"Schweigen ist keine Option"
900 Menschen demonstrieren gegen den "Kinderschutzkongress" der AfD | Aufruf durch breites Bündnis

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Über 900 Teilnehmende zählt die Polizei bei der Gegendemo zum "Kinderschutzkongress der AfD"

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Hannovers OB Belit Onay macht sich dafür stark, dass Kinder frei und ohne Angst aufwachsen

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Für den evangelischen Superintendent Christian Brouwer vom Kirchenkreis Hannover hat der AfD-Kongress nichts mit Kindern, „sondern mit menschenverachtender, gesellschaftsspaltender, diskriminierender Ideologie“ zu tun

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Mira Thoben (Katholische Kirche in der Region Hannover): „Wir glauben an ein christliches Menschenbild und das umfasst Würde für alle Menschen und Schutz für alle Kinder, auch für geflüchtete, für arme, für queere Kinder.“

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Auch musikalisch wurde für Vielfalt, Respekt und Demokratie als wichtige Elemente des Kinderschutzes demonstriert – zum Beispiel durch die Sängerin Ayda Kırcı.
Das war ein deutliches Zeichen für Vielfalt Respekt und Demokratie. 900 Menschen haben mach Angaben der Polizei am Samstag, 21. Juni, gegen den sogenannten Kinderschutzkongress der Landtagsfraktion der AfD protestiert. Leitwort der Demo: "Kinder wirklich schützen".
Zur Demo gegen die Einflussnahme der AfD in der Bildungspolitik sowie in der Kinder- und Jugendarbeit hatte mit 35 Organisationen ein breites Bündnis aufgerufen: Parteien, Gewerkschaften, Verbände, "bunt statt braun" und Kirchen – auch die Katholische Kirche in der Region Hannover.
Für Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) instrumentalisiert die AfD Kinder für politische Irreführung und Manipulation: Es gehe der AfD darum, „Angst und Misstrauen zu schüren.“ Das sei aber genau das Gegenteil von Kinderschutz: „Ich möchte, dass die Kinder unserer Stadt frei und ohne Angst aufwachsen, in Vielfalt und in gegenseitigem Respekt.“ Die AfD habe sich gegen die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ausgesprochen. Die Partei sei gegen geschlechtliche Vielfalt, Aufklärung und Inklusion: „Wer Vielfalt leugnet, beschämt Kinder – er hilft ihnen nicht.“
Der AfD-Kongress habe nichts mit Kindern zu tun, „sondern mit menschenverachtender, gesellschaftsspaltender, diskriminierender Ideologie“, betonte der evangelische Superintendent Christian Brouwer vom Kirchenkreis Hannover. Zu einer offenen und toleranten Gesellschaft gehöre die Freiheit der Kinder: „Gerade, weil wir als evangelische Kirche in den letzten Jahren erkennen mussten, wie sehr wir beim Kinderschutz immer und immer wieder versagt haben.“
Auch Mira Thoben von der Katholischen Kirche in der Region Hannover verweist auf schwerwiegende Fehler der Kirchen: „Wir wissen um unser Versagen, wir wissen, was es heißt, wenn Institutionen Kinder nicht schützen.“ Aber genau deshalb sei es wichtig, den einfachen Weltbildern von rechten Christ*innen und christlichen Fundamentalist*innen etwas entgegenzusetzen: „Zu antifeministischen, queerfeindlichen und rassistischen Aussagen zu schweigen, hieße zuzustimmen – und das ist keine Option“, unterstreicht die Mitarbeiterin der Katholischen Familienbildungsstätte. Kinderschutz benötigt altersgerechte Aufklärung, das Anerkennen aller Familien, gesellschaftliche Teilhabe, das Recht von Kindern gehört zu werden und die Freiheit, dass Kinder sie selbst sein können: „Wir glauben an ein christliches Menschenbild und das bedeutet Würde für alle Menschen und Schutz für alle Kinder, auch für geflüchtete, für arme, für queere Kinder.“
pkh/Wala



