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25. Juni 2013
Der gleiche Busch, der jetzt vor dem Pfarrhaus blüht, soll auch in Bremerhaven gedeihen.  Nachfolger Martin Karras (2.v.r.) freut sich mit.

Der gleiche Busch, der jetzt vor dem Pfarrhaus blüht, soll auch in Bremerhaven gedeihen. Nachfolger Martin Karras (2.v.r.) freut sich mit.

Die Ministranten schenkten Pfarrer Schultz ein selbst gebasteltes Puzzle.

Die Ministranten schenkten Pfarrer Schultz ein selbst gebasteltes Puzzle.

Predigten waren Sternstunden

Die Gemeinde St. Paulus in Burgwedel verabschiedete Pfarrer Hubert Schultz nach 21 Jahren

„Gestern wollte ich auf den letzten Drücker noch verlängern“, sagt Pfarrer Hubert Schultz, und die Gemeinde horcht auf. „Das ist daran gescheitert, dass ich den Bischof nicht erreichen konnte.“ Die Spannung löst sich in Gelächter auf. Schultz ist ein Pfarrer mit Entertainer-Qualitäten, der genau weiß, wie man die Pointen setzt. Nach 21 Jahren als Pfarrer in der Gemeinde St.  Paulus in Burgwedel wechselt der 65-Jährige jetzt in den Ruhestand. Als er am Sonntag seine Abschiedsmesse feierte, standen im Pfarrhaus schon die gepackten Umzugskartons. Als Pensionär zieht er nach Bremerhaven, das er aus seiner Zeit als Pastor in Lilienthal und Worpswede von 1979 bis 1992 noch in guter Erinnerung hat. Pfarrer zu sein, hat er im Interview mit der Lokalzeitung gesagt, sei „heute kein Job mehr für Menschen im Rentenalter.“

„Wir haben gehört, dass Sie vor 21 Jahren vor uns gewarnt wurden“, verriet Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Gebriele Hinsch: „Weil wir so eine anspruchsvolle Gemeinde seien. Aber offensichtlich waren wir genau die richtige Gemeinde für Sie – und Sie der richtige Pfarrer für uns.“ Als sie seine Predigten als „Sternstunden“ lobt, brandet Applaus auf - und von der Orgel kommt ein Tusch. Schultz selbst zog allerdings eine durchwachsene Bilanz seines Berufslebens. Als er 1975 zum Priester geweiht wurde, spürte er deutlich den Aufwind des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Das Konzil hat Freude an der Kirche geweckt“, resümierte er. Damals habe er sich nicht vorstellen können, die Kirche einmal so herausgefordert zu erleben  wie heute. Das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle hat ihn erschüttert: „Ich bin traurig und enttäuscht, wie sich die Kirche Menschen gegenüber verhält“, bekannte er.

Kein Blatt vor den Mund zu nehmen ist ein Talent, das nicht nur die Gemeinde an ihm schätzt: „Du warst wohl nie ein großer Freund von Konferenzen. Aber deine Anmerkungen waren immer ehrlich, direkt, geradeheraus“, lobte Propst Martin Tenge, Regionaldechant in Hannover, augenzwinkernd. Schultz stellte der Gemeinde seinen Nachfolger vor: Martin Karras, der bisher schon die Pfarrei St. Nikolaus in Burgdorf leitet, wird ab Oktober auch Pfarrer von St. Paulus. Beide Gemeinden bleiben selbständig. Karras erhält Unterstützung von Pastor Ivan Mykhailiuk, der ins Pfarrhaus in Burgwedel einziehen wird. Zum Abschied appellierte Hubert Schultz an die Gemeinde mit einem Spruch, den jeder aus der Telefon-Warteschleife kennt: „Bitte halten Sie die Verbindung. Es liegt an Ihnen, wie lebendig oder tot eine Gemeinde ist.“