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23. März 2020

Schule in besonderen Zeiten

Normalerweise tobt hier das volle Leben: Über 800 Schülerinnen und Schülern tummeln sich in den Klassenräumen und auf dem Schulhof der Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover. Jetzt bleiben die Stühle auf den Tischen stehen.

„Ja, schon komisch still hier“, sagt Heike Braun, die Schulleiterin der LuWi und blickt in den leeren Klassenraum. Eine Frage hat sie, die drei weiteren Mitglieder der Schulleitung, aber auch das gesamte Kollegium beschäftigt: „Wie kommen wir über diese besondere Zeit?“

Das bedeutet zum einen: Es braucht Ansprechpartner*innen: „Wir sind zu viert in der Schulleitung, daher sind immer jeweils zwei wechselweise da.“ Schließlich hat das Kultusministerium einen Unterrichts- und keinen Schulausfall angeordnet. Das bedeutet: Schulleitung und Lehrkräfte haben „grundsätzlich gemäß ihres individuellen Stunden- oder Einsatzplans ihrer Anwesenheitsverpflichtung in der Schule nachzukommen und dort außerunterrichtliche Aufgaben zu übernehmen“, wie es im etwas sperrigen Amtsdeutsch heißt. Dafür hat dann die Schulleitung Sorge zu tragen – auch und gerade in dieser besonderen Zeit. Dienstversammlungen sind aber seit längerem wohlweislich abgesagt.

Zum anderen: die Schüler, alle zwischen Klasse 5 und 10. Unterrichtsmaterialien wie Bücher und Arbeitshefte mussten mit nach Hause genommen werden. Denn Arbeit kommt per Mail zu ihnen. „Alle Kollegen versorgen ihre Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben, vor allem in den Hauptfächern“, erläutert Heike Braun. Das heißt aber nicht, dass jetzt Arbeitsblatt für Arbeitsplatz im engen Takt geschickt wird. „Wir sind da schon etwas buchlastiger“, betont die Schulleiterin. Denn das Ziel ist vor allem eines: „Die Schülerinnen und Schüler sollen im Stoff bleiben.“ Heißt: Mehr Vertiefung, mehr Übung.

„Das Hochladen von Materialien in unsere Lernplattform ist bekannt“, sagt Heike Braun. Das passiere sonst auch, bisher nur nicht über einen längeren Zeitraum. Zur besseren Orientierung erhalten die Schüler*innen Wochenpläne für ihr individuelles Lernpensum.

Kontrolliert wird auch – aber nicht in Form von späteren Klassenarbeiten. „Das kann beispielsweise in Projektarbeiten einfließen“, erläutert Heike Braun. Ihr geht es nicht darum Erlerntes einfach abzufragen, sondern Wissen zu sichern. Deshalb die Aufforderung an die Schüler*innen, Mappen und Hefte in Ordnung zu bringen, eine Lektüre – bevorzugt in einer zu lesen und Medien wie Erklärvideos zu nutzen, um eventuelle Wissenslücken im Schulstoff zu schließen. Das meint Wissen sichern und vertiefen.

Eine Notgruppe musste bisher nicht eingerichtet werden. Es gab bisher nur eine Anfrage: „Die Mutter ist Krankenschwester. Sie konnte ihr Kind aber anderweitig unterbringen.“ Im Kollegium gibt es jedoch eine große Bereitschaft, eine mögliche Notgruppe zu betreuen. „Da wurden sich schon viele Gedanken gemacht, wie wir Kinder sinnvoll beschäftigen können.“ Schließlich kann niemand sagen, ob nach den Osterferien tatsächlich der Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen werden kann: „Eine lange Zeit ohne Schule, ohne direkten Kontakt zu den Freundinnen und Freunden führt zu gelangweilter Zeit bei den Kindern“, fasst Heike Braun ihre Erfahrungen zusammen. Insofern: Die LuWi ist gut vorbereitet.

Die Lehrkräfte? „Sie nehmen eine Vielzahl von Aufgaben wahr“: Heike Bruns verweist dabei auf Präventionskonzepte, die erarbeitet werden. Für die Schule, wie für jede katholische Einrichtung ein wichtiges Unterfangen.

Und es wird aufgeräumt, besser: überarbeitet. „Wie in vielen anderen Berufen, ist Schule vom Alltagsgeschäft geprägt und schnelllebig“, betont Heike Braun. Was nicht unmittelbar zum täglichen Unterricht gehört, bleibt manchmal liegen: „Zum Beispiel der schulinterne Lehrplan.“ Die Zwangsauszeit vom Unterricht bietet Gelegenheit, die Lehrpläne durchzugehen und deren Aktualität abzuklopfen. Das können Lehrkräfte auch im Home-Office machen.

Ein anderes Beispiel: die Klassenarbeiten. „Hier sind die Kolleginnen und Kollegen dran, sie wieder jahrgangsweise auf einen Level zu bringen“, sagt die Schulleiterin. Nach der Corona-Epidemie, wenn sich das 90-köpfige Kollegium wieder versammeln kann, werden die Ergebnisse weiter beraten. Schule in besonderen Zeiten.  

Von: Rüdiger Wala