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15. Oktober 2019
Mittendrin – die erste Station des Pastoralbesuches von Bischof Heiner Wilmer in Nienburg führt in das Mütterzentrum. | Foto: Wala

Mittendrin – die erste Station des Pastoralbesuches von Bischof Heiner Wilmer in Nienburg führt in das Mütterzentrum. | Foto: Wala

Beim Essen redet es sich am besten: Bischof Wilmer im Gespräch mit Gemeindemitgliedern von St. Bernward in Nienburg. | Foto: Wala

Beim Essen redet es sich am besten: Bischof Wilmer im Gespräch mit Gemeindemitgliedern von St. Bernward in Nienburg. | Foto: Wala

Zwischen Müze, Loki und ÜPE

Visitation im Regionaldekanat Hannover: Bischof Heiner Wilmer besucht die Pfarrei St. Bernward in Nienburg. Dabei zeigt sich, wie wichtig Gemeinschaft ist – für den Zusammenhalt und den Glauben.

Es ist eine echte Premiere. Seit einem Jahr, einem Monat und ein paar Tagen im Amt, steht für Bischof Heiner Wilmer die erste Visitation an. Gleich im größten Dekanat des Bistums – in der Katholischen Region Hannover.  Mit gut 150 000 Katholiken lebt hier ein Viertel der Gläubigen des Bistums Hildesheim – in 23 Pfarreien mit 61 Kirchorten auf einer Fläche, die in etwa so groß wie das Saarland ist.

Die erste Station der Visitation: St. Bernward in Nienburg, im äußersten Nordwesten des Regionaldekanates gelegen. 4700 Katholiken, nicht nur in der Stadt selbst, sondern auf 25 Dörfer verteilt. Fast auf der Hälfte der Strecke zwischen Hannover und Bremen gelegen. Viel freies Feld drumherum. Ein Pfarrer eine Pfarrsekretärin, aber keine Gemeindereferentin. Bis 2015 gab es in Rodewald mit der Hl. Familie noch eine Filialkirche. Sie wurde profaniert und verkauft.

Wie aber kann ein Bischof bei einem eher formalen Akt auf eine Gemeinde zugehen? Zumal bei einer kirchenrechtlichen Verpflichtung, die bürokratisch klingt und doch seelsorglich geprägt sein soll? Für Wilmer stand eines im Vorfeld fest: „Ich möchte nicht als Kontrolleur kommen.“

Drei Leitfragen als Grundlage

Deshalb hat er im Vorfeld drei Fragen an die Gemeinden der Region gestellt: Wie leben und bezeugen wir heute glaubwürdig und in Freude das Evangelium? Wie können wir als Kirche attraktiv(er) sein? Und: Wie leben wir die Nähe zu den Menschen, insbesondere zu den Bedrängten? Dazu der Wunsch, die fünf Themen zu erfahren, die die Gemeinde am meisten bewegen.

„Die Fragen haben hier durchaus was in Bewegung gebracht“, sagt Rita Hunken, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates (PGR). Umfragen unter Kirchenbesuchern wurden gemacht, Stellungnahmen aus den Gemeindegruppen eingeholt – und immer wieder diskutiert. „Wir wollen natürlich ehrliche Antworten auf die Fragen geben“, betont Hunken. Eine fasst besonders das Selbstverständnis von St. Bernward zusammen:„Attraktiv sind wir, wenn die Gemeinschaft, die wir im Gottesdienst feiern, auch außerhalb des Gottesdienstes erlebbar wird.“

Gemeinschaft – dieses Wort zieht sich wie ein roter Faden durch den Besuch von Wilmer. Den Anfang macht das Mütterzentrum, kurz: Müze. Es gibt Kaffee und Brötchen, Kinder toben durch das Ladenlokal in der Fußgängerzone. Die Vorsitzende des Trägervereins, Martina Baake, ist auch im PGR von St. Bernward aktiv. Sie betont die enge Verbundenheit mit der Gemeinde. Zum Beispiel als es darum ging, die Tochter einer afrikanischen Mutter nach Deutschland zu holen. Ohne Unterstützung der Pfarrei – unmöglich.

„Klasse Beispiel, wie Zusammenhalt geht“

Für Wilmer ist der Besuch „der ideale Auftakt einer Visitation.“ Und weiter: „Das ist ein klasse Beispiel, wie Zusammenhalt funktioniert.“ Auch wenn für das ehrenamtlich getragene Müze trotz Unterstützung von Stadt und Landkreis und Spendern jeder Tag eine Herausforderung ist: „Finanziell leben wir von der Hand in den Mund“, berichtet Baake.

Gemeinschaft und Zusammenhalt – darum geht es auch beim Treffen mit der Gruppe „Lokale Kirchenentwicklung“, kurz: Loki. Wieder hört Wilmer zu, stellt Nachfragen. Er erfährt, wie es gerade weltkirchliche Entwicklungen sind, die die Gruppe in Nienburg beeinflussen – von den Philippinen oder aus Südafrika. Und wie Gemeinschaft aus dem Glauben ermutigt, das Leben vor Ort selbst in die Hand zu nehmen.

Die Ökumene prägt das Mittagessen, den Nachmittag Gespräche mit der Pfarrsekretärin und dem Küster. Der Abend wird mit einem Gottesdienst eingeläutet, danach schließt sich die Begegnung mit der Gemeinde an. „Beim Essen redet es sich am bes­ten“, sagt Wilmer – und kommt kaum selbst dazu. Denn immer wieder sucht er oder suchen Gemeindemitglieder das Gespräch.  Herzlich und lachend – über Gott und die Welt.

Dann noch das Treffen mit PGR und Kirchenvorstand. Gelegenheit für Wilmer Stellung zum Pastoralbericht der Gemeinde zu nehmen. Und sich selbst Nachfragen zu stellen. Zum Beispiel zum ÜPE, dem „überpfarrlichen Personaleinsatz“. 2021 wird St. Bernward ohne hauptamtliches pastorales Personal sein. Das macht Sorgen. Diese Sorgen nimmt Wilmer mit. Genauso wie wichtig die Gemeinschaft einer Gemeinde für Zusammenhalt und Glauben ist.

Von: Rüdiger Wala