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04. Januar 2019
Sternsingen wirkt – im Rathaus der Stadt Hannover wie im Niedersächsischen Landtag | Fotos: Wala

Sternsingen wirkt – im Rathaus der Stadt Hannover wie im Niedersächsischen Landtag | Fotos: Wala

Nichts ist perfekt ...

Segen kann auch anders sein. Besonders. Da verschieben sich Buchstaben. Trotzdem bleibt die Botschaft klar: Christus segne dieses Haus.

So geschehen beim Besuch der von 41 Sternsingerinnen und Sternsinger im Niedersächsischen Landtag. Das „M“ rutscht vor das „C“, gleich nach der 20 und dem dem Stern. Vielleicht wird gerade deshalb dieser Segen Arbeit im Landtag besonders begleiten. Eben weil er nicht „perfekt“ ist. Zuvor im Rathaus der Landeshauptstadt ist der Segen der Königinnen und Könige aus zwei Stadt- und zwei Regionsgemeinden in Reihe geblieben.

Dass nichts perfekt ist – das haben Berit, Paula und Charlotte, drei Sternsingerinnen aus der Gemeinde St. Heinrich gleich zweimal, erst im Rathaus, dann im Landesparlament anschaulich gemacht. Sie erläutern das Motto der 61. Sternsingeraktion: „Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit“. Der Blick richtet sich in diesem Jahr besonders auf die Situation behinderter Kinder. Da haben die drei eine klare Botschaft: „Auch hier in unserer Stadt und in unserem Land gibt es behinderte Kinder und Erwachsene“. Das Leben ist für sie nicht immer einfach. Aber das liegt nicht unbedingt an ihnen: „ Kein Mensch müsste sich behindert fühlen, wenn wir darauf achten, wo Hilfe benötigt wird oder wo Menschen dazugehören möchte“, sind die drei überzeugt.

Und weiter: „Das kennen wir doch alle: Jeder Mensch kann manche Dinge besonders gut und manche Dinge gar nicht. Manche Menschen bleiben ihr Leben lang auf die Hilfe anderer angewiesen.“ Es gibt für Berit, Paula und Charlotte keine Grund mit dieser Hilfe aufzuhören: „Wenn alle Menschen es normal finden, einander zu helfen, gibt es in unsere Welt keine Behinderung mehr und niemanden, der behindert wird. Dort, wo Menschen einander helfen, spielt Behinderung keine Rolle mehr.“ Eine klare Ansage.

Helfen, zusammengehören – das ist auch die Botschaft von Fee-Marie. Die Sternsingerin aus der Gemeinde St. Godehard deutet den Leitgedanken im Spiegel des Wirkens von Jesus Christus: „Wir gehören zusammen: das war immer wieder die Botschaft Jesu.“ Sie gilt gerade den Menschen, die krank oder benachteiligt sind, ausgegrenzt werden oder am Rande stehen.

Worte, die auch die Politik erreichen – sowohl im Landtag als auch im Rathaus. „Wir freuen uns, dass ihr Gottes Zuspruch in unser Haus bringt“, sagt Landtagspräsidentin Gabriele Andretta: „Wir gehören zusammen – ein wunderbares Motto.“ Wer zusammengehört, betont die Sozialdemokratin, achtet aufeinander: „Gemeinsam haben wir mehr Kraft, denen zu helfen, denen es nicht so gut geht.“ Die Segenswünsche werden die Arbeit der Politikerinnen und Politiker begleiten, da ist sich Andretta sicher. Mehr noch: „Es ist ganz wichtig, dass wir uns eurer Motto zu Herzen nehmen. Dass wir uns Mühe geben, dass es gerecht zugeht, dass wir zusammenhalten. Das ist eure Botschaft, die ihr heute in unser Haus bringt.“

Zusammenhalt, Gerechtigkeit, Solidarität – das sind für Thomas Herrmann, Bürgermeister der Stadt Hannover und Vorsitzender des Rates, die Werte, die vom Segen der Sternsinger ausgeht: Wichtig ist, dass wir aus unserem Wohlstand heraus, Solidarität mit den Menschen üben, denen es nicht so gut geht.“ Seien es Menschen mit Behinderung, ohne Arbeit oder ohne Lebenswillen. Zudem: „Ihr Sternsinger tragt auch den Gedanken der Völkerverständigung weiter, das ist ein großer Verdienst. Herrmann, erster Stellvertreter von Oberbürgermeister Stefan Schostok, ist auch Vorsitzender des internationalen Ausschusses der Stadt.

Zu jedem Segen gehört Dank und Gebet. Das sprechen im Rathaus und im Landtag Lena, David, Massimo, Laura, Annika und Linus aus St. Bonifatius in Gehrden: „Wir sagen Danke für das Öffnen der Tür / Mit Krone und Stern sind wir heute hier.“ Und weiter: „Der Stern führt uns zum Jesus-Kind / Weil alle Kinder wichtig sind. Denn Gott liebt Groß, Klein, Arm und Reich / Für Gott sind alle Menschen gleich.“

Dann ist es an Helena aus der St. Maria in Mellendorf, die den Segen sowohl über eine Tür der Ratsstube als auch am die Außenwand des Landtages schreibt. Von vielen Augen beobachtet und von gefühlt ebenso vielen Kameras fotografiert und gefilmt, rutscht dann am Landtag das M vor das C. Kein Beinbruch in lateinischer Grammatik – und erst recht keiner für den Segen. Halt ein bisschen anders. Besonders.

Übrigens „Sternsingen“ wirkt ansteckend: Gabriele Andretta ließ es sich nicht nehmen, im Plenarsaal neben Massimo sitzend in das Liederheft zu schauen und mitzusingen. Und? Hat sie gut gesungen: „Ja, hat sie“, sagt Massimo. Gut und laut. beste Voraussetzungen um einmal von Haustür zu Haustür zu ziehen.

Von: Rüdiger Wala