Die eine, die heilige ... II

St. Clemens in Hannover – Sonntagsgottesdienste in fünf Teilen

Die Basilika St. Clemens in Hannover: Jeden Sonntag wird hier fünfmal die heilige Messe gefeiert: als Hochamt für die Gemeinde. Als Spätmesse für Kirchenferne. Im außerordentlichen Ritus. Auf spanisch. Und mit und für Studierende. Versöhnte Verschiedenheit. Teil 2: Verantwortung

Die Fenster der Kirche aufstoßen das war das Anliegen von Papst Johannes XXIII., als er 1962 das II. Vatikanische Konzil einberief. Auf ihn beruft sich die gleichnamige Stadtgemeinde Hannovers, die jeden Sonntag zur sogenannten Spätmesse einlädt immer um 11.30 Uhr.

Es gibt keinen festen Priester, der Zelebrant wechselt. Auch Wortgottesdienste werden gefeiert. Ihnen gemein ist jedoch ein Anliegen: in der Liturgie sollen bewusst gesellschaftliche und auch politische Entwicklungen einbezogen werden. Die Zeichen der Zeit erkennen, wie es später im Hochgebet heißen wird.

Die Spätmesse versteht sich auch als Angebot für eher Kirchenferne, für die Fragen nach christlicher Verantwortung eine entscheidende Bedeutung haben: das Fenster zur Welt. Oder in Liedform: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe  ? bis das Lied zum Himmel schallt. Das singen die gut 70 Frauen und Männer, die sich im Mittelschiff von St. Clemens versammelt haben. Das Durchschnittsalter ist höher als im Hochamt der Gemeinde. International ja, Kinder nein.

Das Wort deuten: Predigt und Fürbittgebet bekommen breiten Raum. Schließlich haben es die beiden Schrifttexte in sich. Die Lesung aus der Hebräischen Bibel, Levitikus (19, 1-2. 17-18) spricht von der Heiligkeit des Herrn, der auffordert, keinen Hass gegen den Bruder im Herzen zu tragen. Im Evangelium (MT 5, 38-48) fordert Jesus dazu auf, nicht nur die andere Wange hinzuhalten, sondern den Feind zu lieben.
Pfarrer Hajo Osseforth, der Zelebrant ordnet diese Worte ein, theologisch, his­torisch, politisch, psychologisch. Immer wieder scheint durch: Auch das Verhalten in Konfliktsituation hat etwas mit der Verantwortung als Christenmensch zu tun: Die Worte Jesu sind ein Angebot zu Freiheit.

Markus Leibold schätzt diese Predigt: So ist diese Spätmesse entstanden, als ein Versuch in der Verkündigung neue Wege zu gehen verbunden mit guter Kirchenmusik. Er gehört zu dem Kreis, der die Gottesdienste plant und vorbereitet.

Auch Gertrud Schmidt nimmt viele Impulse mit, weiter über die sperrigen Texte nachzudenken: Das geht sonst oft verloren. Doch genauso bedeutsam ist für sie das Zeichen, das diese gemeinsame Verantwortung besiegelt: der Empfang von Brot und Wein, die Kommunion unter beiden Gestalten.

 

Teil I: Gemeinschaft

Rüdiger Wala