Mensch und Legende
"Hiroshima ist überall“ – Der Briefwechsel des Philosophen Günther Anders mit dem Hiroshima-Piloten Claude Eatherly: Lesung am Samstag, 16. August, um 18:30 Uhr in der Basilika St. Clemens.
„Hiroshima ist überall“: Schuld und Sühne, Reue und Widerstand, Aufstehen, um Nein zu rufen – all das zieht sich durch den Briefwechsel des Philosophen Günther Anders mit Claude Eatherly, einem der Piloten, die am Abwurf der Atombombe auf Hiroshima beteiligt waren.
Im Rahmen der Ausstellung „Little Boy – Fat Man“ lesen Alrun Hofert und Helene Krüger, Schauspielerinnen am Schauspielhaus Hannover, aus dem unter dem gleichnamigen Titel veröffentlichten Briefwechsel. Musikalisch wird die Lesung von Regionalkantor Francesco Bernasconi begleitet. Die Lesung am Samstag, 16. August, findet um 18.30 Uhr auf der Empore der Basilika statt (nicht barrierefrei). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter www.kath-akademie-hannover erforderlich.
Über Claude Eatherly (1918-1978) scheiden sich die Geister. Er war am 6. August 1945 Kommandeur des US-Bombers „Straight Flush“ und Teil der Special Bombing Mission No. 13. Sein Auftrag: Wetteraufklärung. Um 7:09 Uhr hat er sein Ziel erreicht. Die Sicht ist klar. Er meldet an dem ihm in einem Abstand von einer Stunde und acht Minuten Bombers „Enola Gay“: „Wolkendecke in allen Höhen weniger als drei Zehntel. Ratschlag: Hauptziel bombardieren“. Das Hauptziel: Hiroshima. Die „Enola Gay“ wirft auf die japanische Stadt die Atombombe Little Boy ab.
Eatherly, ein Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschinerie, wird zu einer legendären Figur. Der Einzige aus der Bombermannschaft, der an seiner Tat verzweifelt: Er wird kriminell, überfällt Geschäfte mit Spielzeugwaffen, ohne die Beute mitzunehmen, landet in einer Heilanstalt, ruiniert sein Leben. Er will bestraft werden, stellvertretend für seine Mitschuld an Hiroshima und Nagasaki. Die Anti-Atomwaffen-Bewegung feiert ihn, sein Leiden, seine Reue über eine Tat, die bisher nicht vorstellbar war. Mit einer Waffe, die die ganze Menschheit auslöschen kann.
Doch es wird auch ein anderes Bild von Eatherly gezeichnet: Missgunst, weil er die Bombe nicht selbst abwerfen durfte, Glücksspiel, Frauengeschichten, hinausgeworfen aus der Luftwaffe. Kurz: eine verkrachte Existenz, die nur deshalb nicht im Knast, sondern in der Heilanstalt landete, weil sie unzurechnungsfähig war.
Es war der österreichische Publizist und Philosoph Günther Anders (1902-1992), der 1959 einen Briefwechsel mit beginnt und ihn schließlich 1962 erstmals veröffentlichte. Für Anders ist Hiroshima eine Zäsur: „Das Zeitalter, in dem wir in jedem Augenblick jeden Ort, nein unsere Erde als Ganze in ein Hiroshima verwandeln können.“ Eatherly ist dabei der, der schuldlos schuldig geworden ist – ein Sinnbild für den Menschen im Atomzeitalter: verstrickt in eine immer unüberschaubar werdende Maschinerie, der weder Vorstellungskraft noch Verantwortung gewachsen sind. Davon erzählen die Briefe – unabhängig davon, wer Eatherly wirklich war. Einer, der Schuld bekennt, zu der sich niemand bekennen möchte, oder eine verkrachte Existenz. Im Fall von Claude Eatherly waren Mensch und Legende (egal welche) nicht mehr zu trennen.
- Sa., 16. August, 18:30 Uhr: Lesung. „Hiroshima ist überall“ – Der Briefwechsel des Philosophen Günther Anders mit dem Hiroshima-Piloten Claude Eatherly. Vortragende: Alrun Hofert und Helene Krüger, Schauspielerinnen am Schauspielhaus Hannover. Musik: Regionalkantor Francesco Bernasconi. Die Lesung findet auf der Empore der Basilika statt (nicht barrierefrei). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter www.kath-akademie-hannover erforderlich.
pkh/Wala





