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31. August 2020
Blickfang: Die „Ape“ von Pfarrer Martin Karras heißt in Burgdorf „Papamobil“. jetzt zieht sie mit nach Lüneburg um. | Foto: Wala

Blickfang: Die „Ape“ von Pfarrer Martin Karras heißt in Burgdorf „Papamobil“. jetzt zieht sie mit nach Lüneburg um. | Foto: Wala

"Wir dürfen ruhig etwas mutiger sein"

Zuversicht – das hat Pfarrer Martin Karras in St. Nikolaus in Burgdorf immer zu vermitteln versucht. Jetzt wechselt er in die Krankenhausseelsorge nach Lüneburg.

Die Biene kommt mit. „Tja, kein Papamobil mehr in Burgdorf“, sagt Pfarrer Martin Karras und lächelt. Er zeigt auf seinen dreirädrigen Lastenroller, Modell „Ape“ – übersetzt  „Biene“. Beim Schützenumzug und anderen Gelegenheiten war es als rollender Botschafter von St. Nikolaus im Einsatz. Spitzname: „Papamobil“.

Ungewöhnliches wagen – das zog sich durch die achtjährige Amtszeit von Karras in St. Nikolaus mit St. Matthias in Uetze. Gottesdienste mit Strandkorb im Schwimmbad beispielsweise. Oder der Umbau eines alten Pfarrbusses zum Kirchenmobil, mit dem dann das Gespräch auf dem Wochenmarkt gesucht wurde. Damit die Gemeinde aber überhaupt auf dem Markt sein darf, musste sie als Beschicker etwas verkaufen. Das „Himmlische Kräuteröl“ wurde ersonnen.

Der Bus muss jetzt allerdinsg in Rente gehen. Stattdessen wird gerade ein Anhänger zum Kirchenmobil umgebaut. Der Wochenmarkt muss nicht auf das Kräuteröl verzichten. Und nicht auf Kaffee und kleine Süßigkeiten, die zum Plausch am Kirchenmobil gereicht werden.

Raus aus dem Schneckenhaus

Ansprechbar sein, raus aus dem Schneckenhaus: Das ist die Idee, die dahinter steckt. Fazit von Karras: „Wir dürfen ruhig etwas mutiger sein.“ Und humorvoller. Weil Lachen Türen öffnet – sowohl im wirklichen als auch im übertragenen Sinn.

Mut plus Humor: Zusammen ergibt das die Zuversicht, die Karras ausstrahlt. Das mag mit einem schwierigen Start in Burgdorf zu tun haben. Kurz nach seiner Einführung wurde die Kirche St. Barbara profaniert, inklusive Abriss und Bau von Wohnungen. „Das hat natürlich Wunden gerissen.“Auch für den neuen seelsorger alles andere als ein schöner Moment, die Altarkerzen für das unwiderruflich letzte Mal zu verlöschen.

Erste Maßnahme: Erinnern. Eine Glocke aus St. Barbara, gegossen 1920, steht nun auf einem zentralen Verkehrskreisel im Ort. Ein wichtiges Zeichen. der zweite Schritt: Gemeindeleben vor Ort weiter möglich machen. Auch das gelingt – durch enge ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde.

In seine Burgdorfer Zeit fiel auch eine schwere Krebserkrankung von Karras. Er geht offen in der Gemeinde damit um. Eine richtige Entscheidung, wie Karras findet.Die Pfarrei nimmt Anteil – und das ist gut zu. "Die Freude, die Erleichertung war spürbar, als ich das erste Mal wieder im Gottesdienst saß." In der Kirchenbank, wohlgemerkt. Erst später kann Karras wieder die Heilige Messe feiern.

Beherzigen, was anderen gepredigt wird

Die Krankheit ließ ihn auch neu über seine Tätigkeit nachdenken. Zum Beispiel zu beherzigen, was man anderen predigt: auf sich selbst achten. "Tatsächlich nur der Mensch Martin Karras sein, nicht immer der Priester." Die Abende mit den Katzen zu genießen. Ausgehen, Freizeit haben. Ganz bewusst. Und auf die Signale des Körpers achten. Wenn der Körper meldet "Pass jetzt mal auf", dann eine Pause machen. Wenn eine Gemeinde darum weiß, kann sie auch ganz normal damit umgehen.

Gleichzeitig hat Karras erlebt, wie viele Menschen allein im Krankenhaus sind. Einsamkez, so seine Erfahrung, ist keine gute Prognose. Deshalb reifte sein Entschluss, in die Krankenhausseelsorge zu wechseln. Daher geht es jetzt nach Lüneburg. Dort wird er auch zwei Hospize betreuen. Karras freut sich auf die Aufgabe, wird vorher noch in anderen Krankenhäusern im Süden der Republik hospitieren: "Das wird mir helfen, ein Gefühl für die Arbeit zu bekommen." So wächst Zuversicht.

Mit dem Weggang von Karras wechselt Burgdorf in den überpfarrlichen Personaleinsatz. Ein Team um den leitenden Pfarrer Franz Kurth betreut St. Nikolaus zusammen mit St. Martin (Hannover-Roderbruch) und St. Bernward Lehrte – mit elf Kirchorten und über 22  000 Katholiken.

Von: Rüdiger Wala