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04. Dezember 2018
Einsatz für Ausstieg aus der Obdachlosigkeit: Ricarda Niedergerke, Tatjana Makarowski (Abteilungsleiterin Soziale Dienste Caritas Hannover), Andreas Schubert (Vorstand Caritas Hannover) und Udo Niedergerke (von links) | Foto: Peter Wiezorek

Einsatz für Ausstieg aus der Obdachlosigkeit: Ricarda Niedergerke, Tatjana Makarowski (Abteilungsleiterin Soziale Dienste Caritas Hannover), Andreas Schubert (Vorstand Caritas Hannover) und Udo Niedergerke (von links) | Foto: Peter Wiezorek

Wenn ein Spind zur Hoffnung wird

Fahrkarten, Kaffee, Kleinderschränke – und Beteiligung: Diese Schritte sollen obdachlose Menschen wieder in eine Wohnung bringen. „CariHope“ nennt sich das neue Programm der Caritas in der Landeshauptstadt Hannover.

Zugegeben: Das ist ein ambitioniertes Vorhaben.  Zusammen mit der  Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung will der Caritasverband Hannover obdachlose Menschen in eine eigene Wohnung bringen. Kein Wohnheim, keine Notunterkunft. Schwierig in einer Stadt, in der geschätzt 20000 Wohnungen fehlen, ebenso geschätzte 5000 Menschen sich irgendwie bei Freunden aus Sofas oder Unterkünften durchschlagen – und wohl um die 500 ausschließlich auf der Straße leben.

Mehr Sozial-Wohnungen bauen – das ist das eine. Konkrete Hilfe das andere: „Denn für Wohnungslose muss die Hilfe schon viel früher anfangen, bevor an eine eigene Wohnung zu denken ist", betont Tatjana Makarowski, die Leiterin der Abteilung Soziale Dienste bei der Caritas. Wohnen funktioniere eben nicht von alleine. Wer Jahre oder Jahrzehnte draußen gelebt hat, müsse in die eigenen vier Wände begleitet werden.

Für Makarowski ist dabei eines entscheidend: „Vertrauen“. Das komme nicht von allein, sondern müsse sorgsam aufgebaut werden. Mit dem neuen Programm „CariHope“, das nun gestartet ist, will der Wohlfahrtsverband mit kleinen Schritten dieses Vertrauen erarbeiten: „Wir wollen uns durch diese konkrete Hilfe der Lebenswirklichkeit wohnungsloser Menschen anzunähern, ihnen zuzuhören .“

Ein erster Schritt: Fahrkarten, Kaffee und etwas zu essen. Oftmals liegen die Notunterkünfte der Stadt nicht im Zentrum, sondern eher am Rand: „Da braucht es Fahrkarten, um sich in der Stadt bewegen zu können.“ Hier hilft die Cariats ebenso mit der Erweiterung der Öffnungszeiten des eigenen Treffpunktes für Obdachlose nahe der Innenstadt – von den frühen Morgenstunden bis in den Abend, auch am Wochenende Hier gibt es nicht nur Kaffee und etwas zu essen, sondern auch die Möglichkeit zu duschen, vor dem  Regen zu fliehen oder sich von der Kälte aufzuwärmen.

Neu eingerichtet wurden Spinde und Gepäckboxen. „Unverzichtbar, um das wenige Hab und Gut sicher vor Diebstahl und trocken aufzubewahren“, erläutert Tatjana Makarowski. Um das Hab und Gut, um dessen Annahme und Ausgabe kümmert sich ein ehemals Obdachloser – ein erster Arbeitsplatz der durch das Projekt geschaffen wurde.

Möglich wurde CariHope durch eine Anschubfinanzierung in Höhe 25000 Euro durch die Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung. Das Arztehepaar unterstützt seit über zehn Jahren unter anderem Projekte gegen Wohnungslosigkeit. „Die Straße tötet“, sagt Udo Niedergerke mit Nachdruck: „Die Lebenserwartung obdachloser Menschen liegt unter 50 Jahren.“ Mit CariHope werde eine Rettungsgasse geschaffen, „um Menschen vor dem frühen Tod zu bewahren und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen.“

Doch der Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit braucht Zeit und Geduld – und Entlastung: Wie Fahrkarten für den Nahverkehr, wie Spinde für die in Rucksäcken und Tüten verstauten Sachen. Erst dann kann daran gedacht werden, weitere Schritte zu planen: sichere Schlafplätze zu finden, Hilfen anzunehmen, Wohnraum zu suchen und dem Alltag einen neuen Rhythmus zu geben.

Selbst steuert die Caritas für den Anfang zwei eigene Wohnungen dazu bei: „Weitere sollen folgen, sobald sie frei werden“, sagt Caritasvorstand Dr. Andreas Schubert. Er weiß, dass angesichts des Wohnungsmangels in der Landeshauptstadt Obdachlose nur über solche Angebote überhaupt eine Chance haben, vom Leben auf der Straße oder in Notunterkünften wegzukommen. „Machen wir uns nichts vor“, betont Schubert: „Die Not ist größer geworden.“

Von: Rüdiger Wala