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18. Februar 2019
600 Krippen aus allen Ländern der Erde hat Bärbel

600 Krippen aus allen Ländern der Erde hat Bärbel

Was wird aus dem Krippenhaus in Garbsen?

Hier wird der Heiland, der Retter geboren. Tag für Tag, über 650 mal und immer wieder anders – denn genauso viele Krippen hat die Garbsener Gemeindereferentin Bärbel Smarsli gesammelt. Nun braucht das Krippenhaus selbst einen Retter – denn das Gebäude, in dem es untergebracht ist, muss verkauft werden

Über 20 Jahre lang hat Bärbel Smarsli Krippen gesammelt. Die Darstellungen der Geburt Christi kommen aus fast allen Ländern der Erde. Seit fünf Jahren stellt die Gemeindereferentin diese Verkündigung mit Jesuskind, Maria, Josef, Ochs, Esel und jeder menge überraschenden Beteiligten im Krippenhaus am Franziskusweg im Stadtteil Berenbostel aus. Dazu gibt’s ein Erzählzelt und ein Café.

Zum Hintergrund: 2013 wurden zwei direkt nebeneinander liegende Pfarrhäuser der evangelischen Silvanusgemeinde frei. Die Idee von Bärbel Smarsli: Hier sollen gleich zwei Einrichtungen für den Stadtteil einziehen. Zum einen ein fairer Laden – als Zeichen für die Verantwortung für die „Eine Welt“. Schließlich ist Garbsen eine „Fairtrade-Town“ und hat sich dem Gedanken von fairen Handel und Nachhaltigkeit verpflichtet. Z anderen die bis dahin gesammelten Krippen – die von der Hoffnung für die Welt künden. Die Pfarrei St. Raphael, für die Bärbel Smarsli ihren Dienst versieht, schließt sich mit der Silvanusgemeinde zusammen. Das ökumenische Projekt ist geboren und findet Unterstützung – von Gemeindemitgliedern und Nachbarn ebenso wie von Sponsoren wir der Klosterkammer Hannover, dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, der Gemeindestiftung St. Maria Regina und auch der Stiftung „Kirche sein – Region Hannover“.

Krippenhaus ist Treffpunkt für den ganzen Stadttteil

Sowohl der Laden als auch das Krippenhaus entwickelten sich zu Treffpunkten: „Auch Dank eines sehr engagierten Kreises von mittlerweile zwölf Frauen, die unsere Besucherinnen und Besucher mit Gastfreundschaft als Botschafterinnen beschenken“, sagt Bärbel Smarsli. Doch jetzt droht das aus – und es liegt am schnöden Mammon. Beziehungsweise am oftmals komplizierten Verhältnis von Gemeindemitgliedern, Kirchensteuern und Gebäudebestand – der Bürokratie des Glaubens, verpackt in dem Begriff „Zuwendungsschlüssel“. Beide große Kirchen verlieren kontinuierlich Mitglieder. So hat dann auch die evangelisch-lutherische Landeskirche ihren Zuwendungsschlüssel für die Gemeinden verändert.

Das bringt ein die Silvanusgemeinde in Schwierigkeiten. Sie kann ihr Kirchenzentrum so nicht mehr unterhalten. Die Folge: Beide Häuser, die nicht nur Krippenhaus und fairer Laden beheimaten, sondern auch eine Wohnung für Bärbel Smarsli und ihren Ehemann, müssen verkauft werden. Mit dem Erlös soll auf dem verbleibenden Gelände eine kleinere Kirche mit Büro und Gemeinderaum errichtet werden. Einen groben Schätzwert für die beiden Häuser gibt es auch: ca. 650.000 Euro.
Das Bieterverfahren läuft noch eine ganze Weile – bis zum 31. Mai. Denn die beiden Häuser befinden sich in einem städtischen Sanierungsgebiet, der „Sozialen Stadt“. Damit sind für einen möglichen Verkauf Bebauungsauflagen verbunden, die jetzt erarbeitet und von der Stadt genehmigt werden und an die Bieter weitergegeben werden müssen. „Das braucht halt Zeit“, erklärt Bärbel Smarsli die Hängepartie.

Eine Lösung mit zwei Hürden

Aus unter anderem zwingenden formelrechtlichen Gründen kann die Gemeindestiftung St. Maria Regina nicht um das Haus mitbieten. Eine Eigentümergemeinschaft wurde angestebt, doch der Kaufpreis ist einfach zu hoch. „Aber gibt einen Interessenten, der das Krippenhaus als Mieter behalten würde“, sagt Bärbel Smarsli. Aber das ist ein Weg mit zwei Hürden.

Hürde 1: Der Bieter muss zum Zuge kommen. Möglich, aber nicht selbstverständlich: „Er wird nicht ins Unermessliche bieten können“, sagt Bärbel Smarsli nüchtern. Hürde 2, wenn Hürde 1 genommen wird: Dann wird für das Krippenhaus eine Miete fällig – um die 1700 Euro monatlich. Bisher hat die Silvanusgemeinde darauf verzichtet, als Eigenanteil beim Krippenhausprojekt. Die Energiekosten liegen bei Bärbel Smarsli.
Die Gemeindereferentin hofft, dass Hürde 2 mit einem Freundeskreis genommen werden kann, der die Mietkosten schultert. Möglich wäre aber auch das Gründen eines gemeinnützigen Vereins, der dann das Krippenhaus trägt – und dafür die Miete aufbringt. Alles noch Zukunftsmusik. Vorerst: „Aber vielleicht muss es im Fall der Fälle schnell gehen“, meint Bärbel Smarsli.

Unterstützung wurde hier schon zugesichert – von Besucherinnen und Besuchern des Krippenhauses, Kolleginnen und Kollegen aus der Pfarrei St. Raphael und auch von Garbsens Bürgermeister Dr. Christian Grahl. „Dieser Zuspruch ist wertvoll“, sagt die Gemeindereferentin. Es zeigt ihr, welche großen Kreise das Krippenhaus – entstanden aus einer Krippe im Wasserkrug, einem Mitbringsel aus Bolivien – mittlerweile gezogen hat. Die berührenden und zum Teil auch herausfordernden Geschichten der Krippen, die unter anderem aus Müll, Kohle, Torf oder Patronen gefertigt sind, erzählen oder das Weihnachtsgeschehen auf so kulturell unterschiedliche Weise: sie berühren, beschenken und machen nachdenklich. Aber immer geht es um die Hoffnung, die das Christuskind in die Welt bringt…. das ganze Jahr!

Vor dem Krippenhaus hängt ein Herrnhuter Stern. Das in alle Himmelsrichtungen gezackte Symbol des Sterns von Bethlehem geht zurück auf die Brüdergemeine, die ihren Stammsitz in Herrnhut in der Oberlausitz hat. Seit 1781 gibt die Brüder-Unität jährlich Losungen für jeden Tag heraus - jeweils ein Vers aus der Hebräischen Bibel und dem Neuen Testament. Die Losung für den Geburtstag des Krippenhauses, der erste Advent 2013, lautete: „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“ (Hebräer 13,16) Gutes tun und teilen – durchaus ein Rezept für die Rettung des Krippenhauses.


Weitere Infos und Kontakt:
baerbel.smarsli(at)kath-kirche-garbsen.de und www.krippenhaus-garbsen.de

Von: Rüdiger Wala