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23. November 2016
Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Niedersachsen, Hartmut Tölle, sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen Gewerkschaften und Kirche. „Wir sollten auch mal gemeinsam bockig sein gegenüber der Politik“, sagte er. © pkh

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Niedersachsen, Hartmut Tölle, sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen Gewerkschaften und Kirche. „Wir sollten auch mal gemeinsam bockig sein gegenüber der Politik“, sagte er. © pkh

Beim Jahresempfang konnten sich mehr als 80 geladenen Gäste über einige Handlungsfelder der Kirche informieren. © pkh

Beim Jahresempfang konnten sich mehr als 80 geladenen Gäste über einige Handlungsfelder der Kirche informieren. © pkh

Werte und Orientierung

Beim Jahresempfang der Katholischen Kirche in der Region Hannover hat Niedersachsens DGB- Chef Harmut Tölle die Kirche aufgerufen, in Zukunft noch stärker mit den Gewerkschaften zusammen zu arbeiten. „Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die katholische Kirche teilen gemeinsame Werte. Und wir sollten auch mal gemeinsam bockig sein gegenüber der Politik“, sagte er vor mehr als 80 geladenen Gästen.

Gerade bei den Themen Schutz des Wochenendes und des Sonntags würden Gewerkschaften und Kirchen sich sehr nahe stehen. „Es ist wichtig für Menschen Zeit zu haben. Ich habe mehrfach sehr positiv erfahren, dass die Kirche Menschen nicht in Schubladen steckt, sondern sofort hilft. Und das ohne nach Status oder Ansehen zu fragen“, sagte er. Es sei die Aufgabe von Kirche und Gewerkschaften, die Gesellschaft durch die eigenen Werte zu orientieren.

Auch wenn es durchaus in der Vergangenheit Spannungen bezüglich der Interessenvertretung der Mitarbeiter von Caritas und Diakonie mit der „amtskirchlichen Macht“ gegeben habe, die „ja auch professionell Politik“ betreibe, sei man auf einem guten Weg. Viele Strukturen und Entwicklungen in den Gewerkschaften und der Kirche ließen sich vergleichen. „Das Ehrenamt ist der Kit, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, sagte Tölle. „Es gelingt uns aber nicht mehr, die Menschen emotional an unsere Werte zu binden. Das ist ein Riesenproblem.“ Ein Aspekt, auf den auch die Dezernentin der Stadt Hannover für Bildung, Jugend und Familie, Rita Maria Rzyski, einging. „In einer zunehmend atheistisch werdenden Gesellschaft sollten die christliche Haltung, die sich im Handeln vermittelt, und die urchristliche Botschaft, dass Gott Liebe ist, stark gemacht werden“, sagte sie. Manchmal frage sie sich bei der Präsentation der Kirche in der Öffentlichkeit, wo das spezifisch Christliche sei. Cora- Jeanette Hermenau, die als Dezernentin die Region Hannover vertrat, forderte selbst als Katholikin, die mit der Kirche gerungen hat, eine größere Offenheit kirchlicher Strukturen. „Ich wünsche mir, dass sich die Kirche denen öffnet, die den Weg zur Kirche verloren haben – ohne Schuld oder pompöse Rituale.“

Propst Martin Tenge und Felizitas Teske, die als Vorsitzende des Dekanatspastoralrates zum Jahresempfang eingeladen hatten, dankten den Gästen für ihr Echo. „Die Katholische Kirche hat nicht immer in der Gesellschaft einen guten Ruf. Die Begegnung mit Menschen, die uns auch kritisch gegenüber stehen, brauchen wir“, sagte Propst Tenge. Teske wies auf die „blinden Flecken“ hin, die die Kirche immer noch habe. „Was den Menschen ausmacht, soll im Mittelpunkt von Kirche und unserer Arbeit stehen“, sagte sie. Zuvor hatte die Katholische Kirche in der Region Hannover sich durch drei Praxisbeispiele katholischen Lebens und Arbeitens ihren Gästen vorgestellt. Dabei standen katholische Kindertagesstätten, das Netzwerk Katholische Flüchtlingsarbeit Hannover und die Praxis der von Amts wegen Bestatteten in der Stadt im Fokus.

 

 

Von: Marie Kleine