Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

09. April 2020
In diesem Jahr werden sie still die Osternacht erhellen: Die Zwillingskerzen in der evangelisch-lutherischen Marktkirche und der Basilika St. Clemens. | Foto: Wala

In diesem Jahr werden sie still die Osternacht erhellen: Die Zwillingskerzen in der evangelisch-lutherischen Marktkirche und der Basilika St. Clemens. | Foto: Wala

Konzentration auf das Wesentliche: Ein schlichtes, "verschobenes" Kreuz als Motiv. | Foto: Wala

Konzentration auf das Wesentliche: Ein schlichtes, "verschobenes" Kreuz als Motiv. | Foto: Wala

Sr. Marija Marta, Ordensfrau im Karmel Hannover, hat die Kerzen gestaltet. Für sie ist das Kreuz Zeichen der Hoffnung, gerade in den schweren Tagen der Corona-Epidemie. | Foto: Wala

Sr. Marija Marta, Ordensfrau im Karmel Hannover, hat die Kerzen gestaltet. Für sie ist das Kreuz Zeichen der Hoffnung, gerade in den schweren Tagen der Corona-Epidemie. | Foto: Wala

Osterkerzen stärken die Ökumene

Auch in diesem Jahr werden wieder identische Osterkerzen in der evangelisch-lutherischen Marktkirche und der katholischen Basilika St. Clemens leuchten – wenn auch in stillen Kirchen.

Zu Ostern werden sie wieder entzündet – die Zwillingskerzen in der Marktkirche und in der Basilika St. Clemens. „Es ist mir wichtig diese Tradition weiter fortzusetzen, auch wenn wir aus guten Gründen in diesem Jahr keine gemeinsame Übergabe machen können“, sagt der katholische Propst Dr. Christian Wirz. Seit September letzten Jahres ist Wirz im Amt, sein Vorgänger Martin Tenge hatte 2008 erstmals eine gemeinsame Osterkerze der Marktkirche überreicht.

"Ich danke Propst Dr. Christian Wirtz sehr herzlich für das Geschenk der Osterkerze“, betont Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann: „So sind wir in diesen Tagen durch die Zwillingskerzen in besonderer Weise ökumenisch verbunden.“ Auch für Wirz ist es ein starkes Zeichen, das evangelische und katholische Christinnen und Christen in und für die Stadt setzen: „Zusammenhalt aufzeigen ist wichtig, wenn wir räumlich voneinander Abstand halten müssen.“

Die Kerze wurde im Karmel St. Josef von Sr. Marija Marta gestaltet. Seit November 2013 ist der Frauenorden der Karmelitinnen in Hannover ansässig. Die Gemeinschaft besteht aus zehn Schwestern. Es ist ein kontemplativer Orden – das Gebet steht im Mittelpunkt des Lebens im Karmel.

Gebete und Gedanken haben für Sr. Marija Marta beim Kerzenverzieren eine große Bedeutung. „Ohne Meditation dabei geht es nicht“, erläutert die gebürtige Lettin. Sie hat sich in diesem Jahr für ein bewusst reduziertes Motiv entschieden: ein „verschobenes“, aus unterschiedlichen Goldtönen aufgetragenes Kreuz, das von einem ebenfalls goldenen Band durchwoben ist. „Das ist wohl die Erfahrung, die wir alle in dieser uns belastenden Zeit machen: Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche“, meint Sr. Marija Marta.

„Das Kreuz ist mein Lieblingsmotiv, was die Osterkerzen betrifft“, erzählt die Karmelitin. Sie sieht es wie einen Schlüssel, der den Glauben sinnbildlich aufschließt: „Im Kreuz finde ich im vertikalen Balken Auferstehung und im horizontalen Balken das Leben.“  Die goldene Farbe versteht sie als Symbol für das Göttliche und das Feierliche. Die Wachsnägel, die die fünf Wundmale Christi verdeutlichen, sind in diesem Jahr aus Weihrauch gefertigt. „Es heißt doch, mein Gebet steige wie Weihrauch zu dir“, betont Sr. Marija Marta. Kreuz und Weihrauch – eine Kerze nicht nur als Ausdruck der Gegenwart Gottes, der österliche Freude, sondern als pure Hoffnung. 

Wie ist Sr. Marija Marta zum Gestalten von Kerzen, zum Zuschneiden von Wachsplatten, zum Auftragen von Gold und Silber gekommen? „Gelernt habe ich das nicht“, sagt sie lächelnd. Geboren in Lettland, stammt sie aus einer Familie, in der Kunst und Gestaltung eine große Rolle spielen: Ihre Mutter befasst sich mit Kalligrafie, ein Onkel ist Landschaftsmaler, eine Cousine hat Kunst studiert. „Als Kind habe gern gezeichnet“, erinnert sie sich.

Ihr Weg führt sie nach der Schule zunächst zu den Schwestern vom armen Kinde Jesu: „Ein tätiger Orden, der 1927 aus Österreich kommend, bei uns eine Niederlassung gegründet hat.“ Bis heute engagieren sich die Schwestern zum Beispiel in der Gemeindearbeit und geben Religionsunterricht. „Ich habe aber gemerkt, dass ich etwas anderes suche.“

Da es in Lettland keine kontemplativ lebenden Frauengemeinschaften gibt, blieb ihr nur der Weg ins Ausland. Durch Freude und befreundete Priester findet sie den Weg zur Gemeinschaft der Karmelitinnen, damals noch in Lembeck. Einige Zeit lebt sie dort mit den Schwestern: „Dann habe ich gemerkt, dass mich das anspricht.“ Und sie findet ihre Aufgabe: in der Kerzenwerkstatt. Eine Tätigkeit, die sie auch nach dem Umzug nach Hannover weiter fortsetzt – in Gebet und Gedanken. Nicht nur für Osterkerzen: In der Werkstatt verziert Sr. Marija Marta in Handarbeit Kerzenrohlinge zu allen Anlässen im Kirchenjahr und Lebenslauf – Taufe, Kommunion, Hochzeit, Geburtstag, Jubiläen, Weihnachten. Unikate – aber manchmal auch als Zwillingskerze.

Kontakt zum Karmel St. Josef in Hannover: KLICK

 

 

Von: Rüdiger Wala