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28. September 2018
Mit einem großen Dankgottesdienst wurde Pfarrer Roman Blasikiewicz (Mitte) verabschiedet. | Foto: Martina Bloch

Mit einem großen Dankgottesdienst wurde Pfarrer Roman Blasikiewicz (Mitte) verabschiedet. | Foto: Martina Bloch

Von Lehrte nach Altötting

Zwischen Franz von Sales und Don Camillo: Nach 33 Jahren im Dienst des Bistums und zuletzt nach 15 Jahren als Seelsorger in Lehrte, ist Pfarrer Roman Blasikiewicz in den Ruhestand gegangen – mit einer neuen Aufgabe.

15 Jahre lang war Roman Blasikiewicz (68) Pfarrer der Katholischen St.-Bernward-Gemeinde in Lehrte. Zum 30. September hat ihn die Diözese Hildesheim mit Erreichen der Altersgrenze von seinen Aufgaben entpflichtet. Nun haben ihn 400 Gläubige und Gäste mit einem festlichen Dankgottesdienst verabschiedet. Ruhiger wird es im Leben des Seelsorgers mit Haut und Haaren nicht werden. Pfarrer Blasi­kiewicz wird seinen Lebensabend als Stiftskanoniker des Kollegialstiftes St. Rupertus in Altötting verbringen.
Roman Blasikiewicz wurde am 2. Juni 1950 in Schöppenstedt am Elm geboren. Zum Diakon wurde er 1984 geweiht, zum Priester am 1. Juni 1985. Dazwischen lag ein Praktikum in der Gemeinde St. Raphael in Wolfsburg. Als Kaplan diente er in Salzgitter und von 1986 bis 1989 in der Herz-Jesu-Gemeinde in Bremerhaven-Gestemünde.

Zwei große Stationen im Leben als Pfarrer

Für weitere zwei Jahre zog es den Kaplan dann nach Hamburg-Wilhelmsburg mit St. Bonifatius und St. Maximilian Kolbe. Von 1991 bis 1994 war er erstmal Pfarrer in der Heilig-Geist-Gemeinde in Stade mit St. Joseph und Drochtersen sowie St. Lukas in Fredenbeck. Von 1994 bis 2003 leitete er St. Willehad in Bremen-Aumund.
Als Pfarrer in St. Bernward Lehrte wirkte er seit dem 1. November 2003: „In keiner anderen Gemeinde zuvor durfte ich länger dienen“, sagt Blasikiewicz.  In den 15 Lehrter Jahren erweiterte sich die Kindertagesstätte der Gemeinde um eine Krippe und wurde eine neue Orgel gekauft. Einschneidend aber veränderte sich die Gemeinde 2014 durch die Fusion mit den beiden Nachbargemeinden St. Maria in Sehnde und St. Josef in Bolzum. „Bei all diesen Veränderungen haben mich Vergangenheit und Zukunft nie viel gekümmert“, betont Blasikie­wicz. Beides gehöre dem Erbarmen und der Vorsehung Gottes, wie es der von ihm verehrte heilige Franz von Sales einmal gesagt hat: „Was mich kümmerte und forderte war stets das Heute. Und überdies wusste ich mich durch die Gemeinde in Rat, Tat und Gebet immer gut unterstützt“, blickte Blasikiewicz zurück. „Für die Menschen bestellt“ – sein Primizspruch aus dem Hebräerbrief war für Blasikiewicz gerade dann Verpflichtung, als seine Gemeinde auf insgesamt 7000 Mitglieder angewachsen war.
Wichtig war ihm auch die ökumenische Arbeit. Der koptischen Gemeinde, der er für die Feier ihrer Messen die Türen der Filialkirche St. Theresia Ahlten öffnete, war er nach den Worten ihres Bischofes Damian „herzlicher Vater und liebender Bruder“. Mit den evangelischen Kirchen pflegte er auf zahlreichen Gottesdiensten zu Himmelfahrt und zum Volkstrauertag eine sichtbare Ökumene.

„Kein Kommunist, sondern Seelsorger“

Besonders am Herzen lag Roman Blasikiewicz der ökumenische Gottesdienst bei den DGB-Kundgebungen am 1. Mai. Mit den Arbeitnehmern und Arbeitslosen fühlte sich der einstige Tischlergeselle Blasikiewicz verbunden, stammte er doch selbst aus einfachen Verhältnissen. Seine sozialkritischen Reden auf den 1.-Mai-Kundgebungen brachten ihm einen besonderen Spitznamen ein: Don Camillo. Diese Einmischung in Politik und Gesellschaft würdigten sowohl Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk und der DGB-Vorsitzende Reinhard Nold: „Ich habe meinen Gewerkschaftskollegen mal erklären müssen, dass da am Redepult kein Kommunist, sondern ein Seelsorger mit Herz für die Armen steht“, erzählte Nold.

Von: Jörg Wieters