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27. Februar 2019
Stabwechsel: Horst Vorderwülbecke legt seine Aufgaben in die Hände von Regina Ingelmann. | Foto: Wala

Stabwechsel: Horst Vorderwülbecke legt seine Aufgaben in die Hände von Regina Ingelmann. | Foto: Wala

"VW" als Markenzeichen

Weit mehr als ein reiner Verwaltungsmensch: Nach 40 Jahren im Dienst der Katholischen Kirche in der Region Hannover geht Horst Vorderwülbecke in den Ruhestand.

„VW“: Wer katholisch ist und in oder um Hannover lebt, verbindet mit diesem Kürzel nicht unbedingt einen Automobilkonzern – auch wenn der sogar ein Werk in der Stadt hat. Nein, mit dieser Abkürzung ist eine Tür in der Props­tei St. Clemens verbunden, auf der ein Aufkleber mit diesen zwei Buchstaben sitzt. Hinter dieser Tür wirkt Horst Vorderwülbecke. – oder eben kurz: „VW“.

Das hat mit seinem Wirkungsbereich zu tun – seit 25 Jahren ist Vorderwülbecke Referent des Regionaldechanten und fast ebenso lange Geschäftsführer des katholischen Gesamtverbandes Hannover. Weit mehr als ausschließlich ein Verwaltungsmensch, wie es die Berufsbezeichnung auf den ersten Blick vermuten lässt. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Erst Lehrer, dann Referent und Geschäftsführer

Rückblick, noch über ein Vierteljahrhundert hinaus. Oktober 1978: Der aus dem Münsterland stammende Vorderwülbecke tritt seinen Dienst für die katholische Kirche in der Region Hannover an: zunächst als Referent im Don-Bosco-Haus. Aus dem Lehrlingsheim im Stadtteil Hannover-Ricklingen wurde gerade eine Bildungsstätte. Vorderwülbecke hatte unter anderem auf Lehramt katholische Religion studiert – und sah sich schnell als Lehrer vor Schulklassen stehen: „Im Auftrag des Bistums habe ich zeitweilig bis zu 16 Stunden Religion unterrichtet“, erinnert er sich. Nicht an einer, sondern als fliegende Lehrkraft an mehreren staatlichen Schulen: „Häufig auch den Randstunden, in der nullten oder nach der sechsten Stunde – also vor acht oder nach 14 Uhr.“

1993 dann der Wechsel in den kleinen Vatikan rund um die Basilika St. Clemens als Referent des Regionaldechanten und später zusätzlich als Geschäftsführer des Gesamtverbandes der  katholischen Kirchengemeinden in der Region Hannover: „Gerade an der Entwicklung des Gesamtverbandes lassen sich die Veränderungen in der Kirche gut absehen“, sagt Vorderwülbecke zurückblickend.

Bis 1953 hat der Gesamtverband als eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts die Kirchensteuer in der Region Hannover eingezogen. Danach kümmerte er sich um das kirchliche Meldewesen und einige Finanzfragen. Das änderte sich kurz vor der Jahrtausendwende mit der Idee ein offenes Angebot der Katholischen Kirche in der Innenstadt von Hannover zu etablieren. „Die Frage war: Wer soll es tragen?“ erläutert Vorderwülbecke. Für eine einzelne Kirchengemeinde war die Idee zu groß: „Hier kam dann der Gesamtverband ins Spiel“. Er steht auch heute noch hinter dem [ka: punkt]. Hinzu kam die Verwaltung des Katholischen Internationalen Zentrums in Hannover (KIZH), in der die Gemeinde St. Maria mit der Italienischen, der Kroatischen und der Spanischsprachigen Mission kooperiert.  

Zum KIZH gehört auch das Katholisch-Internationale Familienzentrum St. Maria, eine Kindertagesstätte. „Gerade hier zeigt sich, wie sich Pfarreien verändern und der Gesamtverband helfen kann“, betont Vorderwülbecke. Die Verantwortung für eine KiTa ist groß: Personal, Finanzen, Pädagogik, Gesetze und Vorgaben beachten – das bringt Gemeinden durchaus an die Grenze des Möglichen. „Hier ist in den letzten Jahren der Gesamtverband als Träger eingesprungen“, berichtet Vorderwülbecke. Wichtig ist ihm, dass zwischen den KiTas und den Gemeinden eine enge inhaltliche Beziehung bestehen bleibt: „ Das ist für mich auch die Antwort auf eine wichtige Zukunftsfrage für die Kirche: Pfarrgemeinden von Verwaltungsfragen entlasten, damit sie sich inhaltlich mehr um die Zusam­menarbeit mit KiTas kümmern können.“ Mittlerweile haben sich zehn Pfarreien entschlossen mit ihrer KiTa diesen Weg zu gehen.

Ökumene und interreligiöser Dialog

Ein Weg, der nach dem Wunsch von Vorderwülbecke noch weiter ausgebaut werden kann. In der Region entstehen zurzeit Schritt für Schritt acht Pastoralbereiche: Für jeden dieser Bereiche ist ein Team von pastoralen Mitarbeitern zuständig. „Ich kann mit gut vorstellen, dass diesen Teams auch eine Person angehört, die religions- und elementarpädagogisch erfahren ist.“ Deren Aufgabe: Die Zusammenarbeit und das inhaltliche Profil der KiTas in einem Pastoralbereich zu fördern.  

Doch das Wirken von Vorderwülbecke ist nicht nur auf den rein katholischen Beritt beschränkt: Mitarbeit in der ökumenischen Messe- und Flughafenseelsorge, Geschäftsführung des Rates der Religionen in Hannover – der „überzeugte Kolpinger“ Vorderwülbecke ist eines der prägenden Gesichter der katholischen Kirche in Hannover.

Doch jetzt wird vermutlich der Aufkleber (übrigens ein Herz)von der Tür entfernt. Seine Nachfolgerin Regina Ingelmann ist bereits eingezogen – für einen geordneten Übergang. Vorderwülbecke ist froh darüber, dass ihm eine Gemeindereferentin folgt: „Katholischer Stallgeruch, ein Herz für die Seelsorge sind wichtig.“ Denn bei allen Verwaltungsaufgaben, die mit der Tätigkeit verbunden sind: „Ich habe es getan, damit ich auf meine Art und Weise die Botschaft Jesu weitergebe.“ Das war und ist die Triebfeder von Horst Vorderwülbecke.

Von: Rüdiger Wala