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08. März 2016
Gemeinsam sprechen Bischof Norbert Trelle, Landesrabbiner Brandt und Landesbischof Meister den Abschlusssegen – auf zwei Sprachen. © evlka

Gemeinsam sprechen Bischof Norbert Trelle, Landesrabbiner Brandt und Landesbischof Meister den Abschlusssegen – auf zwei Sprachen. © evlka

Zum Auftakt der „Woche der Brüderlichkeit“ in Hannover kritisiert Bischof Trelle: „Es wird sich immer auf das konzentriert, was bei den anderen fremd ist – eine Tendenz, die ich generell derzeit in unserer Gesellschaft beobachte.“ © evlka

Zum Auftakt der „Woche der Brüderlichkeit“ in Hannover kritisiert Bischof Trelle: „Es wird sich immer auf das konzentriert, was bei den anderen fremd ist – eine Tendenz, die ich generell derzeit in unserer Gesellschaft beobachte.“ © evlka

Woche der Brüderlichkeit in Hannover eröffnet

Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm feiern seit vergangenem Samstag die bundesweit verbreiteten Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit zum 63. Mal ihre „Woche der Brüderlichkeit“.

In diesem Jahr finden die zentralen Feierlichkeiten in Hannover statt und stehen unter dem Motto „Um Gottes Willen“. Mit dabei ist auch der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, der unter anderem gemeinsam mit dem evangelischen Landesbischof Ralf Meister und dem Landesrabbiner Henry G. Brandt bereits am Samstag eine christlich- jüdische Gemeinschaftsfeier in der Neustädter Hof- und Stadtkirche abhielt. „Juden und Christen haben eine gemeinsame Wurzel – und das ist der Glaube der Väter Israels. Ihre Gotteserfahrungen, ihre Glaubensgeschichte ist es, die uns trägt“, sagte Bischof Trelle in seiner Predigt und erinnerte daran, dass der theologische Dialog zwischen Juden und Christen auch in der heutigen Zeit nicht leicht sei. „Es wird sich immer auf das konzentriert, was bei den anderen fremd ist – eine Tendenz, die ich generell derzeit in unserer Gesellschaft beobachte“, sagte er. Seiner Meinung nach sei gerade für die Christen das Gespräch und der Austausch mit Vertretern des jüdischen Glaubens sehr wichtig.

 

Auch Landesrabbiner Brandt kritisierte die Intoleranz in vielen Bereichen der Gesellschaft: „Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen glauben, den Willen Gottes genau zu kennen.“ Diese Radikalität führe dazu, dass Religion als Gegensatz zu einer friedlichen Gesellschaft aufgebaut werde. „In einer weitgehend säkularen Gesellschaft glauben viele, dass man Gott aus den Diskussionen herauslassen sollte, dass man ihn in die Privatsphäre verbannen sollte“, sagte Brandt. „Dabei erkennen wir nur durch Gott die Ordnung und Harmonie der Schöpfung und die anderen als unsere Brüder und Schwestern.“ In einer Feierstunde am Sonntag, in deren Rahmen die Buber- Rosenzweig- Medaille an den Publizisten und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik verliehen wurde, mahnte auch Bundespräsident Joachim Gauck vor einer wachsenden Unbarmherzigkeit in der Gesellschaft. „Wer glaubt, das sogenannte Abendland mit Herabsetzung anderer, Ausgrenzung und Säuberungsfantasien verteidigen zu können, hat es schon verraten“, sagte er vor rund 1000 Gästen im Theater am Aegi. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil stellte sich klar gegen rechte Hassparolen, wies aber auch darauf hin, dass durch Zuwanderung nach Deutschland auch ein neuer Antisemitismus entstehe. „Es darf keine falsche Toleranz gegenüber importiertem Antisemitismus geben. Antisemitismus ist immer falsch, egal aus welcher Richtung er kommt.“

 

Preisträger Micha Brumlik, der für sein Engagement in der christlich- jüdischen Verständigung geehrt wurde, lobte die Evangelische und Katholische Kirche als ein Faktor, der Juden in Deutschland das Leben erleichterte. „Trotz des Mitgliederschwundes in beiden Kirchen sind sie es, die Werte in die Gesellschaft bringen und so der Gesellschaft helfen, sich gegen Antisemitismus zu positionieren. Vergleicht man das mit Frankreich, wo wir gerade einen massenhaften Exodus von Juden beobachten, präferiere ich das deutsche System, in dem Kirchen und Staat eng miteinander verwoben sind“, sagte Brumlik. Er selbst wurde von Laudatorin Margot Käßmann für seine Streitbarkeit und Unnachgiebigkeit als Dialogpartner hoch gepriesen: „Micha Brumlik bringt die Sache auf den Punkt, und andere auf die Palme.“

 

Noch bis in den Juni hinein finden im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ Veranstaltungen der Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit statt. Unter anderem hat sich auch die St. Ursula- Schule mit einer Kunstausstellung an den Feierlichkeiten beteiligt. Das umfangreiche Programm finden Sie im Internet unter: www.cjgh.de.

 

Von: Marie Kleine