Dialog als Grundprinzip kirchlicher Bildungsarbeit

Rund 200 Schulleiter, Schulträger und Bildungsverantwortliche haben sich am 21. September zum 9. Bundeskongress Katholische Schulen unter dem Thema Lernen im Dialog ? Katholische Schulen in der pluralen Gesellschaft in Hannover getroffen. Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, betonte, die Dialogfähigkeit müsse ein zentrales Bildungsziel Katholischer Schulen sein.

Erzbischof Becker verwies auf die Aufgabe der jungen Menschen in den Schulen, die Zukunft einer von Heterogenität gekennzeichneten Gesellschaft zu gestalten: Deshalb muss die Erziehung und Bildung an unseren Katholischen Schulen die Schülerinnen und Schüler zum konstruktiven Dialog mit Menschen anderer Herkunft, anderer Einstellungen und anderer religiöser berzeugungen befähigen und ermutigen. Die Kirche verstehe es im Zusammenhang weltweiter Pluralität und Heterogenität als ihre besondere Aufgabe, sich für ein gutes, friedliches, respektvolles Miteinander aller Menschen einzusetzen. Aus dieser Grundhaltung heraus müssten Katholische Schulen Laboratorien einer menschlichen Gemeinschaft in Vielfalt sein

Pater Dr. Friedrich Bechina, Untersekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen im Vatikan, machte deutlich, dass Papst Franziskus den Dialog nicht nur als Anhängsel, sondern als Grundprinzip der Bildungsarbeit der Kirche verstehe. Vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrungen im katholischen Schulwesen betonte er, dass der Dialog nicht taktisch verstanden werden darf, sondern aus dem Inneren des christlichen Glaubens kommt, weil Gott selbst den Weg des Dialogs gewählt hat. Der Dialog führe vom offenen Hören auf den anderen über Nachdenken und Verstehen zur Bildung eines eigenen Standpunktes.

Der Kongress wurde mit einem Wortgottesdienst in der Kirche St. Michael eröffnet, dem der neue Bischof von Hildesheim, Bischof Dr. Heiner Wilmer, vorstand. In seiner Predigt betonte Bischof Wilmer, das Christentum sei zutiefst eine Bildungsreligion. Davon zeuge auch das vielfältige System Katholischer Schulen in Deutschland. Der Kern dieses christlichen Bildungsgedankens werde immer noch geprägt vom Denken Meister Eckharts, der Bildung in drei Aspekten erfasst habe: entbilden, einbilden und überbilden. Entbilden bedeute, Täuschungen loszuwerden, sich von falschen Idealen zu trennen und frei und empfänglich zu werden, so Wilmer. Einbilden im Sinne Meister Eckarts kennzeichne eine innere Offenheit und eine Identifikation mit Gott in der Person Jesus von Nazarath. Indem ich immer wieder in der Bibel lese und mich mit ihr auseinandersetze, lerne ich, mich mit den Haltungen von Jesus Christus zu identifizieren. Man lernt das, wie man auch Schreiben lernt. Das berbilden schließlich sei eine Gnade, betonte der Bischof: Ich lasse Gott in mir wirken und lebendig werden, lasse mich von der Gegenwart Gottes durchleuchten. Gott selbst wirkt dann in mir. Das sei eine Verwandlung zu großer Humanität.

In Diskussionsforen tauschten sich die Teilnehmer über Erfahrungen und konkrete Handlungsansätze in der Schulpraxis aus. Dabei ging es um die Positionierung Katholischer Schulen in einem säkularen gesellschaftlichen Umfeld ebenso wie um Impulse zur Verständigung über kulturelle Grenzen hinweg und um gelebte kumene im Alltag Katholischer Schulen. Eine wichtige Frage war auch, wie Katholische Schulen Angehörigen anderer Religionen gerecht werden können.



Hintergrund

Der Bundeskongress Katholische Schulen ist die zentrale Veranstaltung des katholischen Schulwesens in Deutschland, zu dem 904 allgemein- und berufsbildende Katholische Schulen in freier Trägerschaft mit rund 360.000 Schülerinnen und Schülern und rund 33.000 Lehrerinnen und Lehrern gehören. Er wird alle zwei Jahre von der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz veranstaltet.

dbk/pkh