Sie hinterlassen Spuren

Franziskaner verlassen Hannover

Wenn wir gehen, gibt es keinen Ort mehr in Hannover, wo täglich die Beichte gehört wird, sagt Bruder Bernhard Igges, er ist der letzte Guardian (Hausoberer) des Franziskanerklosters und Pfarrer von St. Antonius in Hannover-Kleefeld. Vor neun Jahren, als er nach Hannover kam, hatte er sich nicht träumen lassen, einmal hier die Ära der Franziskaner zu beenden.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Nach der Vertreibung des Ordens in der Reformation gab es einen Neuanfang in der niedersächsischen Landeshauptstadt. In Hannover hatten die katholischen Pfarrer nach dem ersten Weltkrieg den Wunsch geäußert, eine Ordensniederlassung im Stadtteil Kleefeld anzusiedeln. Der Hildesheimer Bischof Joseph Godehard Machens unterstützte das Ersuchen und die Franziskaner der Thüringer Provinz sagten 1926 zu. Mit dem ersten Spatenstich und der Grundsteinlegung im August 1927 begann die eigentliche Geschichte des Franziskanerklosters in Kleefeld.  Bereits ein Jahr später am 17. Juni 1928 wurde die St. Antonius Kirche geweiht.  Und das Kloster machte sich auch im Umland bekannt. Bis in die Stiftsdörfer kamen die Brüder, berichten Zeitzeugen, und sammelten Lebensmittel und predigten bei Volksmissionen.  Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Kloster, ebenso wie das Franziskanerkloster in Ottbergen der Schlesischen Provinz übergeben. Als die im Laufe der Jahre immer kleiner wurde, schloss sie sich 1986 mit der Sächsischen  Franziskanerprovinz in Werl zusammen.  Doch auch hier sanken die Zahlen, Niederlassungen mussten geschlossen werden. Auch Hannover stand zur Disposition. Die Verlegung des Provinzialats nach Hannover sicherte den Standort in Kleefeld  - für die nächsten zwölf Jahre. Doch nun ereilt auch St. Antonius das Schicksal der Klosterschließung. Jede Schließung einer Ordensniederlassung ist schmerzhaft, so Br. Bernhard, aber man muss der Realität ins Auge schauen. Als ich damals in den Orden eingetreten bin, hatten wir in unserer Provinz rund 500 Mitbrüder. Jetzt haben wir in der neuen, gerade zusammengelegten deutschen Provinz  rund 300. Kleefeld ist nicht das erste Franziskanerkloster das geschlossen wird und  es wird nicht das letzte sein, da wir immer weniger werden.

Wenn Br. Bernhard zurückdenkt und überlegt, was das Franziskanerkloster in Kleefeld auszeichnet bzw. ausgezeichnet hat, dann war es vor allem, dass wir immer, rund um die Uhr für die Menschen da waren. Die Pfarrseelsorge mit einer Vielzahl von Gottesdiensten und den verschiedenen Gruppen der Gemeinde, Meditationsangeboten und die Einladung zum Stundengebet der Brüder prägten das Leben in St. Antonius. Die Gemeinde wird am 1. September zu St. Martin, Roderbruch, zugepfarrt. Br. Bernhard hofft, dass trotz der Zusammenlegung auch St. Antonius ein Ort bleibt, wo Menschen Gottesdienste feiern und ihren Glauben leben können. Für ihn und seine Mitbrüder ist der Abschied von Hannover weniger schmerzhaft, denn: Wir sind es gewohnt, in eine andere Ordensniederlassung zu wechseln und dort  eine andere, eine neue Aufgabe zu übernehmen. Das ist bei uns Franziskanern ganz normal. Wohin Br. Bernhard und seine drei Mitbrüder demnächst gehen werden, ist noch nicht klar. Aber der Provinzial hat sich mit jedem unterhalten und nach seinen Wünschen gefragt. Für Br. Bernhard könnte der Weg nach Osten führen: Unsere Ordensniederlassung in Halle würde mich interessieren.

Auch wenn die Franziskaner aus Hannover weggehen, haben sie Spuren hinterlassen. Begegnungen, Gespräche oder Begleitung in einer besonderen Lebenssituation bleiben vielen Menschen in Hannover in Erinnerung. Und der Sonnengesang-Garten hinter dem Kloster ist mehr als nur ein Andenken an die Franziskaner. Er ist jetzt fast ganz fertig und veranschaulicht den Sonnengesang des Hl. Franziskus, sagt Br. Bernhard und man spürt, wie viel ihm dieser Garten bedeutet. Denn auch wenn das Franziskanerkloster in Kleefeld Geschichte ist, soll hier der franziskanische Geist weiterhin spürbar und erfahrbar bleiben.

(pkh)

 

Am Sonntag, 29.8. um 11.00 Uhr  verabschiedet sich die Pfarrgemeinde von Br. Bernhard Igges als Pfarrer von St. Antonius. Anschließend gibt es einen Empfang im Pfarrheim. In der Hl. Messe um 18.00 Uhr verabschiedet Bischof Norbert Trelle die Franziskaner in Kleefeld. Auch nach diesem Gottesdienst gibt es einen Empfang im Pfarrheim von St. Antonius.