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24. Februar 2020
Pfarrer Christoph Paschek, Präses des Kolpingbezirks Hannover, segnet das renovierte Stockwerk.| Foto: Wala

Pfarrer Christoph Paschek, Präses des Kolpingbezirks Hannover, segnet das renovierte Stockwerk.| Foto: Wala

Etage für Etage wurde das Kolpinghaus saniert. | Foto: Wala

Etage für Etage wurde das Kolpinghaus saniert. | Foto: Wala

Sanierung im Eichhörnchenprinzip

Etage für Etage wurde das Kolpinghaus in Hannover saniert. Nun ist auch das fünfte und letzte Stockwerk des Wohnheimes für allein stehende Männer vollendet.

So ist das mit Eichhörnchen: Sammeln, einen Vorrat anlegen und dann, wenn nötig, verbrauchen. So hat sich auch der Trägerverein des Kolpinghauses in Hannover durch die Sanierung des fünfstöckigen Wohnheims für Männer gekämpft. Immer, wenn genug Geld da war, wurde gebaut. Etage für Etage.

„Jetzt aber ist es geschafft“, sagt Horst Vorderwülbecke, Vorstand des Trägervereins. Alle Zimmer sind saniert, etwas vergrößert, haben eine Nasszelle und Kochnische. Zuvor gab es noch ein Gemeinschaftsbad und Kochplatten am Ende des Flures. Jeweils ein Zimmer auf den Etagen ist barrierefrei. Mehr war aus baulichen Gründen nicht möglich. Was sich nicht geändert hat: Nach wie vor leben die Männer zu zweit auf der Bude. So werden aus 49 Zimmern 98 Plätze für Männer, die im Leben gestrauchelt sind: Trennung von Ehefrau und Familie, Arbeitslosigkeit, Knast, Leben auf der Straße, bis über beide Ohren verschuldet.

Insgesamt 376  000 Euro hat der Trägerverein in die Baumaßnahmen gesteckt. 127  000 Euro kamen als Unterstützung von der Stiftung Deutsches Hilfswerk aus Erlösen der Fernsehlotterie: „Die anderen gut zwei Drittel haben wir aus Eigenmitteln und aus Spenden bereitgestellt“, erläutert Vorderwülbecke.

Mit der Nutzung als Männerwohnheim ist die ehemalige Heimstatt für wandernde Gesellen fast einmalig. „Nur in Nordhorn gibt es eine ähnliche Einrichtung“, betont  Vorderwülbecke.

„Das Kolpinghaus ist eine wichtige Einrichtung für die Katholische Kirche in der Stadt“, würdigt Felizitas Teske, zweite Vorsitzende des Dekanatspastoralrates den Einsatz des Trägerverein. Und notwendig dazu, wie Vorderwülbecke ergänzt. Die sanierten Zimmer im fünften Stock sind alle wieder belegt. Vor allem Männer ohne festen Wohnsitz finden hier eine Heimstatt: „Manche nur für wenige Tage, andere leben Jahre hier“, berichtet Vorderwülbecke. Doch finden sie hier nicht nur ein Bett, sondern auch Hilfen, um wieder ins Leben zurückzufinden.

Im Amtsdeutsch heißt das „Begleitetes Wohnen“. Begleitung bedeutet Hilfe und Betreuung: Beides leistet das Kolpinghaus durch seine Mitarbeiter*innen.  Heimleitung, zwei Hausmeister im Schichtbetrieb und vor allem die Sozialarbeiterin. Ihr Aufgabenfeld: Begleitung bei Behördengängen, Formulare ausfüllen, Hilfen bei Verschuldung organisieren – und auch die eine oder andere Zänkerei im Haus schlichten.  Vor der Aufnahme in das Kolpinghaus findet ein intensives Gespräch statt: Da geht es um die konkreten Probleme, die ein Bewohner mitbringt – aber auch um die Regeln, die im Haus einzuhalten sind.

Um das Kolpinghaus weiterhin auf einer tragfähigen Finanzierung zu halten, hat der Verein in den letzten Jahren vielfältige Maßnahmen ergriffen. Der große Saal ist langfristig an einen Tanzsportverein vermietet – ebenso wie Parkflächen vor dem Haus an benachbarte Unternehmen.

Aus der ehemaligen Heimleiterwohnung im Kolpinghaus wurde vor Jahren ein kleines Hotel mit einem Doppel- und drei Einzelzimmern. Mittlerweile mieten Studenten diese Zimmer – ein Hinweis auf die schwierige Wohnungssituation in Hannover. Auch Seminarräume lassen sich im Kolpinghaus mieten: Ideal für Schulungen für bis zu 20 Teilnehmer – auf Wunsch mit Verpflegung.

Zur Geschichte des Kolpinghauses: Gesellenhaus, Lazarett, Wohnheim

Das erste Kolpinghaus in Hannover entstand bereits 1893 in der Clemensstraße und wurde als Vereinsheim, für Schulungen und Übernachtungen für Durchreisende genutzt. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wird das Gesellenhaus in ein Reservelazarett umgewandelt.

1926 wurde ein Grundstück in der Escherstraße erworben – für damals 81 350 Reichsmark. Errichtet wird ein Heim speziell für katholische Lehrlinge, die zur Ausbildung in die großen Industrie- und Handelsbetriebe nach Hannover kommen. Die Einweihung des „Kolpinghof“ genannten Wohnheims für 99 Lehrlinge erfolgt im Oktober 1927. Beide Häuser mussten zu Zeiten des Nationalsozialismus unter politischen Druck der Machthaber an die Stadt Hannover verkauft werden. Sie  wurden im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört.

Zurück in Kolpingbesitz, wurde das Haus in der Escherstraße 12 nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1959 mit Namen „Kolpinghaus Hannover“ als Männerwohnheim in Betrieb genommen. Das Haus befindet sich in Trägerschaft des Vereins „Kolpinghaus Hannover“, in dem alle Kolpingsfamilien der Region Hannover Mitglied sind.

Kontakt: Kolpinghaus Hannover, Escherstraße 12, 30159 Hannover, Telefon: 05 11/131  76  36, E-Mail: info(at)kolpinghaus-hannover.de  Internet: www.kolpinghaus-hannover.de

Die Geschichte zweier Männer, die im Kolpinghaus gewohnt haben, lesen sie hier: Zu zweit auf der Bude (KirchenZeitung Nr. 21 vom 17. Mai 2018)