Dekanat Hannover https://www.kath-kirche-hannover.de de_DE Dekanat Hannover Sun, 07 Aug 2022 16:10:39 +0200 Sun, 07 Aug 2022 16:10:39 +0200 TYPO3 EXT:news news-31138 Wed, 03 Aug 2022 13:24:47 +0200 Arbeitswelt Theater https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/arbeitswelt-theater-31138/ Jeder kennt das Theater. Obwohl viele vor der Bühne sitzen und zuschauen, gehört die Arbeitswelt dahinter eher zu den unbekannten Gefilden. Alrun Hofert ist Schauspielerin am Staatstheater und Vorsitzende der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) in Hannover. Jeder kennt das Theater. Obwohl viele vor der Bühne sitzen und zuschauen, gehört die Arbeitswelt dahinter eher zu den unbekannten Gefilden. Laut der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins – Bundesverband der Theater und Orchester, waren in Niedersachsen in der Spielzeit 2019/2020 an den Bühnen 2.989 Personen beschäftigt. Aufgeführt werden zusätzlich 846 produktionsbezogene Gastverträge, 724 Abendgäste sowie 796 Werk-/Dienstverträge. Die Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH zählt mit etwa 950 Beschäftigten zu den größeren Arbeitgebern zählen.  

Alrun Hofert kennt die Arbeitswelt des Theaters. Sie kam zur Spielzeit 2019 als Schauspielerin nach Hannover ans Staatstheater – und wird seit dieser Zeit regelmäßig als Lektorin in den Sonntagsgottesdiensten in der Basilika St. Clemens mit. Alrun Hofert gehört auch zu jenen KatholikInnen, die bei der Gestaltung ihrer Arbeitswelt selbst Hand anlegen. Als Mitglied einer Gewerkschaft setzt sie sich für ihre Kolleg*innen ein. Als Vorsitzende der Lokalgruppe Hannover der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) organisiert sie die gewerkschaftliche Arbeit, wie zum Beispiel ihr gemeinsamer Einsatz für die niedersächsische Theaterlandschaft zeigt.  

Frau Hofert, Sie sind Schauspielerin, Gewerkschafterin und in der Katholischen Kirche engagiert. Wie bekommen Sie dies unter einen Hut?  

Das frage ich mich selbst manchmal auch. Mit guter Selbstorganisation! Tatsächlich variiert das Arbeitspensum bei den unterschiedlichen Positionen sehr. In der Gemeinde bin ich in der Regel Sonntag vormittags dran, während die Probenarbeit hauptsächlich werktags stattfindet. Vorstellungen spielen kann je nach Spielplan theoretisch jeden Tag auf dem Programm stehen. Die Ehrenämter laufen nebenbei. Die Aufgaben und Ziele sind jeweils sehr abwechslungsreich – aus der Unterschiedlichkeit ziehe ich Kraft.  

Unter vielen Arbeitswelten können sich Menschen etwas vorstellen, weil diese nicht weit von ihren eigenen Erfahrungen entfernt sind. Aber bei der Arbeitswelt „Theater“ ist der Blick hinter die Kulissen doch häufig versperrt oder sogar selbst Teil der Inszenierung. Wie würden Sie einem Laien Ihre Arbeitswelt beschreiben?  

Wir sind ein Repertoire-Theater, das heißt wir haben eine große Bandbreite an Stücken, die wir regelmäßig spielen. Ich probe 4 Inszenierungen pro Spielzeit. Eine Probenphase dauert 6 bis 8 Wochen. Die Stücke und Besetzungen werden von der Leitung geplant. Ich kann mir natürlich Stücke und Rollen wünschen, wobei bei 30 Spieler*innen im Ensemble nicht jeder Wunsch berücksichtigt werden kann. Die Proben finden in der Regel werktags und manchmal samstags von 10 bis 14 Uhr und (wenn ich keine Vorstellung spiele) von 18 bis 22 Uhr statt. Je nach Größe der Rolle kann es aber auch sein, dass ich nicht täglich dabei sein muss. Die Probenarbeit ist von Team zu Team unterschiedlich. Meistens gibt es eine Textvorlage, den Text lerne ich dann in der Freizeit. Und dann tasten wir uns mit Improvisationen, Gesprächen, ständigem Scheitern und wieder neu probieren an die Szenen ran. Natürlich hilft es mir als Schauspielerin, mir im Vorfeld szenische Ideen zu überlegen – ich muss dann aber natürlich offen für die Ideen der Kolleg*innen bleiben.  

Sie sind Vorsitzende der Ortsgruppe Hannover der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA). In Fachkreisen ist Ihre Organisation bekannt, aber der breiten Öffentlichkeit eher nicht. Bitte erzählen Sie uns etwas über Ihre Organisation und weshalb Sie dort Mitglied geworden sind.  

Die GDBA vertritt die Bühnensolokünstler*innen und viele bühnennahe Berufe. Hauptziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die sind aktuell leider ziemlich prekär. Beispielsweise gibt es keine Tariftabelle. Wir müssen unsere Gagen frei verhandeln. Lediglich eine Mindestgage von 2000 Euro brutto ist festgeschrieben. Und dass bei befristeten Jahresverträgen, Wechseldiensten, Wochenenddiensten und Hochschulstudium. Vergleicht man das mit dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD) findet man dieses Gagenniveu bei den ungelernten Küchenhilfen. Was mich grundsätzlich in meiner Gewerkschaftsarbeit antreibt ist meine Weigerung, mich Ungerechtigkeiten einfach hinzugeben und mich darüber zu echauffieren. Mir ist es wichtig, aktiv zu werden. Von allein passiert leider nichts.  

Was macht Ihre Gewerkschaft, um diese Theater-Betriebe und die ganze Branche zu gestalten?  

Die GDBA verhandelt mit dem deutschen Bühnenverein, der Arbeitgebervereinigung, den sogenannten NV Solo Vertrag. Wie das in Gewerkschaften nunmal so ist, hat sie mehr Verhandlungsmacht je mehr Mitglieder sie hat. Deshalb halte ich es absolut notwendig, Teil der Gewerkschaft zu sein. Außerdem bietet die Gewerkschaft mir als Einzelmitglied eine kostenlose Rechtsberatung, was im Fall der Fälle wirklich hilfreich ist.  

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit konkurrierenden Gewerkschaften, wie zum Beispiel der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die ebenfalls in den Theatern aktiv ist?  

In meiner Wahrnehmung gut! Ver.di vertritt am Theater die TVÖD Verträge, da kommen wir mit den Künstler*innenverträgen uns eigentlich nicht in die Quere. Im Gegenteil: Ver.di ist inspirierend! Die Kolleg*innen mit TVÖD haben sehr viel bessere Arbeitsbedingungen!  Lokal organisieren wir immer wieder gemeinsam Aktionen. Letztes Jahr beispielsweise als wir über den Verbund #rettedeintheater eine riesige Protestwelle gegen die niedersächsische Kulturpolitik in Gang gesetzt haben. Oder diesen Herbst: Da planen wir am Staatstheater Hannover zusammen einen Workshoptag zum Thema „sexuelle Gewalt im Theater“.  

Welche Bedeutung hat für Sie die kirchliche Sozialverkündigung für Ihr gewerkschaftliches Engagement?  

Eine große Bedeutung! Das Prinzip der Solidarität, das sich-einsetzen für den oder die Schwächere*n ist sicher ein zentrales Motiv in meiner Funktion als Lokalverbandsvorsitzenden. Wir versuchen als Vorstandsgremium die vielen Aufgaben im Lokalverband aufzuteilen, sodass sich kleine Expert*innengruppen gebildet haben. Damit ist das Prinzip Subsidiarität Grundlage für unser effizientes Arbeiten. Und Personalität? Mein persönliches Ziel ist es, jedem Mitglied das Werkzeug an die Hand zu geben, um sich selbst ermächtigen zu können.  

Welche Forderungen hat Ihre Gewerkschaft zu den Einkommens- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten der Theater?  

Aktuell steht die GDBA wieder in Verhandlungen. Eine der Forderungen ist eine Tariftabelle, bei der die Mindestgage bei 2.750 Euro und 3.100 Euro (je nach Größe der Häuser und Qualifikation) liegen soll. Die Tarifstaffelung soll sich an Alter, Berufserfahrung und persönlicher/familiärer Situation anpassen. Außerdem sollen auch die Gästegagen hoch.  

In welcher Beziehung stehen für Sie Kirche und Arbeitswelt?  

Im Alltag scheint es mir manchmal wie zwei ferne Welten: die Theaterwelt ist bekanntermaßen sehr säkular. Ich habe manchmal Bammel vor Reaktionen, wenn ich mich im Theaterkontext als katholisch „oute“. Das Leben im Theater ist fluide, ich muss permanent flexibel sein und mich und meine Kunst ständig neu erfinden. Die Kirche daneben ist für mich wie eine Art Fundament, auf das ich mich verlassen kann. Sie ist wie eine Art Muttersprache. An der ich natürlich auch zweifle, die mir aber eher Antworten gibt als neue zu bewältigende Aufgaben. Ich genieße in der Kirche außerdem, dass sich Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Kontexte versammeln – während wir im Theater dann doch in einer ziemlichen Bubble sind.  

Da Sie in der Kirche wirken, aber auch in der Welt der Kunst und Kultur arbeiten, stellt sich selbstverständlich die Frage, wie sie das Verhältnis von Kirche und Kultur betrachten. Wie empfinden sie diese beiden Welten für Ihr eigenes Leben, aber auch für das Zusammenleben in der Gesellschaft?  

Ich sehe das gar nicht so getrennt voneinander. Ist die Kirche nicht auch ein wichtiger kultureller Faktor für eine Gesellschaft? Und letztlich steht das Theater, an dem ich arbeite für Werte, die ziemlich deckungsgleich mit den christlichen Werten sind. Theater befragt natürlich Kirche, sieht sie kritisch. Und Kirche kann in seinen Gottesdiensten ja auch ein höchst theatrales Erlebnis sein.  

Welchen Wünsche haben Sie für die drei Sphären – Kirche – Theaterkunst – Gewerkschaft – für die kommenden fünf Jahre?  

Mehr Zusammenhalt! Reibung ist essentiell. Aber auch das Genießen dessen, was wir (geschafft) haben muss Raum finden!

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news-31126 Thu, 28 Jul 2022 13:29:00 +0200 "Wir stellen uns den Frauen an die Seite" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/wir-stellen-uns-den-frauen-an-die-seite-31126/ Nicht erst seit dem Streichen des "Werbeverbots" für Schwangerschaftabbrüche durch den Bundestag wird wieder über den "Paragrafen 218" diskutiert. Der Verein donum vitae berät auch in Hannover Schwangere in Konfliktsituationen. Wie wird dort die derzeitige, auch innenkatholische... Die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, hat sich in einem Zeitungsbeitrag für ein größeres Angebot für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ausgesprochen. Das betreffen sowohl Beratung als auch den flächendeckenden medizinischen Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs. Teilen Sie diese Meinung?

Zunächst einmal lese ich aus dem Beitrag in der „ZEIT“ die klare Botschaft: „Hände weg vom Paragrafen 218“! Dieser ist ein Kompromiss angesichts eines gesellschaftlichen Großkonflikts vor dem Hintergrund entsprechender Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Und zur Umsetzung gehört selbstverständlich, dass die Kommunen für ausreichend Beratungsangebote verschiedener Träger zu sorgen haben. Auch gibt es Gegenden, in denen es schwer ist, eine entsprechende medizinische Möglichkeit für einen Abbruch zu finden. Das verhindert meines Erachtens aber keine Abtreibung, sondern führt eher zu einer Art „Abtreibungstourismus“, gut zu beobachten aktuell in den USA.

Kritiker*innen der bestehenden gesetzlichen Regelung sprechen doppeldeutig von einer „Scheinberatung“. Nun stellt auch donum vitae eben jene Beratungsscheine aus, die zur Straffreiheit eines Schwangerschaftsabbruches notwendig sind. Was entgegnen Sie den Kritiker*innen?

Was wäre die Alternative? Keinen Beratungsschein auszustellen, führt dazu, dass die Frauen, die sich wirklich im Konflikt beziehungsweise im Zweifel befinden, diese Beratungsstellen nicht aufsuchen, sondern nur noch Frauen, die zum Austragen des Kindes entschlossen sind. Diese Hilfe ist selbstverständlich auch wichtig, stellt aber nicht die sogenannte Konfliktberatung dar. Donum vitae versucht hier also in einer sehr schwierigen Situation für diese Frauen beratend an ihrer Seite zu stehen.

Von welchen Prinzipien lässt sich donum vitae in der Beratung leiten? Wie wird die sogenannte doppelte Anwaltschaft sowohl für das Kind als auch für die Mutter umgesetzt?

Unsere Beraterinnen bei donum vitae beraten nach den gesetzlichen Vorgaben ergebnisoffen, zeigen aber ebenso deutlich die Möglichkeiten und Hilfen auf, um sich für das Kind zu entscheiden. Und das kann je nach individueller Situation ganz unterschiedlich sein.

Vor kurzem hat der Deutsche Bundestag mit breiter Mehrheit den Paragrafen 219a, das sogenannte „Werbeverbot“ für Schwangerschaftsabbrüche durch Ärzt*innen aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Eine sinnvolle Entscheidung?

Ich halte diese Änderung für entbehrlich, Informationen für Frauen darüber, wie ein Abbruch stattfindet und wer diesen durchführt, waren auch schon vorher verfügbar. Das Problem ist aber, dass es Kreise gibt, für die die Änderung des Paragrafen 219 a nur ein erster Schritt zu einer Abschaffung des gesamten Paragrafen 218 darstellt. Und diesem Ansinnen hat Frau Stetter-Karp eindeutig widersprochen!

Einmal grundsätzlich gefragt: Gehören Schwangerschaftsabbrüche eigentlich in das Strafgesetzbuch? Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat gewarnt, dass ein erschwerter Zugang zu Abtreibungen "nicht die Anzahl der Abbrüche" reduziere.

Grundsätzlich hat der Gesetzgeber dafür zu sorgen, dass nicht nur das Selbstbestimmungsrecht der Frau zu würdigen ist, sondern auch das Recht auf Leben des Ungeborenen berücksichtigt wird. Auf der anderen Seite zeigt die Erfahrung, dass Länder mit einer deutlich restriktiveren Abtreibungsgesetzgebung nicht weniger Abtreibungen als Deutschland haben, sondern mehr. Unser deutsches System hat sich also sehr bewährt. Wir sollten uns davor hüten dieses in Frage zu stellen und stattdessen gesellschaftliche Spaltungen wie in den USA zu befördern.

Wie viele Frauen hat donum vitae im letzten Jahr beraten? Erfahren die Beraterinnen, wie sich die Frauen entschieden haben?

In der Beratungsstelle in Hannover gab es im vergangenen Jahr mehr als 500 Beratungen, davon 129 Konfliktberatungen. Wie die beratenen Frauen sich jeweils entscheiden, erfahren unsere Beraterinnen in der Regel nicht. Allerdings kommt es vor, dass Frauen, die sich für das Kind entschieden haben, wieder in die Beratungsstelle kommen und nach weiterer Unterstützung fragen.

Konfliktberatung ist aber nicht der einzige Schwerpunkt von donum vitae. Welche Akzente versuchen Sie in Hannover noch zu setzen?

Neben der allgemeinen Beratung geht es um die sogenannten „frühen Hilfen“, d.h. die Unterstützung während der Schwangerschaft. Unsere Beraterinnen informieren über die Möglichkeiten einer „vertraulichen Geburt“ und führen auch sexualpädagogische Workshops durch, zum Beispiel im Rahmen von „Mädchengesundheitstagen“. Ein anderer Bereich ist die Trauerbegleitung nach Fehlgeburten. Da sich unsere Beratungsstelle in Linden-Süd befindet, also einem Stadtteil mit einem höheren Anteil an Menschen mit Migrationserfahrungen, sind wir auch besonders im Rahmen von kultursensiblen Beratungen gefordert. Und wir sind auch für die Männer da in all den Fragen im Hinblick auf die Vaterschaft!

  • Monika Wienhold-Quecke ist stellvertretende Vorsitzende des Regionalverbandes Hildesheim-Hannover von donum vitae und Ansprechpartnerin für Hannover.
  • donum vitae ist ein gemeinnütziger Verein, der 1999 von katholischen Christinnen und Christen gegründet wurde. Der Verein berät bundesweit an mehr als 200 Orten. Auf Wunsch stellen die Beraterinnen den Beratungsnachweis nach Paragraf 219 StGB aus, der die Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch bildet. Die Beratungsstelle in Hannover befindet sich im Allerweg 10 im Stadtteil Linden (Telefon: 05 11 4 50 05 56 E-Mail: hannover(ät)donumvitae.org)
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news-31108 Tue, 26 Jul 2022 17:47:38 +0200 Einfach mal anfangen https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/einfach-mal-anfangen-31108/ Nächstenliebe, Respekt, Gerechtigkeit: Für Andrea Weinhold-Klotzbach gehört das zusammen. Vor allem, wenn es um die Menschen geht, die aus unseren aufgeräumten Innenstädten schon mal verjagt werden. Er ist schon ein Markenzeichen, der gelbe Drahtesel. „Mein Postfahrrad“, sagt Andrea Weinhold-Klotzbach – und lacht herzlich. Jeden Donnerstag parkt das Gefährt vor der Wärmestube für obdachlose Menschen, die im Keller der katholischen Propstei St. Clemens mitten in Hannover untergebracht ist. Das Fahrrad signalisiert: Kaffee ist fertig, Brötchen sind in Arbeit.

Die 48-Jährige hat die Wärmestube vor eineinhalb Jahren mitangeschoben. Bitterkalt war es im Januar 2021. Hinzu kam: Wegen der Corona-Pandemie und Abstandsgeboten konnten bestehende Tagestreffs, wie eine Caritas-Einrichtung gleich in der Nachbarschaft der Propstei, weniger Menschen ein Obdach bieten – und mussten sie zudem nach einer gewissen Zeit wieder nach draußen schicken. Damit andere Wohnungslose sich auf wärmen konnten.

„Wir mussten kurzfristig was tun“, erinnert sich Weinhold-Klotzbach. Der Keller war frei, so schob sie das Projekt mit an. Im Winter aufwärmen, im Sommer abkühlen. Kaffee, Wasser, Brötchen – und etwas, das selbst in einer Großstadt wie Hannover Seltenheitswert hat: Matratzen zum Ausruhen. Eine Stunde schlafen, ohne Angst zu haben, dass beim Aufwachen die Schuhe oder andere Habseligkeiten fehlen: für Obdachlose ein Segen.

Konkret helfen. Das ist ein Antrieb für Weinhold-Klotzbach. Nächstenliebe. Der andere: Respekt zeigen. Gerade gegenüber Menschen, die aus aufgeräumten Innenstädten auch mal verjagt werden. Die niemand sehen will. Und erst recht nicht hören.

Ungehört – das ist ein weiteres wichtiges Stichwort für die Katholikin. „Stimme der UngeHÖRTen“ – oder abgekürzt: StiDU. So heißt der von Weinhold-Klotzbach mitbegründete Verein, der sich an die Seite von obdachlosen Menschen stellt. Einer der Grundgedanken: eine Ombudsstelle für obdachlose Menschen zu etablieren als eine Mischung aus Beratung, politischer Anwaltschaft und auch pragmatischer Hilfe.

„Viele wohnungslose Menschen kennen ihre Rechte nicht oder wissen sie nicht durchzusetzen“, betont Andrea Weinhold-Klotzbach. Deshalb sei eine Stelle, an der sie ihre Beschwerden loswerden können, so wichtig – und dass sie unabhängig ist. Da wirken schlechte Erfahrungen mit staatlichen Einrichtungen nach. Ob diese Erfahrungen gerechtfertigt sind oder nicht, spielt da erst einmal keine Rolle. „Stimme geben – das entscheidet“, sagt Weinhold-Klotzbach.

Auch wenn die Pandemie den weiteren Aufbau des erst im April 2020 gegründeten Vereins gehemmt hat – die Idee findet auch weit über Hannover hinaus Anerkennung: Im September wird StiDU den renommierten Julius-Rumpf-Preis der in Wiesbaden beheimateten Martin-Niemöller-Stiftung erhalten. Damit werden seit 2007 unter anderem Initiativen ausgezeichnet, die Lücken staatlichen Handelns offenbaren und sich für eine demokratische Alltagskultur positionieren. Oder Ungehörten eine Stimme geben. Für Weinhold-Klotzbach hat das zentral mit Würde und Rechtsstaat zu tun.

Rechtsstaat ist das Handwerkzeug von Andrea Weinhold-Klotzbach. Geboren in Mülheim an der Ruhr, aufgewachsen mit zwei jüngeren Brüdern, hat sie nach dem Abitur an einem damals noch reinen katholischen Mädchengymnasium eine Banklehre gemacht. „Meine Eltern hatten dafür geworben, zuerst einmal etwas Handfestes zu lernen“, sagt sie. Dann aber doch der Rechtsstaat: Jura-Studium in Bonn.

Nach dem Studium verschlug es sie nach Hannover. Über einen Umweg. „Ich habe mich immer auch für Archäologie interessiert“, sagt Weinhold-Klotzbach. So bot sich die Möglichkeit, während des Studiums als Freiwillige an Ausgrabungsarbeiten in Israel teilzunehmen: „Wir haben geholfen, das biblische Hazor auszugraben.“

Nördlich des Sees Gennesaret gelegen war Hazor einst die größte Stadt Kanaans und immerhin 20-mal in der Hebräischen Bibel erwähnt. Die gefundenen Ruinen sind heute Weltkulturerbe. Aber jenseits dieser Ruinen und Arbeiten war da mit Dierk ein junger Mann aus Hannover. Auslöser für Veränderungen: Die zweite Phase der juristischen Ausbildung und für den richterlichen Dienst wurde in der niedersächsischen Landeshauptstadt fortgesetzt – und eine Familie gegründet. Mit Franziska, Christian, Philipp und Katharina werden zwischen 2004 und 2010 vier Kinder geboren. Zunächst versuchte Andrea Weinhold-Klotzbach Familie und Assessorinnenzeit zu vereinbaren. Doch an einem Punkt musste sie sich eingestehen, dass das nicht ging. Sie ging als Staatsanwältin in den Erziehungsurlaub. Vor dem Kindergarten hörte sie ihre jüngste Tochter sagen: „Mama hat sich für uns entschieden.“ Kloß im Hals ...


2015, als über eine Million Flüchtlinge Schutz in Deutschland suchten, hatte die Familie ein Gästezimmer frei: „Die Stadt Hannover hat Pflegeeltern für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gesucht.“ Die Familie konnte sich das gut vorstellen. So kam Nazeer, damals 15 Jahre alt, in die Familie. Quasi Kind Nummer fünf. Heute hat er eine Ausbildung absolviert, lebt in eigener Wohnung und ist häufig zu Besuch. Das große Kind, das ausgezogen ist. „Natürlich gab es auch schwierige Phasen“, erzählt Andrea Weinhold-Klotzbach. Aber unterm Strich war es ein Beispiel dafür, wie junge Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen hier Fuß fassen können. Mit Respekt, Ermutigung und Begleitung.

Zur Aufnahme von Nazeer hat das Jugendamt die Familie mit einem Hinweis ermutigt. „Es ist immer wieder gesagt worden, dass nicht alles perfekt sein muss und man auch scheitern darf“, erinnert sich Andrea Weinhold-Klotzbach. Ein wichtiger Ratschlag, der sie jetzt noch weiter begleitet und das Anfangen von Vorhaben erleichtert – sei es bei Hilfsprojekten in der Heimatpfarrei Heilig Geist, beim Einbringen von sozialen Fragen im Dekanatspastoralrat Hannover oder bei der Gründung von StiDU: anfangen, versuchen. Es darf auch scheitern. Aber es hilft, diese Welt ein Stück respektvoller und gerechter zu machen.

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news-31109 Mon, 25 Jul 2022 18:43:00 +0200 Nur noch fünf Millimeter https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/nur-noch-fuenf-millimeter-31109/ Das Vinzenzkrankenhaus Hannover operiert als eine der ersten Kliniken weltweit mit neuem deutschen Operationsroboter. Mittlerweile wurden zehn Patienten erfolgreich mit dem System operiert. Als Ergebnis einer mehrjährigen Kooperation wurde im Juni das Robotersystem der Firma avateramedical Jena an das Vinzenzkrankenhaus ausgeliefert. „Nach über zehn Jahren Roboterchirurgie freuen wir uns, einen zweiten Operationsroboter zur Versorgung unserer urologischen Patienten in Betrieb nehmen zu können“, sagt der Chefarzt der Urologie, Dr. Florian Imkamp. Das System verfügt neben den üblichen vier Armen über dünnere, nur 5 Millimeter dicke Instrumente, wodurch die Größe der Hautschnitte weiter reduziert werden kann. Diese sind, so Imkamp, Einmalinstrumente, die eine hygienische Wiederaufbereitung überflüssig machen. Das Besondere am neuen System: Der Roboter kommt komplett aus Deutschland, entwickelt und gefertigt wird er an den Standorten Jena und Ilmenau.

Die Inbetriebnahme des Systems, das Training und die ersten Eingriffe verliefen, nicht zuletzt aufgrund des erfahrenen OP-Teams, schnell und reibungslos. „Wir haben die Möglichkeit, das zeigen die ersten Operationen, mit diesem zugelassenen Roboter, sicher und komplikationslos minimalinvasive, urologische Eingriffe durchzuführen“. Imkamp ist froh mit einem zweiten Robotersystem die rasant steigende Nachfrage nach roboterassistierten Operationen besser bedienen zu können.

Die Software des Systems wird von der Hannoveraner Tochtergesellschaft avateramedical Digital Solutions zur Verfügung gestellt. Ein interessanter Aspekt in der Zusammenarbeit für die Klinik und die Ärzteschaft im Vinzenzkrankenhaus: so ist eine enge und schnelle Abstimmung zwischen Klinik und Entwicklung bei der Einführung neuer softwarebasierter Innovationen möglich.

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news-31057 Fri, 15 Jul 2022 17:48:26 +0200 Für den Schutz der Ungeborenen https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/fuer-den-schutz-der-ungeborenen-31057/ Keine Anklage, aber das Gebet und die Bitte um Unterstützung und Hilfe: Gebetstag zum Schutz des ungeborenen Lebens in der Basilika St. Clemens in Hannover. Eines will Ralf Bösemann gleich zum Beginn des Gebetstages zum Schutz des ungeborenen Lebens verdeutlichen: „Das ist keine politische Aktion“, sagt er zu dem von Gebetsgruppen und Schutzvereinen aus Hannover und Hildesheim initiierten Gottesdienst: „Schon gar nicht geht es darum, jemanden zu verurteilen.“ Es gehe um ein Gebet für das Leben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Eingeladen haben die „ErbenGottes“ und die „Gruppe Madonna di Guadalupe“ der italienischen Mission als Gebetsgemeinschaften aus Hannover sowie der Gebetskreis „Quelle des Friedens“ aus Hildesheim. Ebenfalls beteiligt ist der Hannoversche Verein „Aktion Schutz für ungeborene Menschen“ (ASUM). An diesem Gebetstag, der zum zweiten Mal ausgetragen wird, feiern sie zusammen mit dem hannoverschen Propst und Regionaldechanten Christian Wirz die Heilige Messe, setzen das Allerheiligste aus, halten Fürbitte und beten den Rosenkranz während der eucharistischen Anbetung. Parallel hat die Gruppe ASUM am Kröpcke in der Fußgängerzone der Innenstadt von Hannover einen Infostand aufgebaut.

Gerade erst hat der Deutsche Bundestag mit breiter Mehrheit den Paragrafen 219a aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Er regelte bisher das Verbot, für Schwangerschaftsabbrüche zu werben. Zugleich führte er aber dazu, dass Ärzt*innen keine ausführlichen Informationen über Schwangerschaftsabbrüche öffentlich anbieten können, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.

Es ist ein Thema, dass die Initiator*innen und Besucher*innen bewegt: „Wir sind traurig und sehr betroffen darüber, dass es in unserem Land nun erlaubt ist, für die Tötung menschlichen Lebens zu werben“, sagt Robert Stärkel von der Gruppe ErbenGottes: „Wir fürchten zudem, dass weitere Schritte folgen werden, die mit der Menschenwürde des ungeborenen Lebens sowie mit dem Gebot des Lebensschutzes, abgeleitet aus dem 5. Gebot, Du sollst nicht töten, unvereinbar sind."

Aber wird nicht mit einem solchen Gebetstag, möglicherweise auch unbeabsichtigt, eine Anklage gegenüber Frauen erhoben, die abgetrieben haben? Stärkel verneint das: „Wir klagen niemanden persönlich an, insbesondere nicht betroffene Frauen.“ Aber eine seiner Ansicht nach falsche Haltung muss auch bei einem Gebetstag benannt werden. Die Gebetsgruppen nehmen sich ein Vorbild an dem Verhalten von Jesus Christus: „Gott verabscheut die Sünde, aber liebt den Sünder.“

Auch Propst Wirz geht in seiner Predigt darauf ein, in dem er sagte: „Ich glaube, dass die Liebe zu dem Kind ganz tief zum Wesen des mütterlichen Herzens gehört. Und deswegen glaube ich auch, dass keine Mutter eigentlich ihr Kind töten will. Wenn sie das tut, wenn sie das will, hat sie irgendetwas Furchtbares dazu getrieben“.

Stärkel ist es wichtig, die vorhandenen gesellschaftlichen, medialen und technisierten Rahmenbedingungen als einen grundsätzlich falschen Weg zu benennen, welche Abtreibungen unterstützen. Das sei eine Entwicklung, die sich dem Wert und Schutz des von Gott jeder Person einzigartig geschenkten Lebens zunehmend entrückt. „Natürlich könne das werdende Leben nicht gegen die Mutter geschützt werden: Frauen müssen selbst entdecken, was ihren Herzen entspricht und konkrete wie praktikable Hilfe erfahren.“ Denn nur zu oft sei es der Druck des Vaters, der Familie oder des Umfeldes, aber auch materielle oder soziale Sorgen, warum sich Frauen für eine Abtreibung entscheiden. „Wir beten für konkrete Hilfe und vermitteln sehr gerne verantwortungsvolle und erfahrene Beratung“, ergänzt Ralf Bösemann.

Doch die veranstaltenden Gruppen verbinden dabei grundsätzliche Kritik an der derzeitigen Entwicklung von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nach § 218 Strafgesetzbuch (StGB) grundsätzlich rechtswidrig. Frauen, die in den ersten zwölf Wochen die Schwangerschaft abbrechen wollen, müssen zwingend davor zu einer anerkannten Beratungsstelle gehen. Nach der Beratung müssen sie eine "Überlegungsfrist" von drei Tagen einhalten. Sind die Voraussetzungen erfüllt, bleibt der Abbruch zwar rechtswidrig, aber straffrei. Darüber hinaus ist der Abbruch rechtmäßig, wenn es dafür bestimmte medizinische Gründe gibt oder das Kind aufgrund einer Vergewaltigung entstanden ist.

„Wir verstehen durchaus, dass die Regelung nicht auf Strafe zu setzen, gut gemeint ist“, sagt Stärkel. Die hohe Zahl an Abtreibungen in Deutschland zeige aber leider, dass der Ansatz, mit Straffreiheit und „Scheinberatung“ Leben zu schützen, vollkommen gescheitert ist. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2021 bei rund 94.600 offiziell gemeldeten Fällen. „Was ein bereicherndes Bild der Vielfalt – wieviel bunter und lebendiger wäre die Welt mit diesen Kindern“ betont Janusz Bukala von der Gruppe Quelle des Friedens aus.

„Uns geht es nicht darum, über Menschen, die schwierige Entscheidungen treffen müssen, zu urteilen“, machen Antonia Martino und Maria Fernanda Zappa von der italienischen Mission geltend: „Wir dürfen aber nicht zu dem Schluss kommen, dass Abtreibungen eine gute und richtige Entscheidung sind.“ Oftmals haben Frauen sehr lange unter dieser Entscheidung zu leiden, möglicherweise ihr gesamtes Leben. Der dritte Gebetstag zum Schutz für das ungeborene Leben ist bereits in Planung.

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news-31120 Wed, 06 Jul 2022 14:21:00 +0200 Filme verändern Bilder https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/filme-veraendern-bilder-31120/ "Pictures about us" – so was die Filmreihe überschrieben, die an fünf Abenden nacheinander Interessierte zum Open-Air-Kino auf den Platz vor der Basilika St. Clemens lockte. Thomas Harling, Kulturbeauftragter der Katholischen Kirche in der Region Hannover, zieht ein Fazit. Fünf Filme, fünf Abende nacheinander vor der Basilika St. Clemens auf der Großleinwand. Erste Frage natürlich: Wie war die Stimmung?

Sehr gut. An den ersten Tagen war es tagsüber sehr heiß und alle Leute haben dann abends irgendwie in Ruhe vor der Basilika ausgeatmet. Und man hat sich gefreut, nach all den Coronazeiten, wieder gemeinsam einen Kulturevent zu erleben, umsonst und draußen.

Im Vorfeld wurden die Filme von unterschiedlichen Anrainer*innen in der Nachbarschaft der Basilika ausgewählt. Von Studierenden über das Ministerium für Wissenschaft und Kultur bis hin zu den Geschäftsleuten und Nachbar*innen in der Goethestraße. Hat sich das bewährt?

Es hat in jedem Fall dazu geführt, dass die Veranstaltung selbst vielleicht nicht in aller, aber doch in vieler Munde war. In der Goethestraße zum Beispiel haben sich fast 150 Personen an einer Umfrageaktion mit Wahlzetteln in den verschiedenen Geschäften beteiligt. Oder innerhalb von anderthalb Tagen etwa 50 Personen aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Zwei Abende fallen auch beim Rückblick schnell ins Auge. Zum einen: Der Film „Ziemlich beste Freunde“ wurde von den Gästen des Tagestreffes für Obdachlose der Caritas und der Wärmestube St. Clemens ausgewählt. Wie ist der Abend verlaufen, wie war der Zuspruch?

Der Film hat meines Erachtens den besten Anklang gefunden. Zum Teil heiter und komisch, aber mit Tiefgang. Einer der Protagonisten lebte ja auch in einem ziemlich belastenden und komplizierten Umfeld. Es war etwa ein Dutzend Menschen aus dem Tagestreff der Caritas unter den Besucher*innen, was uns sehr gefreut hat. Es war auf verschiedenen Ebenen ihr Film.

Der letzte Abend stand im Zeichen des Krieges gegen die Ukraine. Ein ukrainischer Film wurde gezeigt, eingeladen waren bewusst Menschen, die der Krieg nach Hannover vertrieben hat. Was hat diesen Abend so besonders gemacht?

Der Film war der außergewöhnlichste. Und der mit 120 Menschen am besten besuchte. Ein ukrainischer mit englischen Untertiteln. Er war auf verschiedenen Festivals gelaufen, aber er war nicht wie die anderen ein Mainstream-Film. Wir hatten den Tipp vom Festival goEast> erhalten, die sagten, nach ihrer Erfahrungen brauchten Geflüchtete nicht noch zusätzlich schwere Filme. So wars auch. Die Begrüßung durch Frau Maksymtsiv aus der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde ging zwar unter die Haut, aber dann war eine ganz tolle Stimmung. Die Leute haben sehr viel gelacht. Auch an Stellen, wo ich keine Miene verzogen hätte.

Die Reihe war mit „Pictures about us“ – „Bilder über uns“ – überschrieben. Welches Bild lässt sich denn jetzt über die Basilika und ihre Nachbarschaft zeichnen? Oder drehen, es sind ja schließlich bewegte Bilder.

Man kann auf jeden Fall sagen, dass sich das Bild vom Platz verlebendigt hat. Er hat einen wunderbaren Hintergrund gegeben für Kultur, Gespräche, Austausch, sommerliches Leben. Natürlich hat sich das Bild, dass alle voneinander haben, nicht total geändert. Aber es sind neue dazu gekommen durch die Zusammenarbeit und einfach durch die gemeinsame Zeit im Schatten der Basilika.

Was ist das persönliche Fazit? Was hat überrascht? Was war ungewöhnlich und was hat, schließlich gehören Gefühle zu jedem Film dazu, vielleicht auch bewegt?

Mich hat am meisten bewegt, als Frau Maksymtsiv eine Szene aus dem ukrainischen Film zitiert hat – den sie sich offensichtlich vorher noch angesehen hat. Da behauptet jemand, dass die Geräusche von Tieren in der Ukraine ganz anders sind als in allen Ländern Europas. Und sie sagte: Gerade, wenn man nicht da ist, weiß man, dass das stimmt.

Bleiben wir zum Abschluss noch mal in der Filmsprache: Wird’s denn ein Sequel, einen zweiten Teil des Open-Air-Kino vor der Basilika St. Clemens geben?

Die Reihe ist ja von vielen verschiedenen Partner*innen zusammen entwickelt worden: Caritas, Haus der Religionen, Familienbildungsstätte, Katholische Erwachsenenbildung, Hochschulgemeinde, Basilika und viele andere mehr. In unserer Auswertung haben wir natürlich darüber nachgedacht, im nächsten Jahr fortzusetzen. Wir hätten schon ein paar Ideen, was wir verändern oder neu probieren würden – beispielsweise ein Nachmittagsprogramm für Kinder. Aber da ist die Entscheidung noch nicht getroffen.

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news-30945 Thu, 30 Jun 2022 16:38:12 +0200 Open-Air-Kino: Auftakt ist gemacht https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/open-air-kino-auftakt-ist-gemacht-30945/ Sommerabend, kühle Getränke, arabische Speisen – und ein guter Film: Das ist "Pictures about us", Open-Air-Kino vor der Basilika St. Clemens mitten in Hannover. Gut 70 Zuschauer*innen haben sich zum Auftakt vom "Pictures about uns" vor der Basilika St. Clemens eingefunden. Mit Klappstuhl oder Decke, um sie auf den Stufen vor den Portal des Gotteshauses auszubreiten. Wer nichts dabei hatte, konnte sich einen Klappstuhl gegen Pfand ausleihen.

Der Abend lauschig, die Getränke kalt, der Ofen im Imbisswagen für arabische Speise befeuert – der richtige Rahmen für einen Open-Air-Kinoabend. Aber genauso wichtig: ein guter Film. Über die große Monitorwand flimmert „Wunder“, ein us-amerikanischer Streifen aus dem Jahr 2017. Mit Julia Roberts und Owen Wilson prominent besetzt, in der Regie von Stephen Chbosky.

Im Mittelpunkt des Films steht aber ein anderer Schauspieler: Jacob Tremblay, zum Zeitpunkt des Drehs 11 Jahre alt. Er spielt einen Grundschüler, der unter dem Treacher-Collins-Syndrom leidet – eine erbliche Erkrankung, die zu Gesichtsfehlbildungen führt. Kurz: Er sieht aus wie ein Freak. Und nun soll er wieder zur Schule gehen, sich den anderen Schüler*innen gewissermaßen ausliefern.

Die Story ist klassisch: Mit Humor und zähen Beharrungswillen setzt er sich schließlich durch, unterstützt von seinen Eltern und seiner Schwester. Es gibt den Fiesling, den Freund, der ihn verrät und mit dem er sich aussöhnt – und den weisen Schuldirektor. Was es aber nicht gibt: zu viele Klischees und falsche Rührseligkeit. Das macht den Film, der auf einem gleichnamigen Roman von Raquel J. Palacio basiert, zu einer Geschichte wie aus dem richtigen Leben.

Ausgewählt wurde der Film von Engagierten in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) und Bewohner*innen der Studierendenwohnheims Clemensburse, beide direkt am Platz an der Basilika ansässig. Und eben weil es eine Geschichte ist, aus der man viel für’s Leben kernen kann, hat sich der Film wohl in der Abstimmung durchgesetzt.

Für Thomas Harling, Kulturbeauftragter der Katholischen Kirche und Initiator, ein Beleg, dass die Idee „Pictures about uns“ trägt: „Auch welchen Film wir auswählen, zeigt ein Bild von uns, was für uns wichtig ist im Leben.“ Vor wenigen Wochen hatten Harling und weitere Mitstreiter*innen die Nachbarn rund um den Platz an der Basilika eingeladen, Filme für gemeinsame Open-Air-Kino-Abende auf dem Platz vor der Basilika auszuwählen.

Die Nachbarn des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, schräg gegenüber der Basilika, entscheiden sich für „BlacKkKlansman“, ein Filmdrama von Spike Lee, ie Besucher*innen des Tagestreffpunkts der Caritas Hannover für obdachlose Menschen für „Ziemlich beste Freunde“ (Frankreich 2011). Die Nachbar*innen aus der geschäftigen Goethestraße votierten für eine deutsche Komödie: „300 Worte Deutsch“. „Wir selbst als Katholische Kirche zeigen einen ukrainischen Film“, sagt Harling: Мої думки тихі (My thoughts are silent) aus dem Jahr 2019. "Er stellt eine besondere Einladung an die Geflüchteten dar und will darauf hinweisen, dass im Krieg auch die Kultur bedroht ist", betont Harling.

Vor allem aber geht es darum, wieder zusammenzukommen: „Als Nachbarinnen und Nachbarn, gerade nach der Corona-Pandemie“, sagt Harling. Der Auftakt ist gemacht.

  • Der Eintritt ist frei. Besucher*innen werden gebeten, wenn möglich einen Klappstuhl mitzubringen.
  • Die Filmreihe wird von der Dr. Buhmann Stiftung für interreligiöse Verständigung und „Gesellschaftsfonds Zusammenleben“ der Landeshauptstadt Hannover gefördert.
  • Veranstaltet wird „Pictures about us” von der Katholischen Kirche in der Region Hannover in Zusammenarbeit mit der Basilika St. Clemens, der Caritas Hannover, der Katholischen Familienbildungsstätte Hannover, dem Haus der Religionen, der Katholischen Erwachsenenbildung, der Katholischen Hochschulgemeinde und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Rüdiger Wala

Und hier sind Programm und Trailer

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news-30958 Thu, 30 Jun 2022 00:29:00 +0200 "Jugendwerkstätten sind wichtiger denn je" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/jugendwerkstaetten-sind-wichtiger-denn-je-30958/ Die Botschaft ist eindeutig und nicht zu überhören: „Die Zeit ist jetzt“, singen gut 150 junge Menschen, Pädagog*innen und Anleiter*innen aus den niedersächsischen Jugendwerkstätten. Die zweite Zeile des selbst getexteten Liedes, intoniert vor dem Niedersächsischen Landtag: „Die Jugendwerkstätten... Denn gerade junge Menschen zahlen einen hohen Preis für die Folgen der Corona-Pandemie. Das sagt Achim Stieve, Geschäftsführer der Caritas Jugendsozialarbeit Hannover (CJS). Die CJS trägt zwei Jugendwerkstätten in der Landeshauptstadt. Sie helfen jungen Menschen auf dem Berufsweg für Bürotätigkeiten, in der Informationstechnologie, in Holztechnik oder Hauswirtschaft.

Der Arbeitskreis der Jugendwerkstätten in Hannover und Unland verweist auf alarmierende Entwicklungen: Die Jugendarbeitslosigkeit ist nach den letzten vorliegenden Zahlen allein der Region Hannover um 38 Prozent angestiegen. Mehr noch: Junge Menschen bräuchten in der aktuellen Situation Unterstützung, um wieder Hoffnung und Aktivität entwickeln zu können. Sie benötigten auch Hilfe, um schulische Inhalte nachzuholen, sich zu orientieren und wieder in einen strukturierten Alltag zurückzufinden.

„Genau das macht Jugendwerkstätten so wichtig“, unterstreicht Stieve. Denn Jugendwerkstätten bieten jungen Menschen mit sozialen oder persönlich Schwierigkeiten nach der Schulzeit eine Orientierung für den Einstieg ins Erwachsenenleben an.

„Das wird auch von der Politik und von der Agentur für Arbeit anerkannt“, betont Stieve. Zudem unterstützt die Europäische Union die Jugendwerkstätten – mit Mitteln aus der Europäischen Sozialfonds (ESF). Zuletzt ist im März 2022 wieder eine Richtlinie zur Förderung der Jugendwerkstätten erlassen worden. Deren Frist: bis 2027.

Die Befristungen sind für Stieve ein eklatantes Problem: „Die Jugendwerkstätten kämpfen sich seit über 30 Jahren von Förderfrist zur Förderfrist.“ Sie gelten nach wie vor als zeitliches Projekt, obwohl sie sich schon lange im System der Fördermöglichkeiten für junge Menschen etabliert haben. „Wir brauchen endlich eine auskömmliche Finanzierung, die unabhängig von Förderperioden ist“, sagt Stieve: „Deshalb stehen wir hier vor dem Landtag, damit wir endlich Planungssicherheit bekommen." 

Die Idee der Jugendwerkstätten: ein runder Tisch mit Vertreter*innen der Landesregierung, kommunaler Spitzenverbände, der Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit, Wohlfahrtsverbänden und Praktiker*innen aus den Einrichtungen. „So könnte endlich direkt über eine neue Förderstruktur gesprochen werden, die unabhängig von den Förderperioden des ESF macht.“ Erste Reaktionen aus dem Sozialministerium zeigen eine große Sympathie für die Idee eines Runden Tisches. Doch bis dahin wird weiter gesungen und getrommelt: „Die Jugendwerkstätten sind wichtiger denn je.“

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news-30924 Tue, 28 Jun 2022 12:37:05 +0200 Sommerfest im Hospiz Luise https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/sommerfest-im-hospiz-luise-30924/ Akrobatik, loses Mundwerk und Musik: Das sind die Zutaten für das Sommerfest im Hospiz Luise am Samstag, 9. Juli in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. So schlägt in der Einrichtung der Hildesheimer Vinzentinerinnen beispielsweise von 12 bis 15 Uhr der Mitmachzirkus für Groß und Klein des Vereins "Circo" e.V. seine Zelte auf. Puppenspieler Werner Momsen snackt Platt ab 13 Uhr. Und das Hannover Jazz-Duo begleitet das Fest im Hospizgarten musikalisch.

Selbstverständlich gibt es Informationen und Begegnungen rund um Hospiz- und Trauerarbeit. Auf einem Basar werden Liebhaberstücke und Keramikkunst angeboten. In einem Malwettbewerb werden Sommerbilder von Grundschüler*innen ausgestellt und prämiert. Und für das leibliche Wohl wird mit Salaten, mediterranen Genüssen vom Grill sowie Kaffee, Kuchen und gekühlten Getränken gesorgt.

Das Sommerfest findet am Samstag, 9. Juli, von 11 bis 17 Uhr im Garten des Hospiz Luise, Brakestr. 2d, 30559 Hannover statt. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung wird unterstützt durch den Ladies Circle 27, den Lions Club Hannover sowie den Round Table 197.

Und noch eine Bitte: Wer das Sommerfest unterstützen möchte (zum Beispiel durch einen Kuchen oder ähnliches) kann sich dem Sekretariat im Hospiz Luise melden. Wahlweise per E-Mail: info(ät)hospiz-luise.de oder oder per Telefon: 0511 52487676

  • Das Hospiz Luise ist eine Einrichtung der Vinzentinerinnen Hildesheim. Es bietet schwerkranken und sterbenden Menschen sowohl eine stationäre Aufnahme in Hannover Kirchrode als auch eine Begleitung zuhause durch den Ambulanten Hospizdienst Luise sowie den Ambulanten Palliativdienst. Das Hospiz Luise ist auf Spenden angewiesen, um keinen Eigenanteil von Patientinnen und Patienten zu erheben, da die täglichen Hospizkosten nur zum Teil von Kranken- und Pflegekassen finanziert werden.

 

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news-30919 Mon, 27 Jun 2022 12:35:32 +0200 Weniger Katholik*innen in der Region Hannover https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/weniger-katholikinnen-in-der-region-hannover-30919/ Die Zahl der Katholik*innen in der Katholischen Kirche in der Region Hannover hat sich erneut spürbar verringert. Sie lag zum Ende des Jahres 2021 bei 137.607 Menschen. Das sind 3877 Mitglieder weniger als im Jahr zuvor. Dies geht aus der heute (27. Juni) veröffentlichten kirchlichen Statistik... Deutlich gestiegen ist die Zahl der Kirchenaustritte – von 2180 im Jahr 2020 auf nun 3192. Zwei Drittel davon entfallen auf die Landeshauptstadt Hannover. Leicht gestiegen ist auch die Anzahl der Beerdigungen, jetzt auf 1221 (2019: 1176). Die Eintritte und Wiederaufnahmen lagen bei 63 (2019: 43).

Die weiteren Zahlen: 588 Taufen wurde gefeiert (2020: 458), 636 Kinder gingen zur Erstkommunion (2020: 768), 437 junge Menschen empfingen im vergangenen Jahr das Sakrament der Firmung (2020: 329). Gestiegen ist die Zahl der Trauungen, von 40 auf 87. Allerdings fließen hier in die Statistik aus dem Jahr 2020 verschobene Hochzeiten ein.

Weiterhin gesunken ist Quote der Gottesdienstteilnehmenden in der Katholischen Kirche in der Region Hannover: 2,8 Prozent der Katholik*innen Hannovers haben im statistischen Durchschnitt 2021 die Heilige Messe gefeiert (2020: 4,2 Prozent). Zum einen aber wurden an den beiden Zählsonntagen (im Februar und im November) die Gottesdienste noch strengen Corona-Auflagen gefeiert. Zum anderen fließen in diese Regionalstatistik die Gottesdienst-Teilnehmenden der in Hannover beheimateten vier Missionen für Katholik*innen anderer Muttersprache nicht mit ein.

Zu den statistischen Daten des vergangenen Jahres sagt Propst Christian Wirz, Regionaldechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover:

Nach wie vor verlässt eine große Anzahl von Menschen unsere Kirche. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist sicher, dass wir viel Glaubwürdigkeit verloren haben. Auch im Bistum Hildesheim haben kirchliche Verantwortungsträger Schuld auf sich geladen. Betroffenen von sexualisierter Gewalt wurde nicht geglaubt, und Täter wurden geschützt. In Hannover und im gesamten Bistum Hildesheim arbeiten wir diese Skandale von Jahrzehnte konsequent auf und investieren viel in präventive Arbeit gegen sexualisierte Gewalt. Das werden wir fortsetzen.

Es verlassen uns aber auch Menschen, die sich viele Jahre für unsere Kirche eingesetzt haben und sich heute nicht mehr mit ihr identifizieren können. Sie hoffen auf Reformen und haben Zweifel, ob der Synodale Weg der Katholischen Kirche in Deutschland diese Reformen mit sich bringt. Ich fürchte, wir stehen da erst am Anfang einer schweren Zerreißprobe.

Ebenso wichtig erscheint mir aber ein zweiter Grund: Wir erleben eine neue Phase der Säkularisierung. Der christliche Glaube selbst hat für viele Menschen keine Alltagsplausibilität mehr, erst recht nicht in seiner kirchlichen Praxis. Der Druck gesellschaftlicher Konventionen hat sich weitgehend aufgelöst. Das ist gut. Aber zugleich ist es nicht verwunderlich, dass damit auch die Bindung an die Kirche massiv nachlässt.

Die Frage, wie wir die Inhalte unseres Glaubens auch für moderne Menschen wieder attraktiv machen können, ist meines Erachtens der Schlüssel zum Überleben der Kirche. Wir müssen deutlich machen, warum es hilfreich und schön ist, zu glauben und aus dem Glauben zu leben. Dazu gehört auch, sich einzusetzen für Menschen, denen es nicht gut geht. Dazu gehört, Begleitung und Unterstützung an den Wendepunkten des Lebens, die existenzielle Bedeutung haben, zu geben und zu finden. Eine große Anzahl von Ehren- und Hauptamtlichen engagiert sich auch in der Region Hannover für Kinder und Jugendliche, für ratsuchende, kranke, beeinträchtigte und alte Menschen, für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie wirken auch für ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft, weil sie an Jesus Christus glauben. Dafür bin ich dankbar.

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news-30871 Fri, 17 Jun 2022 01:10:00 +0200 "Hoffnung im Horror" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/hoffnung-im-horror-30871/ Nach fast drei Jahren Pause haben sich über 800 Katholik*innen in Hannover zu einem Freiluft-Gottesdienst vor der Basilika St. Clemens versammelt. Die Prozession führt zu zwei markanten Stellen im Stadtteil. „Endlich“: In zweierlei Hinsicht machte dieses kleine Wort die Runde bei der zentralen Fronleichnamsfeier mitten in Hannover. Endlich, weil nach fast drei Jahren wieder zu einem Freiluft-Gottesdienst eingeladen wurde – mit Prozession. Mit Weihrauch und Banner, mit Kommunionkindern und Malteserritter, mit Katholik*innen aus aller Herren Länder, mit Baldachin und dem Allerheiligsten in der Monstranz. Endlich wieder: So geht Glauben. Auf der Straße. Sichtbar auf dem Platz und durch die Prozession, hörbar durch Schellen, Gesang, Gebete, dem Posaunenchor und der Schola des Propsteichor St. Clemens unter Leitung von Regionalkantor Francesco Bernasconi.

Die andere Hinsicht: „Endlich“ – am Ende der Prozession. Ein nicht wenig gehörter Stoßseufzer. Denn fast drei Stunden für Gottesdienst und Prozession ist rekordverdächtig. „Wir haben etwas überzogen“, gibt dann auch Propst und Regionaldechant Christian Wirz zu. Für ihn aber trotzdem ein Zeichen für „den Hunger nach Leben“ – nach Feiern, nach Normalität, nach Zusammenkommen.

Aber: Die Zeiten sind nicht normal. Nicht nur wegen der Nachwirkungen der Corona-Pandemie: „Der Teufel des Krieges zeigt uns wieder seine hässliche Fratze in der Ukraine“, predigt Wirz. Doch es gibt die christliche Hoffnung auf Frieden: Wir haben hier einen unter uns, lebendig, präsent, der im Horror des Kreuzes unterging – und auferstanden ist.“ Hoffnung im Horror.

Diese Hoffnung stiftet Solidarität: Die Kollekte, die sich auf knapp über 3800 Euro summiert, geht zur Hälfte an die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde St. Wolodymyr in Hannover-Misburg und deren Partnerorganisationen in der Ukraine. Besonders werden zurzeit bei den ukrainischen Partnern Fahrzeuge benötigt, die gehbehinderte Menschen befördern können, Krankenwagen oder einen LKW, der bei der Hilfsgüterverteilung innerhalb der Ukraine eingesetzt werden kann. Mit 1400 Euro wird dieses Vorhaben unterstützt. Die andere Hälfte dient zur Deckung der Kosten der Fronleichnamsfeier.

Im Anschluss führt eine Prozession durch die Calenberger Neustadt. Sie wird an zwei eigens aufgebauten und gestalteten Freiluftaltären Halt machen – einmal an der Neustädter Hof- und Stadtkirche und einmal im Innenhof der Feuerwehrwache in der Feuerwehrstraße, in der zurzeit Flüchtlinge untergebracht sind. Der erste Altar ist von der Polnischen Katholischen Mission gestaltet. Groß ist der barmherzige Jesus zu sehen, das Gnadenbild der Kongregation der Schwestern der Muttergottes der Barmherzigkeit. Es folgt der Darstellung, wie Jesus Christus am 22. Februar 1931 der Schwester Faustina Kowalska in der Klosterzelle der Kongregation im polnischen Płock erschienen ist. Die Strahlen aus seiner Brust stehen für seine Hingabe zu den Menschen. Der Leiter der polnischen Mission, Pfarrer Tadeusz Kluba, erinnert in einem kurzen Impuls daran, welche Quelle Barmherzigkeit hat: das Vertrauen auf Jesus. Hoffnung, auch im Horror.

Auch beim zweiten Altar fällt der Blick auf ein Bild – eines, das noch im Werden ist. Es ist eine Fassadenmalerei, die die bisher schmucklose zweistöckige Außenfläche des Treppenaufgangs im Pfarrzentrum St. Godehard im Stadtteil Linden zieren wird. Es zeigt von Kirchenfenstern inspirierte Darstellung aus dem Leben des Patrons der Gemeinde. Verbunden mit vier weiteren Graffitis am Pfarrbüro stehen diese Malereien für den leitenden Pfarrer von St. Godehard, Wolfgang Semmet, für eine Gemeinde, die sich nach außen öffnet und Farbe bekennt. In ihrer Verschiedenheit von Nationen und Kulturen, aber in ihrer Gemeinsamkeit im Glauben. Bilder der Hoffnung.

  • Mitwirkende Missionen und Kirchengemeinden: Spanischsprachige Katholische Mission | Polnische Katholische Mission | Italienische Katholische Mission | Ukrainische griechisch-katholische Gemeinde St. Wolodymyr (Misburg) | St. Augustinus (Ricklingen) mit St. Johannes Bosco und St. Maria | St. Bernward (Döhren) mit St. Michael und St. Eugenius | St. Godehard (Linden) mit St. Benno, St. Maria Trost und Christ-König | St. Heinrich (Südstadt) mit St. Elisabeth und der Propstei St. Clemens | St. Joseph (Vahrenwald/List) | St. Maria (Hannover-Nord) mit St. Hedwig, St. Adalbert und St. Christophorus | St. Maximilian-Kolbe (Mühlenberg) mit Hl. Familie und St. Thomas Morus | Zu den heiligen Engeln (Kirchrode)
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news-30827 Mon, 13 Jun 2022 17:46:51 +0200 Und der Papst war auch schon da … https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/und-der-papst-war-auch-schon-da-30827/ Meile der Kirchen und Religionsgemeinschaften beim Tag der Niedersachsen in Hannover. Ökumenischer Hoffnungsgottesdienst dem mit den Bischöfen Ralf Meister und Heiner Wilmer. Da steht er. In Lebensgröße. Der Papst. Wenn auch nur in Pappe. Durchaus ein Blickfang am Stand der Katholischen Kirche in der Region Hannover – und ein begehrtes Fotoobjekt für Selfies. Übrigens wie die aus dem Wallfahrtsort Kloster Oelinghausen im Sauerland stammende Herzbank. 1,20 Meter breit, genug Platz für zwei Personen oder Familien, gekrönt von einem fast zwei Meter hohem „halben“ Herz. Auch hier können die Mitarbeiter*innen des Standes, darunter mehrere junge Leute aus dem katholischen Jugendzentrum Tabor in Hannover, kaum nach Fotos mit Passant*innen zu machen, die sich kurz auf der Herzbank Platz nehmen. „Eine schöne Idee“, heißt es immer wieder und Bilder werden gleich an Verwandte und Freud*innen weitergeschickt.

Auch am Glücksrad gibt es zuweilen kurze Wartezeiten. Nach zweieinhalb Tagen, kurz vor Ende des dreitägigen Landesfestes sind dann auch die kleinen Gummibären-Tüten – auch wenn es sich um Pilgerschuhe zum Godehardjahr handelt – vergriffen. Sie wurden mit Informationen über das Tabor, Angebote der Katholischen Kirche in der Region, einem Reisesegen und weiteren Mitgeb-Artikeln wie Stifte, Schreibblöcke und Taschen verlost.

Gleich daneben lädt der [ka:punkt] interessierte Paar sich auf eine Art Waage zu stellen. Nicht zum Gewicht messen, sondern um sich in Balance zu bringen. Feinfühlig muss das gegenseitige Gewicht austariert werden, damit die kleine Wippe ausgewogen steht. Kein leichtes Unterfangen. Nicht nur Paare und Eltern mit Kindern nutzen diese Möglichkeit. Auch Ministerpräsident Stephan Weil und der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer testen, ob sie harmonisieren. Recht schnell finden sie ihre Balance und nutzen in Anschluss gemeinsam die Herzbank – ebenfalls mit Foto dieses besonderen Momentes im Verhältnis von Staat und Kirche. Übrigens: Auch Kultusminister Grant Hendrik Tonne, vom Ressort her zuständig für Kirchen und Religionsgemeinschaften, und der evangelische Landesbischof Thomas Adomeit brachten sich in Balance. Aus Oldenburg, zurzeit Vorsitzender Konföderation der evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen haben sich in Balance bringen lassen.

Balance zwischen Ministerpräsident und Bischof

Erstmals ist es keine reine Kirchenmeile auf dem Tag der Niedersachsen, sondern Christ*innen, Jüd*innen, Muslim*innen und Ezid*innen gestalten zusammen „Haus der Religionen“ zwischen Maschpark und Landesmuseum ein gemeinsames Programm. Das Leitmotiv: „Mehr Himmel auf Erden“. Deutlich sichtbar auf einem „Kaltluftballon“ (damit er nicht abhebt) im Zentrum der Meile. Dort spielen unter anderem Ezid*innen auf ihren traditionellen Instrumenten, erklingen Posaunen und Kirchenlieder, die die Propsteichor St. Clemens bei einem kurzen Auftritt am Sonntagmittag singt. Bei gemeinsamen Ständen informieren der Caritasverband Hannover und die Diakonie spielerisch vor allem über ihre Angebote für junge Menschen. Bei der Katholischen und Evangelischen Familienbildungsstätte können kleine Kinder Schätze beim Sieben im Spielsand finden oder mit ihren Eltern in einer ruhigen Ecke Bilderbücher anschauen.

Gut 500 000 Menschen besuchen drei Tage lang das Landesfest, mit dem auch nachträglich der 75. Geburtstag Niedersachsens gefeiert wird. 250 Aussteller*innen gestalten insgesamt neun Themenmeilen – darunter auch die „Blaulichtmeile“, bei der unter anderem Fahrzeuge des Malteser-Hilfsdiensts betrachtet werden können. Einschließlich der Fahrrad-Rikschas, mit denen die Malteser Senior*innen zu Ausflugstoren einladen, selbst wenn sie die nicht mehr ohne Hilfe am Leben in der Stadt teilnehmen können. Beim traditionellen Umzug am Sonntagsnachmittag sind 80 Volkstanz-, Trachten- und Vereinsgruppen beteiligt.

„We are the world, we are the children!“

Zuvor setzt am Sonntagvormittag ein ökumenischer Gottesdienst ein besonders Zeichen. : Sein Leitgedanke: „We are the world, we are the children!“. Die Bischöfe Ralf Meister und Heiner Wilmer gestalten ihn zusammen mit Schüler*innen der evangelischen IGS Wunstorf und dem Andreanum aus Hildesheim sowie der katholischen St. Ursula Schule aus Hannover. Beim Gottesdienst berichteten beispielsweise Anna und Leon aus der St. Ursula Schule, wie mit den Ängsten gerade der jüngeren Mitschüler*innen umgegangen wurde, unter anderem durch Gespräche und Gebete in der schuleigenen Kapelle, aber auch durch das Basteln von Friedenstauben. Aber auch für die ukrainische griechisch-katholische Kirche St. Wolodymyr in Hannover-Misburg wurden Hilfsgüter gesammelt und so Transporte unterstützt.

Von einer ähnlichen Ohnmacht in der Schule erzählen auch Piet und Lina von Andreanum. Doch zudem sollte Flagge gezeigt werden: durch eine große gelb-blaue Ukraine-Fahne auf dem Schuldach und einem Spendenlauf. Tim und Finn (IGS Wunstorf) verweisen auf die moralische Verpflichtung zur Hilfe – durch Spendenaktionen und Friedensdemonstrationen. Dabei dürfen aber Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien nicht vergessen werden. Musikalisch wird der Gottesdienst von der Bläsergruppe der IGS Wunstorf und dem Mittelstufenchor der St. Ursula Schule gestaltet.

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news-30797 Thu, 09 Jun 2022 14:57:34 +0200 Wieder zentrale Fronleichnamsfeier in Hannover https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/wieder-zentrale-fronleichnamsfeier-in-hannover-30797/ Bunt, vielfältig – und gläubig: Es ist schon ein ungewöhnliches Bild, das die Katholikinnen und Katholiken zu Fronleichnam zeigen. Eine Prozession mitten in der Stadt. Mit Liedern und Gebeten in unterschiedlichen Sprachen, aus verschiedenen Kulturen. Weltkirche hautnah. Nach fast drei Jahren Corona-geschuldeter Pause werden sich die Katholikinnen und Katholiken in Hannover am Hochfest Fronleichnam wieder am Donnerstag, 16. Juni, gemeinsam in der Innenstadt versammeln. Zum Auftakt wird um 18:30 Uhr ein Freiluftgottesdienst vor der Basilika St. Clemens gefeiert (Platz an der Basilika 1). Es predigt Propst und Regionaldechant Dr. Christian Wirz, für den es die erste zentrale Fronleichnamsfeier in der Hannover ist.

Musikalisch wird der Gottesdienst von einem Bläserensemble unter Leitung von Peter Erben, einer Schola aus Sänger*innen des Propsteichores St. Clemens unter Leitung von Regionalkantor Francesco Bernasconi sowie Mitgliedern der Spanischsprachigen Katholischen Mission und der Polnischen Katholischen Mission gestaltet. Die Gebete, Lesungen und Gesänge werden in unterschiedlichen Muttersprachen gebetet, vorgetragen und gesungen.

Die Kollekte geht zur Hälfte an die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde St. Wolodymyr in Hannover Misburg und deren Partnerorganisationen in der Ukraine. Besonders werden zurzeit bei den ukrainischen Partnern Fahrzeuge benötigt, die gehbehinderte Menschen befördern können, Krankenwagen oder einen LKW, der bei der Hilfsgüterverteilung innerhalb der Ukraine eingesetzt werden kann. Mit der Kollekte soll dieses Vorhaben unterstützt werden.

Im Anschluss führt eine Prozession durch die Calenberger Neustadt. Sie wird an zwei eigens aufgebauten und gestalteten Freiluftaltären Halt machen – einmal an der Neustädter Hof- und Stadtkirche und einmal im Innenhof der Feuerwehrwache in der Feuerwehrstraße, in der zurzeit Flüchtlinge untergebracht sind.

Mitwirkende Missionen und Kirchengemeinden:

  • Spanischsprachige Katholische Mission Hannover
  • Polnische Katholische Mission Hannover
  • Italienische Katholische Mission Hannover
  • St. Augustinus (Ricklingen) mit St. Johannes Bosco und St. Maria
  • St. Bernward (Döhren) mit St. Michael und St. Eugenius
  • St. Godehard (Linden) mit St. Benno, St. Maria Trost und Christ-König
  • St. Heinrich (Südstadt) mit St. Elisabeth und der Propstei St. Clemens
  • St. Joseph (Vahrenwald/List)
  • St. Maria (Hannover-Nord) mit St. Hedwig, St. Adalbert und St. Christophorus
  • St. Maximilian-Kolbe (Mühlenberg) mit Hl. Familie und St. Thomas Morus
  • Zu den heiligen Engeln (Kirchrode)

Der zentrale Gottesdienst wird auf dem YouTube-Kanal der Katholischen Kirche in der Region Hannover übertragen.

Zum Hintergrund: Seit dem Mittelalter wird Fronleichnam in aller Welt gefeiert. Der Name Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „vron“ was den Herrn betrifft, „lichnam“ Leib. Der Leib Christi wird an diesem Tag in Gestalt einer Hostie in einer Monstranz, einem Zeigegerät, durch die Straßen getragen. Das Fronleichnamsfest wird 60 Tage nach Ostern gefeiert, immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Der Donnerstag als Festtermin knüpft an den eigentlichen Gedenktag des letzten Abendmahles, dem Gründonnerstag, an. Fronleichnam als Verehrung der leiblichen Gegenwart Christi geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich, einer Augustinerchorfrau, im Jahre 1209 zurück. 1264 wurde Fronleichnam von Papst Urban IV. zum Fest der Gesamtkirche erhoben.

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news-30735 Mon, 30 May 2022 00:08:00 +0200 Gottesdienste zu Pfingsten https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/gottesdienste-zu-pfingsten-30735/ Pfingsten bedeutet erst einmal nichts weiter "der Fünfzigste" - und meint damit den 50. Tag nach der Auferstehung Jesu. Weil an diesem Tag Entscheidendes passierte, gilt Pfingsten im übertragenen Sinne als Geburtstag der Kirche. Das wird gefeiert: In der Kirche, unter freiem Himmel und im... Ein Blick in die Bibel, genauer in die Apostelgeschichte: Nach seiner Auferstung zu Ostern ist Jesus vierzig Tage lang den Jünger*innen erschienen. Dann erhob er sich in den Himmel, kehrte zum Vater zurück – das wird mit dem Fest Christ Himmelfahrt gefeiert. Die zurückbleibenden Apostel versammeln sich in Jerusalem und "verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern" (Apg 1,14). Eher veränstig und wankelmütig sind sie. Doch neun Tage später fährt mitten hinein in dieses Dunkel der Heilige Geist: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt." (Apg 2,2+4).

Jesus selbst hatte dieses Ereignis angekündigt: Doch was es mit dem Kommen dieses geheimnisvollen Heiligen Geistes auf sich hat, blieb im Unklaren. Das Wort, das Jesus im Aramäischen für den Heiligen Geist benutzt, bedeutet eher Atmung, heilige Hauchung. Eine Kraft, eine Energiue, die von Gott kommt um Menschen erfüllt. Darum nennt man Pfingsten auch den Geburtstag der Kirche. Denn das Geist-Erlebnis war der entscheidende Startschuss das Christentum.

Seit dem Pfingsttag wächst die Gemeinschaft der Menschen, die an Jesus Christus glauben. Aus dem kleinen Kreis der Apostel und Jünger*innen wurde eine weltumspannende Gemeinschaft – wenn auch mit vielen Irrungen, Wirrungen und verhängnisvollen Taten, wie die Kirchengeschichte zeigt. Aber auch mit Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

  • EIne Auflistung der Gottesdienste finden Sie als Dokument auf dieser Seite

Mehrere Gemeinde übertragen ihre Gottesdieste auch live im Internet. Hier eine Auswahl:

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news-30551 Thu, 12 May 2022 19:38:00 +0200 Gezelt in Farbenpracht https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/gezelt-in-farbenpracht-30551/ Sie breitet den Mantel in der Unterkirche der Basilika St. Clemens aus: die Schutzmantelmadonna. In den vergangenen Wochen wurde sie restauriert. Kirchenlieder lassen den Glauben anschaulich werden: „Maria, breit den Mantel aus, / mach Schirm und Schild für uns daraus.“ Es waren dunkle Zeiten, als der Schriftsteller Georg Thurmair und der Komponist Adolf Lohmann das ursprünglich aus dem Barock stammende Kirchenlied neu editierten: 1934 hatten die Nazis die Macht übernommen und bauten ihre Schreckensherrschaft auf. Noch heute findet sich diese Fassung unter der Nummer 534 (alt: 595) im Gotteslob.

Auch in der Krypta, der Unterkirche der Basilika St. Clemens, breitet die Gottesmutter ihren Mantel aus. 1954 wurde die Figur vom Katholischen Kaufmannsverein Hannover gestiftet. Die Weltkirche feierte das Marianische Jahr, ausgerufen von Papst Pius XII., um die außerordentliche Heiligkeit der Gottesmutter hervorzuheben. Gefertigt wurde die Figur durch den Bildhauer Hubert Hartmann. Den Blick nach unten gerichtet, ein helles Gewand, die Hände ausgebreitet, den Saum des mit einem blauen, goldgefütterten Mantels ergreifend – so kommt Maria „uns zu Hilf in allem Streit / verjag die Feind all von uns weit.“

Jetzt aber erstrahlt die Gottesmutter in der Krypta im neuen Glanz. In den vergangenen Wochen wurde sie vom Hannoverschen Restaurator Martin Merkert gereinigt. Risse und Fugen wurden ausgespänt und verleimt, der Mantel wurde neu vergoldet. Kleine Fehlstellen an der Figur wurden retuschiert. So ist der Mantel nicht nur weit und breit, sondern farbenprächtig bedeckt er die „ganze Christenheit, er deckt die weite, weite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt“.

Nach der Öffnung der Krypta im Mai können Beter*innen wieder für der Schutzmantelmadonna Kerzen entzünden, ihr ihre Ängste und Hoffnungen anvertrauen – „zu jeder Zeit in aller Gfahr“. Denn die Zeiten sind wieder dunkel.

  • Einen Teil der Kosten hat der Kirchbau- und Förderverein Propsteikirche St. Clemens übernommen. Falls Ihnen eine Spende möglich ist, kann sie auf dieses Konto überwiesen werden: Darlehnskasse Münster IBAN DE73 4006 0265 0037 0327 01 Stichwort: Schutzmantelmadonna 
  • Oder werden Sie Mitglied im Kirchbauverein. Informationen im Propsteibüro unter 0511/1640530 oder unter www.foerderverein-basilika-st-clemens.de
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news-30573 Wed, 11 May 2022 12:57:00 +0200 Queer? Weiß? Oder was? https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/queer-weiss-oder-was-30573/ Katholisch und queer – gibt's das? Ja, sagt Mara Klein. Schon immer. Eine andere Frage: Wie ist Jesus weiß geworden? Das fragt sich Sarah Vecera. Beide Autor*innen werden über ihre Fragen im [ka:punkt] lesen und diskutieren – am 3. Juni und 1. Juli. Katholisch und quer – gibt's das? Am 1. Dezember 2021 veröffentlichte Mara Klein zusammen mit Mirjam Gräve und Hendrik Johannemann das Buch „KATHOLISCH UND QUEER“. Dabei wird deutlich: queere Menschen, queere Theologie und queerer Widerstand waren und sind schon immer da in Kirche. Im Buch sind Lebens- und Glaubensgeschichten gesammelt – von lesbischen Kirchenangestellten, transidenten Müttern, schwulen Priestern, intergeschlechtlichen Lai*innen und vielen anderen. Dazu stellen die Autor*innen die Perspektive von Menschen aus dem persönlichen Umfeld queerer Menschen und von Verantwortungsträger*innen in der katholischen Kirche.

Mara Klein studiert in Halle (Saale) unter anderem katholische Theologie, ist trans und non-binär und vertritt die Generation "U30" beim Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, dem Synodalen Weg. Mara Klein ist damit die einzige diverse Person unter 70 Frauen und 159 Männern.

Am 3. Juni um 19 Uhr wird Mara Klein Auszüge lesen und sich mit den Zuhörenden austauschen. Dabei sollen auch Fragen aufgeworfen werden, die die Situation vor der eigenen Haustür betrachten: Wie queerfreundlich ist der [ka:punkt], die Katholische Kirche in der Region Hannover, das Bistum Hildesheim? Wie ist der Umgang mit eigenen Privilegien und kann solidarisch gehandelt werden? Wo gibt es sichere Orte für queere Christ*innen?

Die zweite Frage: Wie ist Jesus weiß geworden? Offenkundig ist er im Nahen Osten geboren. Für Sarah Vecera steckt mehr hinter dieser Frage: "Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus". Sarah Vecera ist Theologin, Autorin und stellvertretende Leiterin der Abteilung Deutschland der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und aufgrund ihrer Hautfarbe ihr ganzes Leben mit Rassismus konfrontiert. Sie will mit ihrem Buch auf rassistische Strukturen in den Kirchen aufmerksam und erklären, wie jede*r dagegen tun kann.

Es geht ihr um eine Ermutigung: Im christlichen Glaubens eine Kirche gestalten, in der sich jede*r willkommen und angenommen fühlt. Denn von Anfang an war die Kirche für alle Menschen gedacht.

Am 1. Juli um 18:30 Uhr wird Sarah Vecera Auszüge lesen und sich mit den Zuhörenden austauschen. Wieder geht es auch um Fragen, die nahe am eigenen Glaubensleben sind: Wo sind rassistische Strukturen offen sichtbar oder wo verstecken sie sich im Hintergrund? Wie können sie überwunden werden? 

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news-30469 Fri, 06 May 2022 19:35:37 +0200 "Es werde Frieden" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/es-werde-frieden-30469/ Zu einem Benefizorgelkonzert mit Dariia Lytvishko aus der Ukraine und Olga Zhukova aus Russland lädt die Katholische Kirche in der Region Hannover für Freitag, 13. Mai, in die Basilika St. Clemens ein. Beginn ist um 19:30 Uhr. Die Musikerinnen wollen mit ihrem Konzert ein Zeichen für den Frieden setzen und Spenden für Geflüchtete aus der Ukraine sammeln. Die Ukrainerin Dariia Lytvishko und die Russin Olga Zhukova gestalten das Programm bewusst gemeinsam. „Wir leiden beide unter dem Krieg“, betont Dariia Lytvishko: „Mein Papa ist in der Ukraine, daher versuche ich einfach alles, was ich kann, um mit den mir verfügbaren Mitteln zu helfen.“

Olga Zhukova will sich gerade als Russin für die Ukraine einsetzen: „Das ist ein wichtiges Signal nach außen.“ Die beiden Organistinnen haben in den letzten Wochen sechs Benefizkonzerte gegeben und dabei 8000 Euro gesammelt. Leitgedanke der Konzerte: „Es werde Frieden“.

Die 26-jährige Dariia Lytvishko hat in ihrem Heimatland Ukraine ihre Klavierausbildung abgeschlossen. Im Jahr 2014 begann sie an der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten in Nordrhein-Westphalen zu studieren und befindet sich derzeit im Masterstudium. Außerdem ist sie als Kirchenmusikerin an zwei Kirchengemeinden in Herford tätig – an Emmaus und St. Marien.

Die Konzertorganistin und Preisträgerin mehrerer internationaler Preise, Olga Zhukova, hat in St. Petersburg und Lausanne Orgel studiert. Seit 2020 ist sie Kirchenmusikerin in der Kirchengemeinde Schönkirchen und studiert ebenfalls Kirchenmusik in Herford.

In der Basilika St. Clemens werden die beiden Organistinnen unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn und Paul Hindemith spielen. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zur Hilfe für ukrainische Flüchtlinge wird gebeten.

  • Benefizorgelkonzert mit Dariia Lytvishko aus der Ukraine und Olga Zhukova aus Russland am Freitag, 13. Mai, in der Basilika St. Clemens. Beginn ist um 19:30 Uhr (Platz an der Basilika 2, 30169 Hannover)
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news-30589 Fri, 06 May 2022 13:41:00 +0200 „Die Partnerschaft ist eine große Bereicherung“ https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/die-partnerschaft-ist-eine-grosse-bereicherung-30589/ Wie ist die Situation in Bolivien, dem Partnerschaftsland des Bistums Hildesheim? Welche Akzente sollen in der Zusammenarbeit gesetzt werden? Darüber sprachen der neue Vorsitzende der bolivianischen Bischofskonferenz, Aurelio Pesoa, und die neue Vorsitzende der Bolivienkommission des Bistums,... Seit November 2021 ist Aurelio Pesoa Vorsitzender der Bolivianischen Bischofskonferenz. Geboren wurde er 1962 in Concepción, einer ehemaligen Missionsstation der Jesuiten im tropischen Tiefland von Bolivien. Dort lernte er die Arbeit des Franziskanerordens kennen, dem er im Alter von 21 Jahren beitrat. Nach seinem Theologiestudium in Cochabamba und der Priesterweihe ging es zum Aufbaustudium nach Rom. Zurück in Bolivien war Pesoa dann als Dozent für Dogmatik, aber auch in der Gemeindepastoral und am kirchlichen Gerichtshof von Santa Cruz tätig. 2014 wurde er zum Weihbischof von La Paz ernannt. Bereits ein Jahr später führte er als Generalsekretär die Geschäfte der bolivianischen Bischofskonferenz. In dieser Funktion war er als Vermittler tätig, als es bei den Präsidentschaftswahlen im November 2019 nach Betrugsvorwürfen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Anhänger*innen des ins Exil geflüchteten Präsidenten Evo Morales und bewaffneten Schlägertrupps der Opposition kam. Das sagt Pesoa:

  • Zur politischen Situation in Bolivien

Pesona: Mit den Wahlen im Jahr 2005 verbanden viele Menschen in Bolivien große Hoffnung auf einen „cambio“, auf den Wechsel. Die Partei Movimiento al Socialismo (Bewegung zum Sozialismus) hatte die Wahl gewonnen und diesen grundsätzlichen Wandel in der Politik versprochen. Datuf haben auch nicht MAS-Wählerinnen und Wähler gesetzt. Doch der Wechsel kam nicht. Zwar wurden die Staateinnahmen durch die Besteuerung von Konzernen erhöht. Das waren gute Momente. Doch es wurde die Gelegenheit verpasst, dieses Geld nachhaltig zu investieren. Derzeit gibt es eine große Unsicherheit: Man sieht den aktuellen Präsidenten Luis Arce kaum, obwohl er Wirtschaftsminister unter Morales war.

  • Zum Verhältnis von Kirche und Staat in Bolivien

Pesoa: Wir hatten die Hoffnung, dass sich Beziehung zwischen Kirche und Staat entspannen, vielleicht sogar verbessern würde – vor allem in Folge des Besuches von Papst Franziskus in Bolivien im Jahr 2015. Dauerhaft bemühen wir uns um einen Kanal zur Regierung, um Anliegen zu besprechen, die nicht nur die Kirche, sondern auch das gesamte bolivianische Volk betreffen. Die neue MAS-Regierung hat Kommunikationskanal versprochen. Schauen wir, was kommen wird. Es geht uns dabei nicht um isoliert Einzelaktionen, sondern um die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Regierung. Das betrifft beispielsweise Fragen der Ökologie, der Bewahrung der Schöpfung. Wir sehen mit Sorge Bestrebungen, aus wirtschaftlichen Gründen, die Rodung von Amazonasgebieten voranzutreiben. 75 Prozent der Bolivianer sind katholisch. Als Kirche hätten wir großen Einfluss, um gemeinsam mit der Regierung konzertierte Aktionen durchzuführen.

  • Zur sozialen und wirtschaftlichen Situation

Pesoa: Auf dem Papier sehen die Zahlen, die Regierung liefert, sehr positiv aus. In der Realität aber Arbeitsplätze, vor allem für Jugendliche. Das betrifft auch gut ausgebildete junge Leute. Vor allem in den Städten sieht man, dass Menschen ihr Eigentum, ihre Immobilien verkaufen. Das ist ein ernstes Zeichen für eine ökonomische Krise mit großen sozialen Folgen. Zur Corona-Pandemie in Bolivien Die Pandemie hat tiefes Erschrecken in Bevölkerung ausgelöst. Gerade in der ersten Phase des Lockdowns, ab März 2020, haben sich viele Leute verschulden müssen. Nur so konnten sie Medikamente oder eine Krankenhausbehandlung bezahlen. Zeitweise fehlte medizinischer Sauerstoff. Derzeit gibt es nur ganz wenige Erkrankungen. Doch wir sehen, dass das Gesundheitssystem immer noch schwach, zum Beispiel am Mangel an Betten für Intensiv-Therapie.

Zusammen mit Pesoa steht Katharina Bode vor der Kamera. Die 30-jährige Grundschullehrerin ist im April zur neuen Vorsitzenden der Bolivienkommission des Bistums gewählt worden. Sie hat die Nachfolge von Bettina Stümpel angetreten, die nach zwei Amtsperioden satzungsgemäß aus der Kommission ausgeschieden ist. Katharina Bode war selbst 2010/11 Freiwillige in Bolivien. Sie war in einem Kindergarten eines Frauenordens in der Hauptstadt Sucre tätig. 2019 wurde sie in die Bolivienkommission berufen.

Katharina Bode und Aurelio Pesoa sagen:

  • Zur Bedeutung der Partnerschaft

Aurelio Pesoa: Der Austausch zwischen Nationalitäten, zwischen Kulturen ist eine gegenseitige Bereicherung. Vor allem hilft es, die eigene Realität aus einem aus anderem Blickwinkel. Die Partnerschaft ist eine große Unterstützung, die soziale und gesellschaftliche Wirklichkeit Boliviens über das eigene Land hinaus bekannt zu machen. Zudem ist sie Ausdruck dessen, was die Kirche Synodalität nennt: gegenseitiges Zuhören; miteinander auf dem Weg sein; Austausch und Kommunikation.

Katharina Bode: Die Partnerschaft hat eine lange Geschichte. Mit dem Bistum Hildesheim währt sie 35, mit dem Bistum Trier sogar über 60 Jahre. Es ist ein Netz, an dem viele Menschen teilhaben, das konkrete Anknüpfungspunkte für Partnerschaft auf Augenhöhe bietet. Meine Hoffnung, dass dieses Netz wächst, vor allem durch die gegenseitige Teilnahme am Leben der anderen. Es gibt für mich einen besonders großen Wert der Partnerschaft. Das ist Verantwortung. Ich möchte es so beschreiben: Ich fühle mich verantwortlich, weil ich das Leben und Schicksal anderer Menschen kenne. Wenn ich etwas nicht kenne verstehe oder wozu ich keinen persönlichen Bezug habe, dafür fühle ich mich nicht verantwortlich. Das wirkt sich im eigenen Handeln aus.

  • Zum Blick auf die Ergebnisse der Zukunftskonferenz im Juli 2021

Katharina Bode: Drei Tage lang haben wir online mit Engagierten aus Bolivien, Trier und Hildesheim diskutiert, haben gemeinsam den Stand der Partnerschaft ausgewertet und Optionen für die Zukunft erarbeitet. Das war ein spannender Prozess, in bunt zusammengewürfelte Gruppen. Große Motivation, viele unterschiedliche Ideen, aber ein gleiches Ziel – und getragen von einem immer spürbaren Gemeinschaftsgefühl. Zwei Punkte waren für mich zentral. Zum einen die Beteiligung junger Leute, gerade was die Freiwilligen betrifft, die jeweils für ein Jahr in das andere Land gehen. Kein Freiwilligendienst hat mich nachhaltig beeindruckt. Das geht vielen Freiwilligen so. Diese Energie, die Rückkehrende mitbringen sollten wir weiter nutzen und noch enger mit den Direktpartnerschaften zwischen Gemeinden. Das weitet auch den Blick, weil junge Menschen sehr am Thema der interkulturellen Kommunikation interessiert sind. Das gilt zudem für den hohen Stellenwert der Sorge um das gemeinsame Haus. Das Engagement von jungen Menschen und Schöpfungsbewahrung passen gut zusammen.

Aurelio Pesoa: Die Frage der Mission ist auf der Zukunftskonferenz neu gestellt worden. Diese Perspektive war lange zu wenig sichtbar. Mission bezieht sich dabei nicht nur auf religiösen oder spirituellen Bereich, sondern beinhaltet auch Aktion und Aktivität. Ein Beispiel: Als Christen haben wir eine Verantwortung gegenüber der Schöpfung, die Sorge für das gemeinsame Haus, in dem wir alle leben. In Bolivien nehmen wir das Thema lange noch nicht ernst genug.

  • Zum Engagement zur Schöpfungsbewahrung

Aurelio Pesoa: Wir sehen in Bolivien sehr konkret die Folgen des Klimawandels. So ist eine Skipiste auf Chacaltaya vollständig verschwunden. Doch beim Realisieren, was das bedeutet, sind wir noch sehr langsam. Die Wissenschaft spricht sehr technisch über Klimawandel. Die Leute verstehen das noch nicht und verstehen es umso weniger als Frage der eignen Verantwortung. Gegenüber der Regierung müssen wir diese Fragen eher vorsichtig ansprechen. Sie ist an diesem Punkt sehr sensibel und wirft anderen Ländern oder Institutionen, die über Bolivien hinausgehen, Einmischung in die inneren Angelegenheiten vor.

Katharina Bode: Ein blinder Aktionismus von Deutschland aus, nutzt ja auch nichts. Besser ist es, im Rahmen der Partnerschaft Initiativen in Bolivien zu unterstützen, zum Beispiel durch die Finanzierung von wissenschaftlichen Gutachten zu Boden- oder Wasserproben. Aber es bleibt auch unsere Aufgabe, den eigenen Konsum überprüfen. Woher kommen die Produkte, die wir verwenden, was sind deren wirklichen ökologischen Kosten? Wir können dabei Dinge in den Blick nehmen, die nicht so augenfällig sind. Zum Beispiel: Was ist mit Gold, das wir als Schmuck tragen? Der Abbau von Mineralien in Bolivien und anderen Ländern der Erde vergiftet die Umwelt.

  • Zu Anstrengungen der Kirche gegen den Klimawandel

Aurelio Pesoa: Die Stromerzeugung in Bolivien erfolgt vor allem mit Gas. Die Förderung geht aber zurück und natürlich sind irgendwann auch unsere Vorräte erschöpft. Wir müssen deshalb an die Zukunft denken. Erneuerbare Energien wie Fotovoltaik könnten eine gute Antwort sein, zumal z.B. in Trinidad/Beni der Strom am teuersten ist in ganz Bolivien. Die Kirche an ihren verschiedenen Standorten könnte Pilotprojekte starten und begleiten. Es ist wichtig, Zeichen zu setzen.

Katharina Bode: Das wäre ein guter Anlass für Kooperationen zwischen bolivianischen und deutschen Kirchengemeinden. Beide Gemeinden nutzen ihre Gebäude für Solarenergie.

  • Zur Situation von Frauen in der Kirche

Aurelio Pesoa: Grundsätzlich muss ich sagen, dass wir in als Kirchen von Hildesheim und von Bolivien hier in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bedürfnissen unterwegs sind. Es gibt ein neues Dokument des Papstes über das Amt des Katechisten. In Bolivien nehmen oft Frauen diese Aufgabe der Glaubensweitergabe ein. Das ist ein, wenn auch kleiner Schritt nach vorne – wie das Mitwirken von Frauen zum Beispiel als Lektorin in Gottesdienst.

Katharina Bode: Für uns im Bistum Hildesheim ist die Situation klar: Frauen sind in der Kirche Grenzen gesetzt. Dann muss sich eben die Kirche wandeln. Es geht nicht, dass Frauen allenfalls mitreden, aber nicht mitentscheiden dürfen.

  • Zu Wünschen für die Partnerschaft

Aurelio Pesoa: Natürlich wünsche ich mir, dass wir gemeinsam nach Lösungen für die Herausforderungen und Chance der Partnerschaft suchen: Das heißt zum Beispiel mit mehr Kreativität für synodalen Weg einzutreten, wirklich zu schauen, wie wir uns austauschen, wie wir im Gespräch bleiben.

Katharina Bode: Ein großer Wunsch ist die Arbeit mit den zurückkehrenden Freiwilligen fortzusetzen, aber andere Themen nicht aus Auge zu verlieren. Im Partnerschaftsvertrag haben wir fünf Ziele benannt: Spiritualität, synodale Prozesse, Freiraum für junge Leute zu schaffen, Frauen ermutigen und uns um das gemeinsame Haus sorgen. Zu jedem Ziel jedes Jahr ein Projekt, das wär’s doch.

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news-30435 Sun, 01 May 2022 20:05:00 +0200 Ein Himmel voller Friedenstauben https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/ein-himmel-voller-friedenstauben-30435/ Der Krieg in der Ukraine und die Folgen der Corona-Pandemie: Die Frage nach Frieden und Gerechtigkeit stand im Mittelpunkt des ökumenischen Kirchenzeltes beim Fest der Demokratie nach der DGB-Kundgebung in Hannover. Manchmal wird es auch in einem ansonsten betriebsamen Zelt inmitten eines von Tausenden Menschen besuchten Festes für einen Moment still. „Was würden Sie sich wünschen?“, wird Mariya Maksymtsiv gefragt. Sie vertritt die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde St. Wolodymyr beim Talk an der Weltkugel im ökumenischen Kirchenzelt am 1. Mai.

Mariya Maksymtsiv denkt einen kleinen Moment nach, sucht nach Worten. „Ich wünsche mir, dass wir alle in Frieden leben können, dass die Ukraine so schnell wie möglich Frieden findet“, sagt sie. Mariya Maksymtsiv hat die Bilder vor Augen, die sie täglich sieht – in St. Wolodymyr, bei den Flüchtlingen in der Notaufnahme, in den durch die Gemeinde vermittelten Unterkünften, auch in Pfarrhäusern und anderen Einrichtungen: „Ich wünsche mir, dass die Kinder schnell wieder ihre Väter, die Frauen wieder ihre Männer sehen.“ Sie sehe, wie sehr die Familien unter der Trennung leiden: „Das schmerzt.“

Einen Wunsch hat sie aber auch für sich: „Ich wünsche mir, dass ich meinen Bruder am Telefon höre.“ Denn das ist der Beleg, dass er noch lebt. In diesem Moment ist der Krieg, ist der russische Überfall auf die Ukraine nicht über 1000 Kilometer entfernt. Er ist spürbar nah.

Die Sehnsucht nach Frieden, der Wunsch nach Gerechtigkeit – beides steht im Mittelpunkt des Zeltes des evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes und der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Bereits zum 12. Mal beteiligen sich beide Kirchen beim Fest der Demokratie, das im Hannover traditionell der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Goseriedeplatz folgt – nach zwei Jahren Corona-Zwangspause.

Kleine Zeichen der Hoffnung sollen vom Kirchenzelt ausgehen. Hoffnungskarten werden verteilt. Zitate von prominenten Menschen, Verse aus der Bibel oder auch die Zeilen eines Liedes der ökumenischen Gemeinschaft aus dem französischen Taizé: „Meine Hoffnung und meine Freude …“, werden verbunden mit dem Gebet der Vereinten Nationen. „Wir glauben, Gebete helfen. Überall auf der Welt“, heißt es auf der Rückseite der Karten.

Kinder sind eingeladen, Friedenstauben auszumalen. Nicht nur sie nutzen die Möglichkeit. Auch ihre Eltern und andere Erwachsene greifen zu Buntstiften. Manche schreiben ihren Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit noch dazu. Nicht nur in Deutsch.

Die Zeichnungen werden laminiert und bekommen für eine Woche einen besonderen Platz. Mitten auf dem Goseriedeplatz steht die Ruine des ältesten Gebäudes Hannovers: Die Nikolaikapelle wurde erstmals 1284 urkundlich erwähnt. Damals stand das Kirchlein noch vor dem steinernen Tor Hannovers. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gotteshaus zerstört, die Außenmauern wurden als Mahnmal erhalten. Für eine Woche ist über dem aus dem Jahr 1325 stammenden Chorraum in sieben Metern Höhe ein Netz gespannt. Dort werden die Friedenstauben mit Wäscheklammern befestigt. Beim Blick von unten ist der Himmel voller Friedenstauben.

Die Hilfen für die geflüchteten Frauen und Kinder aus der Ukraine, die Folgen der Corona-Pandemie: Beim Talk an der Weltkugel umreißt Regionspräsident Steffen Krach zwei Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht: „Menschen aufnehmen, in Sicherheit bringen, eine Perspektive bieten – das Engagement der Region ist beeindruckend.“ Gleichzeitig bleibe das Wahren des gesellschaftlichen Zusammenhalts eine große Aufgabe: „Das hat viel mit guten Arbeitsbedingungen zu tun“, unterstreicht Kraft am Tag der Arbeit: „Menschen müssen von ihrer Arbeit gut leben können.“

Für den evangelischen Stadtsuperintendenten Rainer Müller-Brandes können die Kirchen in diesen Zeiten Zeichen setzten: „Beten und konkret etwas tun – das geht zusammen.“ Sowohl in der Hilfe für Geflüchtete als auch im Einsatz für gerechte Arbeitsbedingungen. Müller-Brandes erinnert dabei an kirchliche Initiativen für Ausbildung und Arbeit, an die Tarifbindung in den eigenen Einrichtungen: „Das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren.“

Die Sorge um Gerechtigkeit heben auch Georg Rinke und Jutta Weigert beim Talk hervor. "Gerechtigkeit heißt auch, mit Würde durch das Leben zu gehen“, betont Rinke, Geschäftsführer des Straßenmagazins Asphalt, das von wohnungslosen Menschen verkauft wird: „Unsere Solidarität muss weiterhin allen Flüchtlingen gelten und Menschen in Not dürfen nicht vergessen werden.“

Jutta Weigert, Gleichstellungsbeauftragte des Bistums Hildesheim, lenkt die Aufmerksamkeit auf die veränderte Situation von Frauen: „In der Corona-Pandemie waren sie es, die die gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit übernommen haben.“ Das habe sie wieder in die klassische Frauenrolle gedrängt. Gleichzeitig sind die Lohnunterschiede von Frauen und Männern in Deutschland immer noch groß: „Das ist noch viel zu tun.“

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news-30394 Thu, 28 Apr 2022 13:09:48 +0200 Ökumenisches Kirchenzelt zum 1. Mai https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/oekumenisches-kirchenzelt-zum-1-mai-30394/ Ökumene zum Tag der Arbeit im Zelt an der Goseriede: Die Themen „Frieden und Gerechtigkeit“ stehen im Fokus des Talks an der Weltkugel am Sonntag, 1. Mai um 12:30 Uhr im Ökumenischen Kirchenzelt. Bereits zum 12. Mal sind die evangelische und katholische Kirche unter einem gemeinsamen (Zelt-)Dach beim Fest für Demokratie präsent, das am traditionellen Tag der Arbeit nach der Gewerkschaftskundgebung an der Goseriede gefeiert wird.

Die Talk-Gäste sind:

  • Regionspräsident Steffen Krach,
  • Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes, Evangelisch-lutherischer Stadtkirchenverband Hannover,
  • Mariya Maksymtsiv, ukrainisch griechisch-katholische Gemeinde St. Wolodymyr,
  • Jutta Weigert, Gleichstellungsbeauftragte des Bistums Hildesheim,
  • Georg Rinke, Geschäftsführer Straßenmagazin Asphalt.

Moderiert wird die Gesprächsrunde von Insa Becker-Wook, Pressesprecherin des Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes Hannover. Im Zelt können Friedenstauben erstellt werden, die in der Ruine der Nikolaikapelle aufgehängt werden. Unter dem Motto „Farbenfroh und vielfältig“ ist das Kirchenzelt mit seinem Café und Mitmachangeboten ein Ort der Begegnung auf dem Festgelände zum Tag der Arbeit.

Der gewerkschaftlich geprägte Feiertag mit Demonstration und Kundgebung wurde in Hannover 2009 als Reaktion auf die Neonazi-Demonstration zum Fest für Demokratie erweitert – mit einer breit in allen Bürgergruppen verankerten Basis.

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news-30345 Tue, 19 Apr 2022 14:29:29 +0200 In drei Worten: "Offen, gastfreundlich und kompetent" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/in-drei-worten-offen-gastfreundlich-und-kompetent-30345/ 13 Jahre dabei, neun Jahre davon als Leiterin: Jutta Johannwerner hat den [ka:punkt], den Treffpunkt der Katholischen Kirche in der Region Hannover geprägt. Jetzt ist die Pastoralreferentin in den Ruhestand gegangen. Im Gespräch blickt sie zurück. Der [ka:punkt] gilt ja als besonders starkes Stück Kirche, gerade in der Innenstadt von Hannover. Welche drei Adjektive zeichnen ihn aus?

Ganz kurz und knapp: Offen, gastfreundlich und kompetent.

13 Jahre dabei, erst im Kulturprogramm und dann neun Jahre als Leiterin: Was nimmst du mit aus dieser Zeit?

Das ist vor allem ganz viel geschenktes Vertrauen. Das hat sich in berührenden und bereichernden Begegnungen gezeigt –mit den Mitarbeitenden im [ka:punkt], mit den Klientinnen und Klienten in der Beratung und natürlich mit den Gästen im Café oder bei unseren Veranstaltungen. Ich gehe mit ganz viel Freude.

Beratung ist eines der Stichworte, die mit dem [ka:punkt] verbunden sind. Was sind deine Erfahrungen dabei, wie kann Menschen konkret geholfen werden?

Konkrete Probleme können auch konkret gelöst werden. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung: Sei es in der Schuldnerberatung oder auch bei Problemen, die eher mit der Persönlichkeit und der Lebenssituation verwoben sind. Das kann durch fachliche Beratung verbessert oder gelöst werden: nicht gelingende Kommunikation zwischen Partnern, Entscheidungsfragen, Bewältigung von schicksalhaften Einbrüchen wie Erkrankung oder Trennung. Manchmal gelingt auch eine Weitervermittlung an besser geeignete Fachdienste, zum Beispiel wenn es um Anträge oder Behördengänge geht.

Welche Rolle spielt dabei die Spiritualität? Kann sie christlich geprägte Lebenshilfe sein?

Spiritualität ist meines Erachtens eine Grundhaltung: Sie ist Grundausrichtung auf Gott hin, die unser Leben in einen großen transzendenten Kontext stellt. Diese Grundhaltung oder Ausrichtung atmen wir ein und aus. Das Vertrauen, das ich in Gott und das Leben habe, wird erfahrbar in dem, was ich tue, wie ich rede, wie ich anderen begegne. So kann ich den anderen in meinem Vertrauen mittragen oder ihm von meiner Stärke etwas abgeben – und umgekehrt. Spiritualität ist kein Instrument, das ich einsetzen kann oder nicht. Spiritualität ist eine Haltung, die ganz grundsätzlich das Leben prägt, gestaltet und auch Krisen überwindet.

Begegnung ist ein zweites Stichwort. Wie wichtig ist es für eine Einrichtung wie den [ka:punkt] einen verdammt guten Kaffee anzubieten?

Begegnung passiert ja auf vielen Ebenen: Es wird Hilfe einfordert oder anbieten, es wird über Politik, Kunst, Tagesgeschäfte gesprochen oder gemeinsam gehandelt. Bei uns im [ka:punkt] kommt bei all der Schwere, die die verschiedenen Beratungsstellen so schon mitbringen, der Genuss nicht zu kurz. Und zum Genuss gehört eben auch ein guter Kaffee. Das ist schlicht eine Frage der Wertschätzung unserer Gäste.

Guerilla-Gärtnern, 20 Meter Kirschkuchen, ein Liebespostamt: Drei von unendlich vielen Beispielen von Aktionen, die im [ka:punkt] einfach mal ausprobiert wurden. Was war der Leitgedanke dabei?

Es waren viele unterschiedliche Aktionen und Vorhaben. Sie sie alle hatten das Ziel, aktuelle Themen "schmackhaft", Menschen in der Stadt ins Gespräch zu bringen. Es hilft, mit Leichtigkeit den Blick auf Themen lenken, die in der Luft liegen und die Möglichkeit zu bieten, sich direkt darüber auszutauschen. Das hält auch ein Stück weit die Gesellschaft zusammen.

Kreuz- und Adventswege durch die Stadt, Krippen im Schaufenster, Osterhasen mit Fastenfähnchen, Gebete mal anders: Im Sinne der City-Pastoral hat der [ka:punkt] auch sehr grundlegende Glaubensfragen zwischen Ladenzeilen und Restaurants mit Aktionen aufgeworfen. Hat der Glauben Platz in der Innenstadt?

Glauben hat auf jeden Fall Platz in der Innenstadt. Aber nicht in den Mustern und auch nicht in der Sprache "herkömmlicher" Ausdrucksformen. Ein Beispiel: Obdach- oder wohnungslose Menschen sind ja in der Stadt nicht zu übersehen. Sie werfen Fragen auf: nach gerechter Verteilung, Armut, Schicksal, Hilfsbedürftigkeit, sozialem Engagement und dem je eigenen Umgang mit Geld. All das ist aber damit verbunden, wie ich mein Leben und das Leben der anderen verstehe – und damit ist es eine tief religiöse Frage. Wenn wir an eine konkrete Erfahrung wirklich anknüpfen, dann sind wir ganz schnell bei existentiell religiösen Diskussionen.

Der [ka:punkt] lebt vom Ehrenamt. Warum ist dieses Engagement so unverzichtbar?

Zum einen: Die Ehrenamtlichen ermöglichen uns den Cafébetrieb als sichtbaren Ausdruck unserer Gastfreundschaft: Zum anderen bereichern unser Angebot mit Initiativen, die wir so nicht stemmen könnten: Genussradeln für Senioren, Kinoabende, Time to talk, das Bollerwagenprojekt, bei dem Suppe, Kaffee und Tee zu obdachlosen Menschen in der Innenstadt gebracht werden. Und das sind nur einige Beispiele.

Auch die Innenwände wurden und werden immer wieder neu gestaltet – durch Ausstellungen ganz unterschiedlicher Künstler*innen. Sind dir da eine oder zwei besonders im Gedächtnis geblieben?

Jede Ausstellung hat und hatte ihren ganz eigenen Charme. Wir haben stets sehr viel Wert auf Abwechslung gelegt und unterschiedliche Formate ausprobiert. Besonders in Erinnerung ist mir die Ausstellung einer Hebamme geblieben, die weiße Filztüten als Symbol für verstorbene Neugeburten hergestellt hatte. Diese Filztüten hingen im Eingang des Forums bis hinunter in die Kapelle an einem Netz aus Nylon. Die Menschen mussten da hindurch gehen und sich daran im wahrsten Sinnen des Wortes daran stoßen. Bei einer anderen Ausstellung haben wir Comics von Werner Tiki Küstenmacher aufgehangen: Nicht nur an den Wänden, sondern auch an den alten Teppichleisten vorm Schaufenster. Das war eine sehr fröhliche Ausstellung!

Auch wenn wir es alle nicht mehr hören können – die Corona-Frage: Wie setzt eine Pandemie einem Treffpunkt zu? Und was setzt sie frei?

Viele Stammgäste sind nicht mehr da. Bei manchen wissen wir, dass sie sich nicht in die Öffentlichkeit wagen. Bei anderen wissen wir noch nicht einmal, ob sie noch leben. Viele Veranstaltungen mussten wir absagen. Aber nach und nach kommt wieder Leben in die Bude. Da gibt es sogar unerwartete Hilfe. Für Autorinnen einer Reihe von Lesungen, die wir im letzten Jahr veranstaltet haben, war Corona sogar gut. Denn der Deutsche Literaturfonds hat unabhängig von Besuchszahlen anständige Honorare gezahlt. Wir konnten Fördermittel abrufen. Aber wir freuen uns über jeden Gast, der wieder zu uns findet. Wir haben digitale Formate erfunden. Manches geht dabei richtig gut. Dazu gehört der monatliche Bibliolog, der Kreuzweg in der Fastenzeit und der Adventsweg. Auch verschiedene Beratungsformen konnten wir mit Videokonferenzen oder Chats aufleben lassen. Trotzdem: Das Haus lebt von persönlicher Begegnung. Ein Café lässt sich nicht wirklich digital umsetzen.

Was wünscht du deinem*r Nachfolger*in? Und was würdest du gerne so als Staffelstab weiterreichen?

Meiner Nachfolge wünsche ich offene Augen und Ohren für das, was im [ka:punkt] da ist und für das, was gebraucht wird – in der Stadtgesellschaft. Zum zweiten wünsche ich ein großes Herz für die vielen verschiedenen bunten Menschen, die ihr auf den verschiedensten Ebenen begegnen werden sowie klare Richtschnüre, die eben keine Steintafeln sind. Denn der [ka:punkt] soll sich wandeln. Dafür braucht es Inspiration, Vision, Mut und Verlässlichkeit. Ich wünsche ihm oder ihr all das und vor allem Freude und Lebendigkeit bei allem Tun.

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news-30294 Tue, 12 Apr 2022 17:38:08 +0200 „Das Licht ist stärker als die Dunkelheit“ https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/das-licht-ist-staerker-als-die-dunkelheit-30294/ Sie sind Ausdruck einer gemeinsamen Hoffnung: die Zwillingskerzen, die Jahr für Jahr in der evangelisch-lutherischen Marktkirche und der katholischen Basilika St. Clemens in der Osternacht entzündet werden. „Wir hoffen, dass das Licht stärker ist als das die Dunkelheit“, sagen Marktkirchenpastor... 2009 hat erstmals der damalige katholische Propst Martin Tenge die Zwillings-Osterkerzen anfertigen lassen. Eine Tradition, die sein Nachfolger Propst Christian Wirz übernommen hat und die mit dem neuen Marktkirchenpastor Marc Blessing weitergeführt wird. Die Kerzen sind Ausdruck der besonderen Verbundenheit zwischen der Marktkirche und der Basilika St. Clemens.

Entworfen und gefertigt wurden die Kerzen in diesem Jahr von der Karmeliterin Sr. Mirjam Fuchs, die im Karmel Regina Martyrum in Berlin lebt und arbeitet. Die Kerzen zeigen schmale, dunkelrote Kreuzbalken, die eine goldene, aber gebrochene Mitte zusammenhalten.

Der Karmel Regina Martyrum versteht sich als eine Oase der Stille und Ort der Begegnung, der Gastfreundschaft und der Ökumene mitten in der Großstadt. Neben dem Karmel liegt die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, in unmittelbarer Nähe der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte Plötzensee. Die täglichen Gebete des Berliner Karmels gelten daher der Bitte für Menschen im Widerstand gegen das Unrecht.

„Menschen im Widerstand gegen das Unrecht – das verbindet die Kerzen gerade jetzt mit den Menschen in der Ukraine“, betont Propst Christian Wirz. Sie werden in beiden Hauptkirchen Hannovers immer leuchten, wenn für den Frieden in der Ukraine gebetet wird: „Unsere Gedanken bei den Menschen, die um ihr Leben fürchten, sich dem Krieg entgegenstellen oder auf der Flucht sind.“ So stehen die roten Kreuzbalken als Mahnung gegen das Blutvergießen in der Ukraine.  

Auch für Marktkirchpastor Marc Blessing sind die Kerzen ein Symbol gegen den Krieg und für das Leben: „Wir setzen dieses Zeichen gemeinsam als Christenheit, gerade in diesen Zeiten, wo der Tod so übermächtig erscheint.“ Es ist Ausdruck der österlichen Hoffnung, dass Gewalt und Tod überwunden werden können. Daraus schöpfe sich das friedensethische Engagement der beiden Kirchen – in der Hilfe für Geflüchtete und für das Beenden des Krieges.

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news-30308 Tue, 12 Apr 2022 13:15:00 +0200 Gottesdienste zu den Kar- und Ostertagen https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/gottesdienste-zu-den-kar-und-ostertagen-30308/ Es ist das höchste Fest der Christenheit: Ostern. Von Gründonnerstag bis Ostermontag feiern die Katholikinnen und Katholiken in der Region Hannover mit vielen Gottesdiensten – in Präsenz und im Internet. Eigentlich ist es ein Gottesdienst, der sich über mehere Tage hinzieht. Es beginnt am Gründonnerstag mit der Feier des letzten Abendmahles. Der Karfreitag steht im Zeichen der Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Die Osternacht ist der Höhepunkt – Halleluja, Christ ist erstanden. Am Ostersonntag und Ostermontag wird dieser neue Morgen, diese neue Hoffnung gefeiert.

Eine Auflistung der Gottesdienste im den Pfarreien und Kirchorten der Region, den Missionen für Katholik*innen anderer Muttersprache und der mit uns verbundenen ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinden St. Wolodymyr finden Sie als Dokument auf dieser Seite. Zur besseren Übersicht sind die Gottesdienste in Gründonnerstag/Karfreitag und Ostern (einschließlich Osternacht) aufgeteilt.

Mehrere Gemeinden streamen ihre Gottesdienste live im Internet. Eine Auflistung finden Sie ebenfalls auf dieser Seite.

Bitte beachten:

  • Es gibt in den Pfarrgemeinden und Kirchorten in der Region Hannover unterschiedliche Regelungen für eine mögliche  Anmeldepflicht. Die meisten Pfarrgemeinden verzichten vor dem Hintergrund neuer landesrechtlicher Bestimmungen darauf,  andere Pfarreien halten noch daran fest. Grund dafür ist, dass die Verantwortung für den Infektionsschutz in der Verantwortung der jeweiligen Pfarrgemeinde liegt. Das Bistum Hildesheim und die Katholische Kirche in der Region Hannover geben ausschließlich Empfehlungen. Bitte informieren sich sich auf den Webseiten der Gemeinden (Übersicht Hannover-Stadt; Übersicht Region)
  • Die Gottesdienste können in Gemeinden mit Voranmeldung bereits "ausgebucht" sein oder aufgrund der maximal möglichen Platzzahl kein Zugang mehr möglich ist.
  • Bitte tragen Sie während der Gottesdienste eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung (Abnahme am Platz ist in der Regel möglich) und wahren Sie, vor allem bei Bewegung im Kirchenraum, den notwendigen Abstand zueinander.

 

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news-30291 Tue, 12 Apr 2022 11:55:49 +0200 Kar- und Ostertage: Streaming-Gottesdienste https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/kar-und-ostertage-streaming-gottesdienste-30291/ Von Gründonnerstag bis Ostern: Christinnen und Christen feiern in diesen Tagen ihr höchstes Fest – und das live im Netz. Sie können bei den Kar- und Ostergottesdiensten dabei sein "Die Botschaft von Ostern passt genau in diese schwierige Zeit", sagt Propst Christian Wirz, Regionaldechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover: "In der Karwoche erinnern wir uns daran, dass Jesus selbst unsere menschlichen Sorgen und Nöte durchlitten, unsere Angst gespürt hat." Seine Auferstehung bringt Licht in das Dunkel, spendet neue Hoffnung.

"Christus überwindet den Tod und schenkt uns das ewige Leben als ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott", betont Wirz: "Daher werden wir in unseren Gottesdiensten für die Menschen beten, die krank, arm, vernachlässigt oder einsam sind. Wir beten für die, die sich um sie kümmern. Und wir beten ausdrücklich für die Menschen in der Ukraine, die für uns Unvorstellbares erleiden."

Sie können mitbeten. Sie können mit den katholischen Christinnen und Christen die heiligen Tage zwischen Gründonnerstag und Ostern feiern – live im Netz und auf Youtube.

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news-30182 Sat, 02 Apr 2022 01:35:34 +0200 "Nach dir, Herr, verlanget mich" https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/nach-dir-herr-verlanget-mich-30182/ #clemensklingt: Zum zweiten Mal lädt die Kirchenmusik an der Basilika St. Clemens zu einem Vespergottesdienst ein, diesmal für Samstag, 9. April. Beginn ist um 18:30 Uhr. In der Tradition der Katholischen Kirche wird eine Vesper immer am Vorabend eines besonderen Sonntages im Kirchenjahr gefeiert – wie nun am Palmsonntag. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die letzte Woche vor Ostern, dem höchsten Kirchenfest. Beim Vespergottesdienst singt der Propsteichor St. Clemens, Solistin ist die Sopranistin Anna Bernasconi. Violinen: Ulrike Teille, Christoph Heidemann, Cello: Monika Herrmann, Continuo: Lukas Lattau, Orgel und Leitung: Francesco Bernasconi.

„In der eine Vesper hat die Musik eine große Bedeutung“, erläutert Regionalkantor Francesco Bernasconi: „Vor allem Psalmen werden gesungen.“ In der Vesper am Abend vor dem Palmsonntag sind es Werke aus dem Norddeutschen Barock: „Nach dir, Herr, verlanget mich“ von Johann Sebastian Bach, „Was mich auf dieser Welt betrübt“ und „Befiehl dem Engel, dass er komm“, beide von Dietrich Buxtehude sowie das „Magnifikat“ von Matthias Weckmann. „Die Psalmen der Bibel sind Lieder der Klage, der Trauer, der Wut, der Bitte, der Freude, der Hoffnung und des Dankes“, betont Bernasconi: „Sie drücken das gesamte Spektrum der menschlichen Gefühle aus und sind gleichzeitig ein Gebet zu Gott, auch und gerade in der Musik.“ Weitere Vespergottesdienste werden folgen.

Am Palmsonntag gedenken die Kirchen des Einzugs von Jesus Christus in Jerusalem. Nach der Überlieferung der Bibel jubelte ihm das Stadtvolk zu und streute zum Zeichen seines friedlichen Königtums Palmzweige aus. Palmen waren vielerorts heilige Bäume. In Erinnerung daran werden zu Palmsonntag in den Gottesdiensten Zweige gesegnet.

  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Allerdings sind die Plätze in der Basilika St. Clemens entsprechend der jeweils gültigen Corona-Verordnung eingeschränkt. Während des Vespergottesdienstes ist das Tragen einer FFP2-Maske verpflichtend.

 

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news-30197 Sat, 02 Apr 2022 01:25:00 +0200 Spiritualität mit und ohne Steine https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/spiritualitaet-mit-und-ohne-steine-30197/ Warum braucht eine Stadt noch Kirchen? Baulicher Zierrat? Oder doch viel mehr? Was ist die Seele der Stadt? Darüber wurde bei den Kulturgesprächen St. Clemens diskutiert. Kirche und Stadtentwicklung – ein ungewöhnliches Thema an einem ungewöhnlichen Ort: dem Atelier Goethe Exil. Einst Fabrikhalle, jetzt Produktions- und Ausstellungsort eines Kollektivs von Fotograf*innen. Bei seiner Begrüßung verweist Hannovers Propst Christian Wirz auf den Garten Eden: „Das ist der Ursprung des Menschen mit Gott.“ Der Garten sei ein Bild für die Beziehung des Menschen zur Natur. Die Stadt spiegele das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitmenschen. Was heißt das also für die Entwicklung einer Stadt, für deren Seele? Eine Frage an das Podium.

Das Podium, moderiert von der Kulturjournalistin Kathrin Heise, ist hochkarätig besetzt: Mit Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und Bischof Dr. Heiner Wilmer die Männer, die an der Spitze der Landeshauptstadt und des Bistums Hildesheim stehen. Mit Dilek Ruf und Dr. Patricia Löwe zwei Frauen vom Fach. Dilek Ruf ist Architektin, Gründerin und Geschäftsführerin BBU.PROJEKT ARCHITEKTEN BDA und seit 2018 Vorstandsvorsitzende des Bundes Deutscher Architektinnen & Architekten (BDA) Hannover. Patricia Löwe ist in Berlin zu Hause und wissenschaftliche Referentin der Guardini Stiftung, die sich genau mit diesem Verhältnis von Religion und Gesellschaft befasst – und den Veränderungen.

Ein neuer Stadtteil ohne Kirche?

An einer Stelle in der Diskussion werden diese Veränderungen besonders beispielhaft: 16000 Menschen. Eine kleine Stadt. Oder konkret in diesem Beispiel ein neuer Stadtteil in Hannover. Der Name ist bekannt: Kronsrode. Was auch bekannt ist: Ein Gotteshaus oder zumindest ein Kirchplatz ist in der Planung nicht ausdrücklich vorgesehen.

„Das hätte es noch vor 100 Jahren nicht gegeben“, betont Dilek Ruf. Im Gegenteil: Kirchen waren Ausgangspunkt von Stadtgründungen. Doch auch wenn die Gebäude in der Planung nicht vorgesehen sein sollten: „Wir können die Stadt nur denken, wenn wir die Grundbedürfnisse der Menschen berücksichtigen.“ Dazu zählt die selbst religiös ungebundene Dilek Ruf ausdrücklich Spiritualität und Glauben. „Denn nur so bilden wir die Frage ab, wie wir zusammenleben wollen“, unterstreicht die Architektin: „Alles andere wäre rein technokratisch.“ Eine Stadt sei immer Ausdruck von Demokratie, vom Widerspruch der Meinungen. Es brauche Orte zum Austausch, auch und gerade spirituell geprägte.

Bischof Heiner Wilmer bekennt, dass sich das Bistum Hildesheim von Gebäuden trennen müsste. Gut 1400 unterschiedlichste Immobilien unterhalte die Diözese zwischen Nordsee und Harz, Sakralbauten ebenso wie Pfarrhäuser und Gemeindezentren. Doch gerade, weil ein Gemeinwesen sakrale, spirituelle Räume benötigt, werden nicht einfach von oben entschieden: „Wir führen gerade einen Immobilienprozess durch, der auf insgesamt zehn Jahre angelegt ist.“ „

Was brauchen die Menschen in der Nachbarschaft?“

Kern dieses Prozesses seien zwei Fragen, die in den Pfarrgemeinden du Einrichtungen des Bistums beantwortet werden sollen. Zum einen: „Was brauchen die Menschen in der Nachbarschaft?“ Zum anderen: „Was können wir leisten und mit wem?“ Laut Wilmer geht es beim Immobilienprozess auch darum, Kooperationspartner*innen zu finden und Netzwerke zu knüpfen. „Wer allein vorprescht, ist schnell am Ende“, meint Wilmer.

Zusammenarbeit, Netzwerke: Gedanken, die Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay aufgreift. Nicht nur, weil es weiter Räume für Begegnungen brauche. Sondern auch als Perspektive für eine Stadt, die religiös vielgestaltiger wird: „Das sind solche Netzwerke eine echte Chance.“ Wie fruchtbar solche Möglichkeiten sind, zeigt für Onay das immer noch bundesweit einmalige Haus der Religionen in Hannover.

Einmalig deshalb, weil es von acht Religions- und einer Weltanschauungsgemeinschaft getragen wird, Begegnung und Bildung verbinden, aber auch Stimme in der Stadtgesellschaft ist. Aus einer Initiative mit viel Eigeninitiative gewachsen, ist es für Onay eine Einrichtung, „auf die Hannover extrem stolz sein kann.“ Wo immer sich solche Chancen bieten, auch durch Umwidmung bisher rein kirchlicher Gebäude, sei die Stadt zur Zusammenarbeit bereit „Das wollen wir politisch begleiten, da sind wir sehr gespannt auf den Prozess.“

Freiräume für dynamische Entwicklungen ermöglichen

Angesichts der gesellschaftlich-religiösen Veränderungen habe die Politik tatsächlich eine wichtige Aufgabe. „Die Politik kann Freiräume ermöglichen für den interreligiösen Dialog, für damit verbundene dynamische Prozesse“, stellt Patricia Löwe heraus: „Das hängt aber sehr vom toleranten Klima einer Stadt ab.“ In ihrer Heimatstadt Berlin sei das offenkundig schwieriger als in Hannover.

Für beide Städte aber gelte, dass ein intensiverer Blick auf Kirche lohne. Kirchen und Religionsgemeinschaften eröffnen Räume für soziale Aufgaben, „die sonst unter den Tisch fallen, jenseits der Spiritualität". Sie seien wichtige Wegmarken in der Silhouette des Stadtbildes. Zusammen mit Bildungsangeboten in Kindertagesstätten und Schulen schaffen Kirchen gleichzeitig Begegnungsräume für Menschen, die nicht der eigenen Religion angehören. Die Erfahrung aus den Projekten, die Patricia Löwe wissenschaftlich begleitet hat: „Dialog funktioniert meistens besser als vorher gedacht.“

Für Dilek Ruf ist noch ein weiterer Aspekt bedeutsam: „Ein Immobilienprozess fördert, dass das Potenzial von Gebäuden erkannt wird.“ Wird ein Gebäude erhalten, muss es für eine veränderte Nutzung ergänzt oder neu gebaut werden? „Grund und Boden sind eine knappe Ressource in einer Stadt, da haben auch Kirchen eine Verantwortung dafür“, betont Ruf. Die Architektin hat mit ihrem Büro wiederholt Projekte entwickelt, bei denen städtische Flächen umgestaltet werden – statt einfach auf der grünen Wiese neu zu bauen.

Potenzial ist ein Stichwort, das Belit Onay aufgreift. Ihm geht es beispielsweise um die großen Plätze in der Stadt, nicht zuletzt direkt vor Kirchen: „Das sind oftmals Flächen zum Durchlaufen, mit wenig Aufenthaltsqualität.“ Gerade in der Innenstadt haben zeitlich befristete Experimentiervorhaben gezeigt, dass es anders gehe.

Zurück nach Kronsrode: ein neuer Stadtteil ohne kirchliches Gebäude. Aber zudem ohne kirchliche Präsenz? „Wir werden nicht in erster Linie in Steine investieren“, macht Bischof Wilmer klar. Aber personell möchte und wird sie die neu Zugezogenen begleiten. Das schafft zumindest ein Angebot für Spiritualität. Solche sakralen Angebote gehört zur Seele einer Stadt dazu. Wie wichtig diese Angebote, aber auch Orte sind, haben die Corona-Pandemie, aber auch die Ängste durch den russischen Überfall auf die Ukraine gezeigt.

„Wir werden dieses Kulturgespräch fortsetzen“, verspricht Thomas Harling, Kulturbeauftragter der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Ob wieder als Podium sei dahingestellt: „Vielleicht fällt uns ja was noch Kreativeres ein.“ Einen besonderen musikalischen Akzent setzen der Kontrabassist Johannes Kellner und der Schlagzeuger Leo Harling. Sie interpretierten die Leitfrage des Abends auf ihre Weise: der Bass als nicht verstummender Grundton einer Stadt im Kontrast zu den unterschiedlichen Rhythmen des Schlagzeugs. Internet-Tipp: Die gesamte Diskussion lässt sich auf dem YouTube-Kanal der Katholischen Kirche in der Region Hannover nachschauen. 

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news-30136 Tue, 29 Mar 2022 16:37:23 +0200 Koffer und Kinderwagen gesucht https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/koffer-und-kinderwagen-gesucht-30136/ Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, das Katholische Büro Niedersachsen sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund in Niedersachsen organisieren gemeinsam eine Sammelaktion und rufen auf, in der Zeit vom 31. März bis 8. April Kinderwagen und Koffer zu spenden.  Kinder auf dem Arm, das wenige, was die aus der Ukraine geflohenen Frauen mitnehmen konnten, ist in eine Plastiktüte gestopft. Oder sie tragen es schichtweise am Leib. Kinderwagen und Buggys, Rollkoffer, Reisetaschen und Rücksäcke werde zu einer wertvollen Unterstützung in der Landesaufnahmestelle am Messebahnhof Hannover.

Hier die Sammelorte und Abgabezeiten:

Deutscher Gewerkschaftsbund:

Gewerkschaftshaus, Otto-Brenner-Str. 1, 30159 Hannover, Erdgeschoss Do (31.03.) bis Fr (01.04.) von 11:00 – 16 Uhr sowie Mo (04.04.) bis Fr (08.04.) von 11:00 – 16 Uhr

Katholische Kirchengemeinden:

Heilig Geist, Pfarrbüro Hl. Geist, Niggemannweg 18, 30659 Hannover Samstag, 02.4. von 9-18 Uhr und Sonntag, 03.4. von 11:30-18 Uhr

St. Godehard, Pfarrbüro St. Godehard, Posthornstr. 22, 30449 Hannover Mo, Mi, Do, Fr 9-12 Uhr sowie Mo bis Do, 14-16 Uhr

St. Heinrich, Pfarrbüro St. Heinrich, Sallstr. 74, 30171 Hannover Mo, Mi, Fr 9-12 Uhr und Do. 16-19 Uhr

St. Maria Regina, Pfarrbüro St. Maria Regina, Böckeriethe 43, 30827 Garbsen Mi, 30.3. von 16:30 - 18:30 Uhr Do. 31.3. von 16:30 - 18:30 Uhr

St. Maximilian Kolbe, Ökumenisches Kirchencentrum St. Maximilian Kolbe, Mühlenberger Markt 5, 30357 Han-nover Mo-Fr, 9-12 Uhr (bis Ende April) und Sonntag vor und nach dem Gottesdienst um 10:30 Uhr

Christ-König, Springe, Pfarrheim Christ König, Erzbischof-Joseph-Godehard-Platz 4 und Haus Immanuel, Heinriche-Göbel-Str. 22 Mo, Mi, Do 9-11 Uhr, Do 15-17 Uhr Mo 15-17 Uhr, Mi 17-18:30 Uhr

Propstei St. Clemens, Platz an der Basilika 2, 30169 Hannover Mo-Fr von 9 - 15 Uhr

HL. Engel, Fa. Windoffer, Anni-Rath-Weg 9, 30559 Hannoverwochentags 16-18 Uhr (nicht v.30.3-10.4)

St. Bernward, Bernwardshaus, Helmstedter Str. 35, 30519 Hannover mittwochs 15 – 16:30 Uhr

St. Antonius, Kirchröder Str. 12 A, Kleefeld, 30625 Hannover donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr.

Evangelische Kirchengemeinden:

Bitte entnehmen Sie die Annahmestellen den Aushängen und Bekanntmachungen Ihrer Kirchengemeinde oder nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Gemeindebüro auf. 

  • Bitte achten Sie darauf, dass die Kinderwagen und Koffer in einem nutzbaren Zustand sind. Eine Spendenbescheinigung kann leider nicht ausgestellt werden. Andere Spenden können bei dieser Aktion nicht entgegengenommen werden.

 

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news-30187 Mon, 28 Mar 2022 22:55:00 +0200 Hoffnungsschimmer und Schicksalsschläge https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/hoffnungsschimmer-und-schicksalsschlaege-30187/ Was haben ukrainische Frauen und Kinder bei ihrer Flucht erlebt? Wie verarbeiten sie diese Ereignisse? Bischof Heiner Wilmer hat bei seinem Besuch in den Notunterkünften in den Messehallen in Hannover das Gespräch gesucht. Nach seinem Besuch in der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde St. Wolodymyr hat Bischof Heiner Wilmer die Notunterkünfte für Flüchtlinge in den Messehallen in Hannover besucht. Den Besuch haben Pfarrer Roman Maksymtsiv und seine Frau Mariya vermittelt. „Wir kümmern uns hier gerade um Frauen und Kinder, die auf der Flucht ein besonderes schweres Schicksal erleiden müssen“, sagt Mariya Maksymtsiv, die in den Quartieren auch als Dolmetscherin tätig ist. Wilmer kam mit zwei Familien ins Gespräch.

Die jüngste Bewohnerin 

Mira ist die jüngste Bewohnerin in der Halle 27. Sie ist gerade mal fünf Tage alt – geboren auf der Flucht kurz vor der polnischen Grenze. „Wir sind in irgendein Haus gegangen, als es so weit war“, berichtet Maria, ihre Mutter. Dort hat die 38-Jährige ihre Tochter bekommen. Allein, im Beisein ihrer Mutter Marisa und ihren vier Söhnen Michalo (9 Jahre alt), Mekita (7), Matwiy (5) und Maksim (2).

Weil sie hochschwanger war, habe die Familie lange gezögert, ihren kleinen Ort in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kyiv zu verlassen, erzählt Maria im Gespräch mit Bischof Heiner Wilmer. Zuvor hat sie sich noch entschuldigt, nicht aufstehen zu können. Sie hat gerade ihr Kind gestillt. Mira ist gerade in ihren Armen eingeschlafen. Maria lächelt. Ihre Söhne spielen im großen Eingangsbereich der Halle 27. Sie haben einen großen Gokart, ein Tretauto, zur Verfügung. Es wirkt so entspannt, nach Sonntagnachmittag, der es tatsächlich ist. Wären da nicht die Zelte der Notunterkünfte in der Halle.

Als die Situation zu gefährlich wurden, leiht sich die Familie ein Auto. Ohne Papiere, ohne Versicherung fahren sie in Richtung polnische Grenze. Der Übertritt verzögert sich, ein langer Stau, Mira kommt zur Welt. Dann fahren sie weiter nach Hamburg, weil dort bereits entfernte Verwandte untergekommen sind. Doch die Hansestadt ist voll, weiter geht es nach Hannover.

Hier findet die Familie einen Hauch von Ruhe. Feldbetten, ein Zelt, Kleidung für Mira. Doch in die Ruhe mischen sich immer Sorge um Angst und um ihren Vater, die beide zurückgeblieben sind. „Wir telefonieren so oft es geht“, berichtet Maria. Ihr Mann ist derzeit in der Nähe von Lviv, wartet darauf, ob und wie er eingesetzt wird. Ihr Vater harrt im Heimatdorf aus. „Es gibt oft Alarm, auch nachts“, sagt Maria. Dann müsse schnell ein Versteck gesucht werden. Schlaf ist nur in Intervallen möglich.

Ihr Mann hat Flugtechnik studiert, arbeitete zuletzt als Geschäftsführer in einem Autohaus: „Der Besitzer hat bei Kriegsbeginn den Laden zugemacht und alle Autos verschenkt.“ Sie selbst ist Architektin. „Aber jetzt ist ihr Beruf Mutter sein“, meint Michalo, der älteste Sohn. Wie er denn den Tag verbringe, frage Bischof Wilmer nach. Er spiele auf seinem Handy oder mit den Brüdern, erzählt Michalo: „Oder ich übe Geige.“ Das Instrument habe er aus der Ukraine mitgebracht, wie sein siebenjähriger Bruder eine Flöte. Beide können bald in einer Wohnung üben, die mithilfe der ukrainischen Gemeinde St. Wolodymyr gefunden wurde.

„Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Maria das erste Mal gesehen habe“, ergänzt Mariya Maksymtsiv, die das Gespräch dolmetscht: „Sie trug ein Bündel im Arm, ich habe gedacht, das wäre ein Haustier.“ Denn nicht wenige Flüchtlinge bringen ihre Tiere mit: „Doch es war ein Neugeborenes.“ Der Name Mira ist von der Familie mit Bedacht gewählt geworden. Er leitet sich vom ukrainischen Wort für „Frieden“ ab, meint „die Friedliche“. Was für eine Hoffnung in diesen Zeiten.

Der Schock nach der Flucht

Ein zweites Schicksal: Auch Nelia, 58 Jahre alt, ist geflohen. Zusammen mit ihren Töchtern Olena (39) und Jryna (34). Olena hat mit Maxim einen Sohn, der gerade drei Jahre alt geworden ist. Jryna hat drei Kinder: zwei Töchter, Erika (8) und Paulina (5) und einen Sohn Arzen, vier Jahre alt. Mit auf der Flucht war noch ihre Mutter Valentina.

Am 10. März sind sie aus Krywyj Rih geflohen, einer Großstadt im Süden der Ukraine. Die russischen Truppen rückten von der Krim aus immer weiter an die Stadt heran, auch die Luftangriffe nahmen zu. Krywyj Rih ist Industrie- und Garnisonsstadt ¬ mit einem großen Stahlwerk.

Per Zug machten sie auf den Weg. Erst nach Lviv, dann in Richtung slowakische Grenze. „Die Züge waren überfüllt“, berichtet Nelia. Gerade für Frauen, die mit kleinen Kindern unterwegs sind, war es schwer einen Platz im Wagon zu bekommen: „Alle wollten nur weg“, sagt Nelia leise.

Zwischendurch immer wieder die Suche nach einem Platz für die Nacht. Einmal übernachten sie in einem jüdischen Altersheim. Nach zehn Tagen Flucht über die Slowakei und Tschechien schließlich kommen sie in Hannover an, finden einen Platz in den Notunterkünften.

Doch gerade als sie hoffen, einen Hauch von Ruhe zu finden, der Schock: Nelias Mutter Valentina stirbt. Mit 76 Jahren. Wiederholt hat sie über Schmerzen geklagt, ein Bein ist angeschwollen. Eines Abends liegt sie sich in ihr Feldbett und steht nicht mehr auf: „Sie ist im Schlaf gestorben“, sagt Nelia leise. Die Nieren haben wohl versagt. Genaueres weiß sie nicht. Auch nicht, wann und wo sie ihre Mutter beerdigen kann.

In der Halle 27 hat die Familie nun ein Zelt für sich. Eine Nacht haben noch zwei weitere Frauen bei ihnen geschlafen: „Aber die beiden haben dann anderswo ein Bett bekommen.“ Der Tod ihrer Urgroßmutter laste schwer gerade auf den Kindern. „Es geht ihnen nicht gut“, beschreibt es Nelia. Sie haben Bauchschmerzen und Durchfall, erbrechen sich. Zum Trauma der Flucht kommt das Trauma des Verlustes eines geliebten Menschen: „Wir sind so müde.“

„In welche Klasse gehst du denn“, möchte Bischof Wilmer von Erika wissen. Die Achtjährige sitzt beim Gespräch mit am Tisch. „In die dritte“, antwortet sie. Mit 31 Kindern waren sie in der Klasse. Mit Beginn des Krieges konnte sie auch nicht mehr zur Schule gehen. Sie weiß nicht genau, wo ihre Mitschülerinnen und Mitschüler geblieben sind: ob in Polen, in Deutschland oder noch in der Ukraine …

Jryna hat ihren Mann in der Ukraine zurückgelassen: „Er ist jetzt Lastwagenfahrer.“ Sie stehe mit ihm so gut es geht in Kontakt. Doch es bleibe die Angst um ihn. Nelia und Jryna schätzen, dass bereits große Teile von Krywyj Rih zerstört sein könnten. „Wir haben vier Wohnungen zurückgelassen“, sagt Nelia. „Wer weiß, was davon noch da ist, wenn wir zurückkommen.“

Doch vielleicht gibt es für die Familie jetzt einen kleinen Hoffnungsschimmer. Durch die Zusammenarbeit der ukrainischen Gemeinde und dem Caritasverband Hannover können sie bald in das leerstehende Pfarrhaus von St. Nikolaus in Burgdorf ziehen.

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news-30126 Mon, 28 Mar 2022 08:30:00 +0200 „Diese Schicksale machen sprachlos“ https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/diese-schicksale-machen-sprachlos-30126/ Bereits zum zweiten Mal nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine hat Bischof Heiner Wilmer die Gemeinde ukrainisch griechische Gemeinde St. Wolodymyr in Hannover-Misburg besucht - und im Anschluss erstmals die Notunterkünfte auf dem Messegelände.  „Es war mir ein dringendes Bedürfnis, unsere ukrainischen Schwestern und Brüder wieder zu besuchen und mit Ihnen Gottesdienst zu feiern", betonte Wilmer. Dass der Krieg in der Ukraine andauere, sei eine Katastrophe, so der Bischof im Gottesdienst. Immer mehr Menschen müssen aus der Ukraine fliehen, oft bleiben Angehörige zurück: „Eine für alle ganz furchtbare Situation.“

Wilmer sprach der Gemeinde St. Wolodymyr seine aufrichtige Dankbarkeit für ihr Engagement aus: „Sie senden Hilfslieferungen in die Ukraine, sie kümmern sich um die Menschen, die hierherkommen, sie halten den Kontakt zu den Lieben in der Ukraine aufrecht.“ Und: „Sie beten – dieses Gebet verbindet uns.“

Der Hildesheimer Bischof ist sich sicher: „Dieses Gebet ist stärker als der Krieg.“  Das Einstehen füreinander, die Sorge umeinander werde Früchte tragen. Bereits jetzt werden im ganzen Bistum Hildesheim Menschen aus der Ukraine willkommen geheißen. In vielen Pfarrhäusern, in einem ehemaligen Bildungshaus in Germershausen, in Privatunterkünften finden sie ein Dach über dem Kopf – auch auf dem Domhof in Hildesheim. Aber es sind nicht ausschließlich Unterkünfte mit denen geholfen wird: Deutschkurse werden angeboten, Begegnungen organisiert, die Pfarreien arbeiten mit den Kommunen zusammen, um den Geflohenen sofort Hilfe zukommen zu lassen: „Schülerinnen und Schüler kümmern sich um die neuen Mitschüler aus der Ukraine.“

Es sei entscheidend, jetzt zusammenzuhalten: „Das wird die Situation für alle leichter machen.“ Auch im Gebet: „Denn so können wir uns von Gottes Kraft aufrichten lassen.“ Für Pfarrer Roman Maksymtsiv, den Seelsorger von St. Wolodymyr, war der Besuch mehr als nur ein Zeichen der Ermutigung: „Er zeigt, dass wir nicht allein sind, mit unserer Sorge und unseren Ängsten.“ Die große Hilfsbereitschaft war und ist für die Gemeinde überwältigend: „Unsere Kirche ist ein Lager für Hilfsgüter geworden.“ Das sei für ihn ein Anlass zum Dank.

Zusammen mit Maksymtsiv und seiner Frau Mariya besuchte Wilmer in Anschluss an den Gottesdienst die Notquartiere für Geflüchtete auf dem Messegelände in Hannover. „Wir kümmern uns hier gerade um Frauen und Kinder, die auf der Flucht ein besonderes schweres Schicksal erleiden müssen“, sagt Mariya Maksymtsiv, die in den Quartieren auch als Dolmetscherin tätig ist. Wilmer kam mit zwei Familien ins Gespräch. Eine Mutter brachte auf der Flucht kurz vor der polnischen Grenze ihr fünftes Kind zu Welt. Eine weitere Familie – Großmutter, Mutter, zwei Töchter mit insgesamt vier kleinen Kindern im Alter von drei bis acht Jahren – schlug sich über die Slowakei und Tschechien bis nach Hannover durch. Hier verstarb die Großmutter. Beide Familien haben Ehemänner und Angehörigen in der Ukraine zurückgelassen. „Diese Schicksale machen sprachlos“, bekannte Wilmer.

(Hier finden Sie Eindrücke der Gespräche.)

Doch sie zeigen für den Hildesheimer Bischof auch, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht nur ein regionaler Konflikt sei, sondern einen Angriff auf die Grundlagen des Zusammenlebens in Europa sowie des Völkerrechts darstelle. Entsprechend bedürfe es grundlegender politischer Reaktionen. Die praktische Solidarität mit der Ukraine umfasse neben der Unterstützung der Flüchtenden auch Beiträge zur Verteidigung der Ukraine durch kluge Waffenlieferungen. „Es gilt, die russische Aggression so schnell wie möglich zu stoppen und Voraussetzungen für erfolgversprechende Verhandlungen zu schaffen“, betonte Wilmer. Er ist Vorsitzender der deutschen Kommission Justitia et Pax, die am Wochenende in einer Erklärung ein „starkes Sanktionsregime“ gegen Russland gefordert hat. 

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news-30088 Fri, 25 Mar 2022 11:01:52 +0100 Die Seele der Stadt https://www.kath-kirche-hannover.de/aktuelles/nachrichten/artikel/news-title/die-seele-der-stadt-30088/ Welchen Beitrag soll und kann die Religion für die Stadtentwicklung leisten? Podiumsdiskussion mit Kultureinsprengseln und Austausch. Am Freitag, 1. April – im GOETHE EXIL und live auf YouTube. Beginn ist um 19 Uhr. Städte verändern sich rasant. Auch in Hannover wird in einem groß angelegtem Prozess der Frage nachgegangen, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen. Welche Rolle haben dabei Kirchen und Religion? Bauliches Zierrat? Garant für sozialen Zusammenhalt? Oder: Welche Seele braucht eine Stadt? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Diskussion.

Auf dem Podium
 

  • Dr. Patricia Löwe 

Wissenschaftliche Referentin der Berliner Guardini Stiftung und ist als freie Autorin tätig. Studium der Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Religions-/Kulturwissenschaft in Berlin. 2019 Promotion zum Dr. phil. an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Thema „Die Erlösung des Cartesianischen Subjekts. Die Philosophie des Cogito als Ausdruck der Zerbrechlichkeit des Menschen“. Forschungsschwerpunkte: Philosophische Anthropologie, Sünde und Schuld im religiösen Kontext, Hermeneutik der Religionen, Philosophie/Theologie des Bösen 

  • Oberbürgermeister Belit Onay

Seit 2019 Oberbürgermeister von Hannover, zuvor Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag, dabei Sprecher von Bündnis90/Die Grünen für Innenpolitik, Kommunalpolitik, Migration und Flüchtlinge, Sport und Netzpolitik. Studium der Rechtswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover. Eine Herausforderung vor Ort ist die Entwicklung der Innenstadt. Sie ist ein Schmelztiegel der Gesellschaft, viele verschiedene Gruppen kommen hier zusammen. Das ist nicht konfliktfrei – und auch deshalb wird der Innenstadtdialog eingerichtet. 

  • Dilek Ruf 

Architektin, Gründerin und Geschäftsführerin BBU.PROJEKT ARCHITEKTEN BDA, seit 2018 Vorstandsvorsitzende BDA - Bund Deutscher Architektinnen & Architekten Hannover. Studium an der TU Darmstadt. In Hannover unter u.a. engagiert in der AG „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ und im Beirat zur Bewerbung Hannover zur Kulturhauptstadt Europas. Mitglied im Beirat zum Innenstadtdialog. 2021 Trägerin des STADT-HANNOVER-PREISES "Frauen machen Standort". Einer der Schwerpunkte von BBU.Projekt ist das Nutzbarmachen städtischen Potenzials bevor mit Neubauten in ökologisch intakte Systeme eingegriffen wird.

  • Bischof Dr. Heiner Wilmer

Seit 2018 Bischof von Hildesheim, zuvor Generaloberer der Kongregation der Herz-Jesu-Priester in Rom. 1985 Ablegung der Ewigen Profess,  1987 Weihe zum Priester, Studium in Rom und Freiburg, 1991 Promotion zum Doktor der Theologie. Danach Lehrer in Vechta und New York sowie Schulleiter in Handrup. Von 2007 bis 2015 Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn. Im Hinblick auf den eigenen Gebäudebestand rückt das Bistum im Prozess "Immobilienentwicklung" den Blick auf eine zentrale Frage: "Was brauchen Menschen von heute, Gläubige, Neugierige und auch Nachbarn in unserem Sozialraum?" 

 

  • Moderation:  Katrin Heise, Deutschlandfunk Kultur und rbb Kultur
  • Musik: Johannes Kellner, Kontrabass / Leo Harling, Schlagzeug

Die Diskussion wird live auf dem YouTube-Kanal der Katholischen Kirche in der Region Hannover übertragen

 

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