Die kleinen Aufbrüche würdigen

1.000 Katholiken aus Hannover feierten gemeinsam Fronleichnam

Rund 1.000 Katholiken aus acht Gemeinden der Stadt Hannover haben am Donnerstagabend gemeinsam mit einem Open-Air-Gottesdienst auf dem Kirchplatz der Neustädter Hof- und Stadtkirche und einer anschließenden Prozession das Fest Fronleichnam gefeiert. Wir bekennen unseren Glauben diesmal nicht im geschützten Raum einer Kirche, sondern öffentlich, sagte Propst Martin Tenge. Bei der Prozession wird eine geweihte Hostie in einem Zeigegefäß, der Monstranz, durch die Straßen getragen. Nach katholischem Glauben ist Jesus Christus in dem Brot selbst unter den Menschen präsent. Wir kehren hier unser Inneres nach außen, beschrieb es Propst Tenge.

Die Katholiken der Stadtgemeinden feierten zum vierten Mal gemeinsam. Dabei ist die Akzeptanz stetig gestiegen: In jedem Jahr kamen mehr Gläubige hinzu. Die Fronleichnamsfeier 2012 nahm das Motto des Katholikentages in Mannheim auf: Einen neuen Aufbruch wagen. Lieder, die den Katholikentag prägten, wurden gesungen, die roten Schals der Katholikentagsteilnehmer waren in der Menge zu sehen.  Hans-Joachim Osseforth, Pfarrer der Gemeinde St. Maximilian Kolbe auf dem Mühlenberg, hielt die Predigt. Zuerst wandte er sich an die Kinder und fragte, ob sie noch Maikäfer kennen. Sie pumpen und pumpen, bevor sie losfliegen. Die Kirche pumpt, aber sie fliegt nicht los. Der große Aufbruch passiert nicht, kritisierte er.

Er appelliert an die Mitfeiernden, stattdessen die kleinen, alltäglichen Aufbrüche in der Kirche zu  würdigen. Gemeindemitglieder organisieren an vielen Orten Andachten und Wort-Gottes-Feiern selbst, ohne Mitwirkung von theologischen Profis. Sie können das oft besser als wir, lobte Osseforth die Zuhörenden. Nach dem Gottesdienst bewegte sich die Prozession am Leineufer entlang zur Basilika St. Clemens. Die Kinder, die in diesem Jahr zur ersten Heiligen Kommunion gegangen sind, trugen noch einmal ihre weißen Kleider und  dunklen Anzüge und streuten Blütenblätter auf den Weg.

pkh