Begegnung möglich ist. „Ein positives Verständnis für die Vielfalt der Kulturen und Religionen in unserem Land muss weiter wachsen. Mit diesem Konzert, bei dem auch unser Regionalkantor Nico Miller an der Orgel mitwirken wird, wollen wir die Musik dafür sprechen lassen.“

 

 

„Begegnungen. Ein Konzert für die kulturelle Vielfalt“ mit der Band Shanaya findet am Freitag, 16. September, um 19:30 Uhr in der Basilika St. Clemens (Goethestraße 33, Hannover) statt. Der Eintritt ist frei. Um Spenden zugunsten der Flüchtlingsunterkunft „Wohnhaus Gleidingen“ wird gebeten.

 

 

Mehr Informationen zur Band Shanaya finden Sie unter: https://www.youtube.com/channel/UCrzG4bzAeGn1sADz05USUsg.

Von: Marie Kleine