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17. November 2012
Pfarrer Martin Karras bläst die Altarkerzen aus.

Pfarrer Martin Karras bläst die Altarkerzen aus.

Diakon Hartmut Berkowsky entfernt die Kerzen vom Altar.

Diakon Hartmut Berkowsky entfernt die Kerzen vom Altar.

Trauer zulassen, aber Bitterkeit überwinden

Die Kirche St. Barbara in Hänigsen wurde geschlossen

„Kirche“, sagt Pfarrer Martin Karras, „sind vor allem wir, die Menschen.“  Die Katholiken in Uetze-Hänigsen müssen künftig  ohne ihren Mittelpunkt, die Kirche St. Barbara, ihren Glauben weiterleben. Am gestrigen Freitag wurde das Gotteshaus, das zur Gemeinde St. Nikolaus in Burgdorf gehört,  profaniert. Sie kann also nicht mehr als Gotteshaus genutzt werden.  In einem feierlichen letzten Gottesdienst mit Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger  nahmen die Gläubigen Abschied von ihrer Kirche.

Weihbischof Schwerdtfeger erinnerte in seiner Predigt an die Namenspatronin. Die heilige Barbara wurde der Legende nach von ihrem eigenen Vater in einen Turm gesperrt, weil sie Christin geworden war. „Auch Barbara wurde aus ihrem Zuhause vertrieben, aber das hat sie nicht von ihrem Glauben abgebracht“, sagte Schwerdtfeger und beschwor die Christen: „Wir bleiben Kirche.“ 

Nach der Kommunion wurden Kelch und Hostienschale nicht mehr in den Tabernakel zurückgestellt. Die Kerzen wurden gelöscht, der Altar bis auf die Steinplatte abgeräumt. Kelch und Hostienschale werden  am heutigen Samstag ebenso wie die Skulptur der heiligen Barbara in einer Lichterprozession in das neue geistliche Zuhause der Hänigser Katholiken, die Pfarrkirche St. Nikolaus in Burgdorf, überführt.

 „Die Türen von St. Nikolaus stehen weit offen für Sie“, versprach  Pfarrer Martin Karras den Hänigsern. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Angelika Wirz, forderte sie beim Empfang nach dem Gottesdienst auf, die Trauer zuzulassen, aber Bitterkeit zu überwinden. Der Pfarrgemeinderat und Pfarrer Martin Karras haben die evangelische Gemeinde gebeten, künftig auch deren Räume für Gottesdienste und Gemeindeleben nutzen zu dürfen. Pastor Ralf Halbrügge konnte den Katholiken gestern antworten: „Der Kirchenvorstand hat einstimmig zugestimmt. Es ist selbstverständlich, dass Christen sich gegenseitig unterstützen.“ Die Gastfreundschaft seiner Gemeinde, wünscht er sich, soll dazu beitragen, dass beide Kirchen enger zusammenwachsen. 

Martin Karras ist erst seit zwei Monaten Pfarrer in Burgdorf. "Meine Aufgabe ist, zu helfen, dass die Wunde heilen kann", sagt der 45-Jährige. "Es wäre unsinnig, das Selbstvertrauen der Gemeinde zu beschädigen. Sie verschwindet ja nicht von der Landkarte, wenn ihr Mittelpunkt nicht mehr da ist. Die Gemeinde wird sich weiter treffen - vielleicht noch häufiger als bisher. Aber eine Narbe bleibt und wird schmerzen."

Informationen des Bistums Hildesheim zur Profanierung von St. Barbara finden Sie hier.

Von: pkh