Darin steckt unsere ganze Erfahrung

Caritas-Kindertagesstätten auf dem Weg zum KTK-Gütesiegel

Mario* ist fünf Jahre alt und geht in eine Kindergartengruppe des Familienzentrums St. Vinzenz in Hannover-Linden, einem so genannten Sozialen Brennpunkt. In seinem Kindergartenalltag profitiert er von einem Prozess, der bereits  vor seiner Geburt, genauer gesagt vor sechs Jahren, startete. Damals haben sich alle 14 Caritas-Kindertagesstätten in der Stadt Hannover darauf eingelassen, das KTK (Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder)-Gütesiegel zu erwerben. Mit Erfolg haben  alle Einrichtungen kürzlich die Zertifizierungsreife des  KTK-Gütesiegels erreicht.

Für Mario und seine Mutter Elisa(24)* bedeutet das mehr Transparenz. Die alleinerziehende Mutter kann im Wochenplan genau sehen, dass zum Beispiel am Montag ein neues Lied eingeübt wird und die Gruppe am Mittwoch einen Ausflug ins Sealife-Hannover geplant  hat. Diese Aktionen finden sich anschließend im Gruppentagebuch wieder, dort werden sie dokumentiert, genauso wie die praktische Umsetzung der Ziele des KTK-Gütesiegels: unter anderem das Vertrauen der Kinder in das Leben zu stärken. Im Ordner Lieder-Spiele-Reime kann Elisa schauen, wie in Marios Kindergartengruppe Geburtstag gefeiert wird und was Mario dafür an Kuchen oder Süßigkeiten mitbringen kann. Innerhalb des Prozesses zum Gütesiegel haben wir lernen müssen, vieles zu dokumentieren, sagt Inka Deppe-Suhr, die Leiterin des Familienzentrums St. Vinzenz, aber in der Praxis hat es sich gezeigt, dass die Strukturen des Gütesiegels Sicherheit und Orientierung geben für Kinder, Eltern und Erzieher.

Wenn man die Aktenordner sieht, die sowohl Nachschlagewerke zum Gütesiegel sind, als auch praktische Sammlungen und Dokumentationen der Arbeit der jeweiligen Einrichtung, dann ist das eine Menge Material. Aber es ist nichts berflüssiges, sagt Stefanie Lorenzen, sie hat für St. Vinzenz am KTK-Gütesiegel-Prozess teilgenommen, da drin steckt unsere ganze Erfahrung. Wenn wir heute mit einer Gruppe einen Ausflug ins Phaeno nach Wolfsburg, eine Waldwoche oder auch eines der großen Kirchenfeste planen wie St. Martin oder Nikolaus, dann brauchen wir nicht jedes Mal von vorn anfangen, sondern wir können  in diesen Unterlagen nachschlagen. Es erleichtert unsere Arbeit. Neben der Planung ist auch die Reflexion ein wichtiger Bestandteil beim KTK-Gütesiegel.  Thea Heusler, unserer Abteilungsleiterin beim Caritasverband in Hannover, ist es gelungen, alle Caritas-Kitas zu einer lernenden Organisation zusammen zuführen, so Deppe-Suhr, und durch die Reflexion, Weiterentwicklung und Fortbildung bleiben wir in Bewegung. Stillstand gibt es nicht, auch dann nicht, wenn wir das KTK-Gütesiegel bekommen haben. Denn das Siegel versteht sich nicht als Polster, auf dem man sich ausruhen kann: Es liefert die gemeinsame Basis des Handelns, so Lorenzen, und auf dieser Basis bauen wir auf und entwickeln uns weiter.

In den Ordnern sind viele wichtige Regeln für das Leben in und um das Familienzentrum festgeschrieben. Sie betreffen die Erzieherinnen genauso wie Kinder und Eltern. So kann sich Elisa darauf verlassen, dass die Erzieherinnen zweimal im Jahr mit ihr über die Entwicklung von Mario sprechen und gemeinsam beraten, was für ihn gut ist. Auch diese Gespräche werden dokumentiert und in einem der Ordner abgeheftet. Und im so genannten Ich-Buch wird in Absprache mit dem Kind alles festgehalten, was es wann und wo gelernt hat mit Fotos und auch mit selbstgemalten Bildern. Weiter geführt wird dieses Buch dann im Hort mit den Grundschülern, denn im Familienzentrum werden  insgesamt zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen betreut. Und genau wie bei den KiTa-Gruppen wird die Arbeit mit den Hortkindern nach den in den KTK Gütesiegel festgelegten Vorgaben dokumentiert.

(pkh)

(*Name geändert)