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13. Januar 2020
Auch ein Krippenspiel gehört zum „Interkulturellen Weihnachtsfest“ in der evangelischen Matthäuskirche.| Foto: Jens Schulze

Auch ein Krippenspiel gehört zum „Interkulturellen Weihnachtsfest“ in der evangelischen Matthäuskirche.| Foto: Jens Schulze

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay stellt sich den Fragen von Pastor Michael Rhode.| Foto: Jens Schulze

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay stellt sich den Fragen von Pastor Michael Rhode.| Foto: Jens Schulze

Weihnacht in acht Sprachen

500 Frauen, Männer und Kinder haben jetzt das „Interkulturelle Weihnachtsfest“ in Hannover gefeiert. Mit dabei: der neue Oberbürgermeister Belit Onay.

Weihnachten feiern? Jetzt? Die Tannenbäume sind geplündert und abgefahren, die Beleuchtung verschwindet aus den Innenstädten, Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden verabreden sich zum Abbau der Krippen – und nun gibt es eine Einladung zum „Interkulturellen Weihnachtsfest“ in die evangelische Matthäuskirche in Hannover? Und über zehn christliche Konfessionen laden ein?

Das ist eine sehr west-christlich geprägte Sicht auf die Geburt Jesu. Denn das Weihnachtsfest wird von Christen unterschiedlicher Konfessionen an verschiedenen Daten gefeiert. Viele orthodoxe Christen feiern es in der Nacht zum 7. Januar. Die russisch-orthodoxe Kirche begeht Weihnachten nach dem julianischen Kalender und damit 13 Tage nach den katholischen und evangelischen Christen. Auch die serbischen, georgischen und ukrainischen Orthodoxen sowie einige weitere Kirchen feiern die Geburt Christi in der Nacht zum 7. Januar. Daher: ein guter Zeitpunkt, um die christlichen Konfessionen zu verbinden – und die Weihnachtsgeschichte in acht Sprachen zu erzählen.

„Gottes Liebe diskriminiert nicht“

500 Frauen, Männer und Kinder folgen der Einladung. An sie richtet Pastor Peter Sorie Mansary seine Botschaft: „Gott braucht dich!“ Denn an die Krippe des Heilands waren nicht nur Könige und Weise geladen, sondern auch Hirten – und das, obwohl sie als unrein galten und von gottesdienstlichen Feiern weitestgehend ausgeschlossen waren. „Gottes Liebe diskriminiert nicht!“, betont der Seelsorger des Afrikanischen Zentrums Borgfelde in seiner Predigt.

„Die erste Religion ist die Liebe zu den Menschen“

Ein Satz, der auch bei einer anschließenden Talkrunde aufgegriffen wird. Deren Leitfrage: „Wie wächst das Wir?“. Da zitiert ein junger Mann, 2016 mit 19 Jahren von der Elfenbeinküste nach Deutschland geflohen den Rat seiner Mutter: „Die erste Religion ist die Liebe zu den Menschen.“ Viele Menschen haben ihm bei seiner Flucht und danach geholfen – ohne etwas zu verlangen. So konnte er in Hannover eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker beim Autozulieferer Continental beginnen und sich nun als Sprecher für andere Auszubildende engagieren.
Eine Geschichte, die für den neuen Oberbürgermeister Hannovers, Belit Onay, eines zeigt: „Die Stadt hat ein gutes Fundament und starke solidarische Strukturen.“ Das möchte der Bündnisgrüne, der sich selbst als liberalen Muslim bezeichnet, weiter stärken.

„Hannover ist auch ein bisschen russisch, ein bisschen serbisch oder nigerianisch“, sagt Onay. Etwa ein Drittel der Bewohner der Landeshauptstadt haben einen Migrationshintergrund. Zusammenhalt benötige die Zustimmung möglichst vieler Menschen: „Es braucht Kompromisse und eine Einbeziehung der Bürger.“
Zu der Feier eingeladen haben unter anderem der Afrikanische Dachverband Norddeutschland, die Arabisch-deutsche evangelische Gemeinde, die hannoversche Landeskirche und die Katholische Kirche in der Region Hannover. Auch die Spanischsprachige Katholische Mission, die Serbische Orthodoxe Kirchengemeinde des Heiligen Sava und das Haus der Religionen haben sich beteiligt.

Von: Rüdiger Wala