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17. Mai 2018
Die Taube – das am weitesten verbreitete Symbol für den Heiligen Geist und sein Wirken. | Foto: Wala

Die Taube – das am weitesten verbreitete Symbol für den Heiligen Geist und sein Wirken. | Foto: Wala

Zu Pfingsten: Was wissen wir vom Heiligen Geist?

„Hauch uns deinen Odem ein“. Der Heilige Geist bewegt, er feuert an, er erfüllt die ganze Schöpfung. Aber über ihn wird auch gestritten – seit einem Jahrtausend zwischen der Kirche des Westens und des Ostens. Doch seine Wirkung bleibt atemberaubend.

<i>Was macht den Geist heilig?</i>

Der Tanach, die hebräische Bibel des Judentums, die die Christenheit als Altes Testament kanonisiert hat, kennt den Geist zunächst als „ruach“ – als Wind, als Atem. Weit über 300 Mal ist von ihm die Rede, vor allem in den Büchern Ezechiel und Jesaja. Seit Anbeginn der Zeit schwebt dieser Geist über den Wassern, wie es im Buch Genesis heißt (1,2). Der Prophet Jesaja ist es, der den  Geist auf Gott überträgt – als „Geist des Herrn“, als „sein heiliger Geist“ (63,14). Der Geist wird heilig, weil er nicht irgendein Geist ist – sondern die wirkmächtige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen.

 

<i>Was sagt das Neue Testament über den Heiligen Geist?</i>

Das Neue Testament spricht gut 100 Mal vom Heiligen Geist. Im Johannesevangelium wird er auch Paraklet genannt: „Tröster“, „Beistand“. Wo immer etwas Fahrt aufnimmt, Kraft entwickelt oder aufbricht in den Überlieferungen der Heiligen Schrift –  da ist der Heilige Geist im Spiel. So empfängt Maria Jesus durch den Heiligen Geist (Mt 1,18.20, Lk 1,35). Der Heilige Geist kommt bei der Taufe auf Jesus herab (Mt 3,13–17).Die Abschiedsreden von Jesus erklären, dass der Heilige Geist jetzt Beistand und Lehrer an seiner Stelle ist, der Geist der Wahrheit (Joh 14,16–17; und 16,13–16). Und Jesus beauftragt seine Jünger zu allen Völkern zu gehen: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19).

<i>Was bedeutet das Pfingstereignis?</i>

Die Jünger sind verzweifelt. Jesus ist zum Vater, zum Himmel aufgefahren. Sein Versprechen scheint noch nicht eingelöst: „Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.“ (Joh, 14,16). Und dieser Geist kommt zu Pfingsten über die Jünger: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.  Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apostelgeschichte 2, 2-4). Diese „Ausgießung“ des Heiligen Geistes gilt als Geburtsstunde der Kirche.

<i>Woher kommt der Name Pfingsten?</i>

Das christliche Pfingstereignis fand nach der Apostelgeschichte am jüdischen Fest Schawuot statt. Dieses Fest feiert die Offenbarung der Tora an das Volk Israel und gehört zu den Hauptfesten des Judentums. Schawuot bedeutet Wochen und weist mit diesem Namen auf die mit dem fünfzigsten Tag vollendeten sieben Wochen nach dem Pessachfest hin. Bereits aus dieser Tradition stammt der griechische Name pentekostē (50. Tag), aus dem der deutsche Begriff „Pfings­ten“ hervorgegangen ist. Schawuot ist gleichzeitig ein Erntedankfest, da es den Abschluss der mit Pessach beginnenden Weizenernte markiert. Das Pfingstfest des Neuen Bunds ist gleichermaßen ein Erntefest: Es ist die Frucht von Ostern, die Bestätigung der Auferstehung Jesu Christi, das Fest seiner Erhöhung zum Vater und seiner bleibenden Gegenwart in der Kirche durch den Heiligen Geist.

<i>Heiliger Geist und Dreifaltigkeit: Wie verhält sich das zueinander?</i>

Der erste Sonntag nach Pfingsten wird im Zeichen der Dreifaltigkeit begangen (Trinitatis). Gott, der Vater, Jesus Christus, der Sohn, und der Heilige Geist sind eins, sind eine unauflösbare Einheit – und doch von einander zu unterscheiden. Ein Wesen in drei Personen: Paulus fasst dieses Geheimnis des Glaubens im Zweiten Brief an die Korinther in einer Segensformel für die Urkirche zusammen: „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei bei euch!“ (13,13). Dabei ist der Sohn durch „Zeugung“ aus dem Vater hervorgegangen, der Geist durch eine Hauchung durch Gott-Vater und Gott-Sohn. Das ist zumindest die Lehre der römisch-katholischen Kirche. Zu den orthodoxen Kirchen besteht ein gravierender Unterschied – neben der Frage des Primates, also des Vorrangs des Papstes, der wichtigste theologische Streitpunkt, der eine Wiedervereinigung nach einem tausendjährigen Schisma verhindert. Kern des Disputs ist die Stellung des Heiliges Geistes.

<i>Worüber wird zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche genau gestritten?</i>

Faktisch um ein Wort, aber mit entscheidender Bedeutung:  „filioque“ – das ist die Verknüpfung der lateinischen Wörter „filius“ („Sohn“) mit „que“ („und“). Das 3. Konzil von Toledo fügte diese Worte 589 dem Nicänischen Glaubensbekenntnis hinzu: „Ich glaube an den Heiligen Geist, der vom Vater und vom Sohn hervorgeht“. Die Ostkirche bewahrt die ursprüngliche Textfassung des Glaubensbekenntnisses: Zum einen, weil die Änderung einseitig war, zum anderen, weil orthodoxe Theologen die Gott-Vater und Gott-Sohn gleichgestellte Göttlichkeit des Geistes betonen. Im 11. Jahrhundert wurde der „Filioque“-Zusatz in der westlichen Kirche für verbindlich erklärt.

<i>Welche Symbole und Gaben sind mit dem Heiligen Geist verbunden?</i>

Zum einen zahlreiche Symbole: Am häufigsten finden sich „Wind“,  (Joh 3,8), fließendes Wasser beziehungsweise Quellwasser (Joh 7,37, Offb 22,17), Salböl (Lk 4,18) und natürlich Feuer und Flammenzungen beim Pfingstereignis (Apg 2,3) sowie die Taube (Taufe Jesu, Mt 3,16) – die heute weitaus verbreitetste Darstellung. Zum anderen: Der Heilige Geist schenkt den Gläubigen die „Charismen“ – die „Gnadengaben“. Dazu zählen in der katholischen Tradition: Weisheit, Verstand/Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Im Hymnus von Bischof Rabanus Maurus aus dem 9. Jahrhundert heißt es zu den  Gaben: „O Schatz, der siebenfältig ziert, / o Finger Gottes, der uns führt, / Geschenk, vom Vater zugesagt, / du, der die Zungen reden macht“.

<i>Warum wird bei der Firmung vom Heiligen Geist als Gabe Gottes gesprochen?</i>

„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Diese Worte spricht ein Bischof bei der Firmung. Er legt dem Firmling die Hände auf und zeichnet mit Chrisam ein Kreuz auf dessen Stirn. Mit dem Sakrament der Firmung erhalten die Firmlinge den Auftrag, öffentlich von ihrem Glauben zu berichten und sich immer wieder mit ihm auseinanderzusetzen – die „Zunge, die reden macht.“ Somit soll die Firmung den Glauben der Jugendlichen stärken, zugleich erhalten sie die Aufgabe, ihren Glauben auch öffentlich zu leben und zu bekennen. Die Kraft dazu erhalten sie durch die Gaben des Heiliges Geistes – „dem Beistand, den der Vater schenkt“.

<i>Wie viele Kirchen und Kapellen sind im Bistum dem Heiligen Geist geweiht?</i>

Es sind zwölf – so wie die Zahl der Apos­tel: Pfarrkirchen in Hannover-Botfeld, Sarstedt, Braunschweig und Stade; Filialkirchen in Schwarmstedt, Salzgitter-Hallendorf, Dassel-Markoldendorf, Faßberg, Bomlitz-Benefeld. Sowohl die Kapelle der ukrainischen Katholiken in Hildesheim steht unter dem Patronat des Heiligen Geistes als auch die Kapelle in der Jugendbildungsstätte Haus Wohldenberg und das Gotteshaus auf dem Gelände der Heimstatt Röderhof bei Diekholzen.

<i>Und der Heiligen Dreifaltigkeit?</i>

Das sind vier: die Pfarrkirche in Seelze sowie die Filialkirchen in Lehrte-Hämelerwald und Braunschweig-Stöckheim. In Sarstedt ist die Heilige Dreifaltigkeit eine Filialkirche der Pfarrei Heilig Geist. Hier zeigt sich augenscheinlich, wie Geist und Dreifaltigkeit zusammengehören.

Von: Rüdiger Wala