Dienst zwischen Himmel und Erde

Flughafenseelsorge ? für die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Engagierten heißt das, entspannten Urlaubern einen Reisesegen mit auf den Flug zu geben. Und gleichzeitig bei Unglücksfällen einsatzbereit zu sein. In Hannover haben sich zum Erfahrungsaustauch jetzt mehr als 20 Flughafenseelsorger aus Hannover und Berlin getroffen.

Die Flughafenseelsorger aus Berlin, die derzeit an den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld im Einsatz sind, lernten dabei die Kapelle der Flughafenseelsorge in Hannover kennen. Dass es wichtig ist, dass Kirche hier präsent ist, sagen Elisabeth Meyer und Norbert Moser. Beide sind als Ehrenamtliche für die Kirche aktiv. Elisabeth Meyer in Hannover Norbert Moser in Berlin.

 

Liebe Frau Meyer, lieber Herr Moser, Sie sind beide ehrenamtlich für die Flughafenseelsorge aktiv. Was genau sind da Ihre Aufgaben?

 

Moser: Ich bin einmal in der Woche an einem der beiden Flughäfen in Tegel oder Schönefeld. Meistens betreue ich die Mitarbeiter des Flughafens, aber manchmal auch Fluggäste, wenn sie Fragen haben, Sorgen, Nöte und Wünsche. Da können wir dann weiterhelfen. In seltenen Fällen habe ich es mit etwas Ernstem zu tun, wie nach dem Anschlag in Nizza. Das betrifft dann auch die Menschen am Flughafen. Manchmal unterstützen wir die Polizei oder Feuerwehr bei größeren Einsätzen.

 

Meyer: Als Ehrenamtliche bei der Flughafenseelsorge in Hannover bekomme ich einen großen Einblick in das Gesamtgeschehen. Ich engagiere mich zum Beispiel bei Terminaleinsätzen, wo wir Menschen, die kurz vor dem Abflug stehen, einen Reisesegen mitgeben oder einfach die Möglichkeit eröffnen, ins Gespräch zu kommen. Dabei weisen wir auch auf die Kapelle hin, die einfach ein toller Ort ist, eine Oase hier am Flughafen. Vielleicht mögen die Reisenden diese auch so mal aufsuchen, wenn sie wieder zurückkommen oder bevor sie sich das nächste Mal wieder auf die Reise begeben.

 

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die Seelsorge an Flughäfen?

 

Meyer: Es ist wichtig, dass es an diesem Ort eine Anlaufstelle gibt für Menschen in Notsituationen. Die Flughafenseelsorge kann das leisten. Viele Menschen, die keinen Kontakt mehr mit ihrer örtlichen Kirchengemeinde haben, können hier Kirche und Seelsorge noch einmal neu erfahren.

 

Moser: Wir bilden aus meiner persönlichen Sicht einen Pol der Ruhe. Am Flughafen ist ja viel Hektik und Unruhe, und wir bieten den Fluggästen und den Mitarbeitern die Möglichkeit, in Ruhe miteinander zu reden. Und das, glaube ich, ist etwas ganz Wichtiges.

 

Welche Erlebnisse waren bisher für Sie als Ehrenamtliche besonders prägend?

 

Moser: Mir ist besonders der Anschlag in Nizza in Erinnerung. Es waren zu der Zeit auch einige Schulklassen aus Berlin in Südfrankreich und wir haben dann in den folgenden Tagen zusammen mit anderen Organisationen die Klassen empfangen. Drei Tage später hatte ich am Flughafen Schönefeld einen Einsatz mit einer Schülerin, die stark verletzt worden war, und dort habe ich die Betreuung vor Ort am Flughafen übernommen. Ich habe sie dann unter Ausschluss der ffentlichkeit bis zur bergabe zum Krankenwagen begleitet.

 

Meyer: Für mich war ein wichtiger Moment, als ich während eines Terminaleinsatzes verschiedene Reisende angesprochen habe. Ich habe mich vorgestellt und gesagt, dass ich von der Flughafenseelsorge bin. Eine Frau hat dann geantwortet: Es ist doch kein Notfall! Da sind wir darüber ins Gespräch gekommen, dass wir nicht nur für den Notfall da sind oder wenn die Menschen trauern, sondern für alle Zeiten des Lebens, auch für fröhliche Momente, und dass Kirche auch an solchen besonderen Orten und zu besonderen Zeiten für die Menschen da sein möchte. Das ist für die Reisenden oft eine besondere Erfahrung, wenn sie merken, dass man Kirche auf diese Weise noch einmal neu erleben kann.

 

 

In Hannover sind seit mehr als zehn Jahren haupt- und ehrenamtliche Flughafenseelsorger im Einsatz. Getragen wird das ökumenische Projekt von der Evangelischen Landeskirche Hannover und dem Bistum Hildesheim. Die Kapelle der Flughafenseelsorge befindet sich im Hannoveraner Flughafen auf der Ankunftsebene zwischen den Terminals A und B.

Wer Interesse daran hat, als Ehrenamtlicher die Flughafenseelsorge zu unterstützen, kann sich wenden an: Pastor Ulrich Krämer, Tel. 0511- 97 72 06 2.

Lorenz Kutschke und Horst Vorderwülbecke